Dröge nennt Dobrindts Grenzpolitik 'Missachtung der Justiz'
Veröffentlicht: 18.06.2026 um 15:54 Uhr, dpa.de"Eine weitere Kammer des Verwaltungsgerichts Berlin hat geurteilt, dass die Praxis der ZurĂŒckweisungen von Asylsuchenden an den deutschen Grenzen rechtswidrig ist", sagt die Co-Vorsitzende.
Hessens Innenminister, Roman Poseck (CDU), sieht das anders. Am Rande der Innenministerkonferenz in Hamburg sagt er: "Ich halte es fĂŒr richtig, dass wir Grenzkontrollen haben, und ich halte es auch fĂŒr richtig, dass es zu ZurĂŒckweisungen an den Grenzen kommt." Nur die ZurĂŒckweisungen machten die Grenzkontrollen wirksam. Poseck fĂŒgt hinzu: "Ich glaube nicht, dass uns die Rechtsprechung das untersagt."
Urteil aus Berlin
Zuvor war die ZurĂŒckweisung von Asylsuchenden bei Grenzkontrollen auf deutschem Gebiet in einer weiteren gerichtlichen Eilentscheidung fĂŒr rechtswidrig erklĂ€rt worden. Das Verwaltungsgericht Berlin gab dem Eilantrag eines Mannes aus Eritrea recht, der sich gegen die ZurĂŒckweisung an der deutsch-polnischen Grenze wehrte. Die Bundespolizei wurde verpflichtet, dem Mann aus Eritrea den GrenzĂŒbertritt zu gestatten. Ohne die Eilentscheidung drohten "schwere und unzumutbare" Nachteile fĂŒr den Mann, der als psychisch erheblich belastet beschrieben wird, hieĂ es.
Im vergangenen Jahr war die ZurĂŒckweisung von Asylsuchenden bei Grenzkontrollen auf deutschem Gebiet erstmals von einem Gericht fĂŒr rechtswidrig erklĂ€rt worden.
Dröge: Weitere Niederlage fĂŒr Dobrindts Politik
"Diese Gerichtsentscheidung ist eine weitere Niederlage fĂŒr die Politik von Alexander Dobrindt", sagt Dröge. Das mĂŒsse endlich Konsequenzen haben. Dass er einfach an den ZurĂŒckweisungen bei Grenzkontrollen festhalte, sei aus ihrer Sicht "eine unverschĂ€mte Missachtung der Justiz". Die Gerichtsentscheidungen als "Einzelfallentscheidungen" abzutun, sei mehr als ein durchschaubares Ablenkungsmanöver. Mit den Grenzkontrollen gefĂ€hrde Dobrindt auĂerdem den Zusammenhalt in der EuropĂ€ischen Union.
Poseck dagegen sagt, nach seiner Wahrnehmung seien dies "Einzelfallentscheidungen". Und: "Da geht es auch um einen sehr spezifischen Sachverhalt." Dieser könne nicht dahingehend interpretiert werden, dass ZurĂŒckweisungen rechtlich nicht zulĂ€ssig seien.
Dobrindt (CSU) hatte die von seiner AmtsvorgĂ€ngerin Nancy Faeser (SPD) bereits auf alle deutschen Landgrenzen ausgeweiteten Grenzkontrollen im Mai 2025 intensiviert. AuĂerdem wies er die Bundespolizei an, auch Asylbewerber zurĂŒckzuweisen - mit Ausnahme von Kranken, Schwangeren und anderen Menschen, die besonderer Hilfe bedĂŒrfen.
