AKTIE IM FOKUS/ Übernahmefantasie: Easyjet legt stark zu - Castlelake-Interesse
01.06.2026 - 09:29:17 | dpa.deDie Anteile der Billigfluggesellschaft legten im frühen Handel um rund 13 Prozent auf fast 448 Pence zu. Mitte Mai war der Kurs noch bis auf 333 Pence und damit auf den tiefsten Stand seit Anfang Dezember gefallen, konnte sich aber zuletzt etwas erholen. Mit dem Kursniveau aus dem frühen Handel am Montag wird Easyjet an der Börse mit rund 3,4 Milliarden Pfund (3,9 Mrd Euro) bewertet. Zum Vergleich: Der Konkurrent Ryanair IE00BYTBXV33 kommt auf rund 26 Milliarden Euro; die Lufthansa DE0008232125 auf circa 10 Milliarden Euro.
Die US-Investmentgesellschaft Castlelake hatte am Freitagabend bestätigt, dass sie sich in einem frühen Stadium von Überlegungen zur Abgabe eines Kaufgebots befindet. Zuvor hatte die britische Webseite "Betaville" entsprechend berichtet. Sowohl Castlelake als auch Easyjet sagten, es hätten noch keine Gespräche stattgefunden.
Castlelake sei angesichts seiner Historie im europäischen Airline-Sektor ein glaubwürdiger Interessent, kommentierte Analyst Harry Gowers von der US-Bank JPMorgan. Die im Vergleich zur Konkurrentin Ryanair IE00BYTBXV33 deutlich schwächere Kursentwicklung seit Jahresbeginn - und auch schon in den vergangenen fünf Jahren - werfe Fragen über die Unternehmensstrategie auf. Angesichts dessen sowie des erheblichen Potenzials zur Freisetzung von Werten seien Übernahmespekulationen nichts Neues.
Allerdings könnten sich die Eigentümerstruktur und die Frage europäischer Betriebsrechte von Easyjet als Stolpersteine für Castlelake als US-Unternehmen erweisen, betonte Gowers. RBC-Experte Ruairi Cullinane teilt diese Bedenken. Dass Easyjet Aktionäre der EU und Großbritannien habe, könnte angesichts der bestehenden Beteiligungsvorschriften eine solche Transaktion mindestens erschweren, falls Castlelake ohne einen Partner agiere. In der Branche sieht Cullinane die Konkurrentin Jet2 GB00B1722W11 wegen ihrer im Vergleich günstigsten Bewertung als wahrscheinlichstes weiteres Übernahmeziel.
Zuletzt hatte es im Oktober vergangenen Jahres Spekulationen über ein Übernahmeangebot der schweizerischen Großreederei MSC für Easyjet gegeben. Auch andere Akteure hätten ein Auge auf die Briten geworfen, hatte die italienische Zeitung "Corriere della Sera" damals berichtet. Auf Jahressicht hat die Aktie fast ein Drittel eingebüßt. Nach Bekanntwerden des Betaville-Berichts war das Easyjet-Papier am Freitag zunächst um bis zu sieben Prozent nach oben gesprungen. Aus dem Handel ging die Aktie ein Prozent höher.
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