AKTIE IM FOKUS: Bayer unter Druck nach weiterem negativen Glyphosat-Urteil
24.03.2025 - 09:17:48 | dpa.deIhr Kurs fiel im frĂŒhen Handel um 5,4 Prozent auf 22,79 Euro. Damit rutschte der Kurs unter die 21-Tage-Linie. Der Mitte Dezember unter 19 Euro gestartet Erholungstrend wird nun getestet. Dessen untere Grenze verlĂ€uft im Bereich um die 22,70 Euro.
Geschworene hatten in einem Rechtsstreit um den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup den Agrarchemie- und Pharma-Konzern zu knapp 2,1 Milliarden US-Dollar (1,9 Milliarden Euro) Schadenersatz verurteilt. Das teilten die AnwĂ€lte des KlĂ€gers am Wochenende auf Nachfrage mit. Die Summe beinhaltet 65 Millionen Dollar Schadenersatz sowie 2 Milliarden Dollar sogenannten Strafschadenersatz. Der KlĂ€ger macht Glyphosat fĂŒr seine Krebserkrankung verantwortlich. Das Urteil fiel im US-Bundesstaat Georgia. Bayer kĂŒndigte Berufung gegen die Entscheidung an. In der Vergangenheit waren solch hohe Summen spĂ€ter noch deutlich reduziert worden.
Die Entscheidung der Geschworenen sei zwar "wenig hilfreich" und könnte andere KlĂ€geranwĂ€lte "mutiger" machen, erklĂ€rte Analyst Richard Vosser von der Bank JPMorgan. GrundsĂ€tzlich Ă€ndere sich jedoch kaum etwas fĂŒr Bayer. FĂŒr den Konzern hĂ€nge weiterhin viel von GesetzesĂ€nderungen in den einzelnen Bundesstaaten sowie vom geplanten Gang vor das höchste US-Gericht, den US Supreme Court ab.
Vom Supreme Court hofft Bayer sich perspektivisch ein Grundsatzurteil. Der soll demnach ein fĂŒr allemal klĂ€ren, ob Bundesrecht zu Warnhinweisen beim Verkauf von Unkrautvernichtern ĂŒber dem Recht von Bundesstaaten steht. Allerdings ist offen, ob und wann sich der Supreme Court der Sache annehmen wird.
Dass Bayer derweil mit seiner Lobbyarbeit Erfolg hat, trug im aktuell verlorenen Fall im Bundesstaat Georgia noch keine FrĂŒchte. So verwies Analyst Vosser darauf, dass das Parlament und der Senat des Staates bereits eine GesetzesĂ€nderung abgesegnet hĂ€tten, die eine Warnung vor Glyphosat-Risiken ĂŒber das von der US-Umweltbehörde EPA veranschlagte MaĂ hinaus unnötig mache. Allerdings mĂŒsse dieses Gesetz noch vom Gouverneur des Staates unterschrieben werden.
Wichtiger sei zudem die Entwicklung im Bundesstaat Missouri, so Vosser. Denn dort seien rund 80 Prozent der noch offenen FÀlle wegen angeblicher Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter anhÀngig. In dem Staat habe ein Gesetz wie in Georgia das Parlament durchlaufen und liege nun beim Senat.
Die Probleme rund um den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup hatte Bayer sich 2018 mit der ĂŒber 60 Milliarden Dollar teuren Ăbernahme des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto ins Haus geholt. Im selben Jahr folgte ein erstes Urteil gegen das Dax DE0008469008-Unternehmen. Das setzte in den USA eine Klagewelle in Gang, die den Konzern schon viele Milliarden unter anderem fĂŒr Vergleiche mit KlĂ€gern gekostet hat. Zehntausende FĂ€lle sind gleichwohl noch offen.
Seit dem ersten Urteil haben die Bayer-Aktien rund drei Viertel ihres Wertes eingebĂŒĂt. An der Börse ist Bayer damit nur noch 22,4 Milliarden Euro wert.
So schÀtzen die Börsenprofis Thema des Tages Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
