Europa Schluss: KrÀftige Verluste nach einer Woche Iran-Krieg
06.03.2026 - 18:48:08 | dpa.deDie Forderung von US-PrĂ€sident Donald Trump nach einer "bedingungslosen Kapitulation" des Iran schickte die AktienmĂ€rkte zeitweise auf Mehrmonatstiefs. Sorgen, dass der Krieg noch lĂ€nger dauern könnte und die Ălpreise weiter steigen und die Weltwirtschaft gefĂ€hrden, machten sich breit. Angesichts einer leichten Entspannung bald nach dem US-Börsenauftakt erholten sich dann auch die Indizes in Europa wieder etwas. Die NervositĂ€t blieb aber hoch.
Der EuroStoxx 50 EU0009658145 ging mit einem Abschlag von 1,09 Prozent auf 5.719,90 Punkte aus dem Tag, nachdem der Leitindex der Eurozone zeitweise auf den tiefsten Stand seit Anfang Dezember gesackt war. Im Wochenverlauf verzeichnete der EuroStoxx einen Verlust von 6,8 Prozent.
AuĂerhalb der Euroregion gab der britische Leitindex FTSE 100 GB0001383545 am Freitag um 1,24 Prozent auf 10.284,75 Punkte nach, was auf Wochensicht ein Minus von 5,7 Prozent bedeutet. Der Schweizer SMI CH0009980894 verlor 1,52 Prozent auf 13.095,55 Punkte und verbuchte damit ein Wochenminus von 6,6 Prozent.
"Die Sorge vor einer möglichen Ausweitung des Nahostkonflikts verdirbt Anlegern den Appetit auf Risiko", kommentierte Marktexperte Timo Emden von Emden Research. Vor dem Wochenende herrsche besondere Vorsicht, zumal sich die Hoffnung auf ein zeitnahes Ende des Konflikts fĂŒrs Erste zerschlagen habe.
Am Samstag hatten die USA und Israel den Iran angegriffen und unter anderem dessen obersten FĂŒhrer Ajatollah Ali Chamenei getötet. Die Kampfkraft des Landes ist nach US-Angaben durch die Angriffe zwar deutlich geschwĂ€cht, doch der Iran versucht, den Krieg im gesamten Nahen Osten auszuweiten. Dabei wird vor allem die Ăl- und Gasinfrastruktur der Golfstaaten ins Visier genommen. Der Schiffsverkehr in der StraĂe von Hormus, durch die in Friedenszeiten tĂ€glich rund ein FĂŒnftel des weltweiten Ălhandels transportiert wird, ist fast zum Erliegen gekommen. Der Ălpreis beschleunigte seinen Höhenflug, was Konjunktur- und InflationsĂ€ngste weckt.
Mit Ausnahme der Ăl- und Gasbranche gaben alle Branchen nach. Eni IT0003132476 und Totalenergies FR0000120271 zĂ€hlten mit Gewinnen von 1,5 und 1,8 Prozent zu den Spitzenwerten im EuroStoxx. In London legten BP GB0007980591 und Shell GB00BP6MXD84 zu. Seit Beginn der Angriffe von USA und Israel auf den Iran hat sich Rohöl der Sorte Brent um mehr als 20 Prozent verteuert.
RĂŒstungswerte legten ebenfalls zu. Rheinmetall DE0007030009 als Favorit im EuroStoxx stiegen um 2,9 Prozent. Safran FR0000073272, ebenfalls Mitglied in EuroStoxx, gewannen 0,4 Prozent. Thales FR0000121329 legten an der Pariser Börse um 2,1 Prozent zu und in London stiegen BAE Systems GB0002634946 um 3,0 Prozent.
Zahlreiche Reise- und Freizeitwerte hielten ihre anfĂ€nglichen Gewinne nicht. Air France-KLM FR001400J770 gaben um 0,8 Prozent nach, IAG ES0177542018 bĂŒĂten in London 2,4 Prozent ein. Thomas Woldbye, Chef des Londoner GroĂflughafens Heathrow, hatte den Iran-Krieg als Herausforderung bezeichnet.
Unter den Einzelwerten fanden die Genussscheine von Roche CH0012032048 Beachtung, die um 2,9 Prozent nachgaben. Am Vorabend hatten der Pharmakonzern und sein Partner Zealand Pharma Daten aus einer Phase-II-Studie mit dem PrĂŒfwirkstoff Petrelintide zur Behandlung von Ăbergewicht bekannt gegeben. Vor allem die Angaben zur möglichen Gewichtsabnahme werteten Analysten als enttĂ€uschend.
Nestle CH0038863350 hielten sich im schwachen Gesamtmarkt mit plus 0,1 Prozent stabil. Das lag nicht nur daran, dass das Papier des Nahrungsmittelherstellers als defensiv, also relativ konjunkturunabhĂ€ngig, beurteilt wird. Es stĂŒtzte auch die Nachricht, dass der Tod eines SĂ€uglings in Frankreich nicht mit verunreinigter Babynahrung von Nestle zusammenhĂ€ngt. Der Fall war zeitlich mit dem RĂŒckruf von SĂ€uglingsmilchprodukten wegen möglicher Verunreinigung durch ein Toxin zusammengefallen.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
