Reichstes, Zehntel

Reichstes Zehntel richtet UmweltschÀden in Billionenhöhe an

19.06.2026 - 06:21:37 | dpa.de

ErderwĂ€rmung, Artensterben, SĂŒĂŸwasserverbrauch: Die reichsten zehn Prozent der Erdbevölkerung tragen deutlich ĂŒberproportional zur Zerstörung der Umwelt bei.

Nur durch ihren Konsum verursacht dieses Zehntel pro Jahr Umwelt- und KlimaschÀden in Höhe von schÀtzungsweise zwischen 1,7 und 5,7 Billionen US-Dollar (rund 1,5 bis 4,9 Billionen Euro), wie Forschende der niederlÀndischen UniversitÀt Leiden und der englischen UniversitÀt Oxford im Fachjournal "Communications Sustainability" berechnen. Die Verursacher sollten daher vermehrt in die Pflicht genommen werden, mahnen die Wissenschaftler.

"Auch wenn es mir unangenehm ist, der Umwelt einen Preis zuzuweisen - der wahre Wert der Natur ist unermesslich -, machen GeldbetrĂ€ge das Ausmaß der SchĂ€den und der Verantwortung der obersten 10 Prozent deutlich", erlĂ€utert Hauptautorin Inge Schrijver aus Leiden. "Die Schadenssumme ist höher als die Mittel, die weltweit fĂŒr Klima- und BiodiversitĂ€tsfonds benötigt werden."

In der Studie untersuchte das Team die Folgen allein des Konsums fĂŒr einige ausgewĂ€hlte planetare Belastungsgrenzen: Etwa die HĂ€lfte der verursachten SchĂ€den - 47 bis 56 Prozent - entfĂ€llt der Berechnung zufolge auf das Artensterben, an zweiter Stelle folgt der Klimawandel mit 36 bis 45 Prozent. Die Folgen der Anreicherung mit Stickstoff beziffert das Team auf 6 bis 8 Prozent, die Anreicherung mit Phosphor und die Folgen fĂŒr SĂŒĂŸwasser beziffert es jeweils auf unter 2 Prozent. Andere planetare Grenzen wie etwa die Versauerung der Meere oder Änderungen der Landnutzung blieben außen vor.

Gut 40 Prozent der EuropÀer zÀhlen zum reichsten Zehntel

Das Team betont, die reichsten zehn Prozent der Menschen seien ungleich ĂŒber die Erde verteilt. 60 Prozent von ihnen leben demnach in den USA und in der EuropĂ€ischen Union (EU), nur etwa 2 Prozent in Indien. Diese reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung verursachen pro Person der Studie zufolge durchschnittliche Umweltkosten in Höhe von 2.300 bis 7.500 US-Dollar pro Jahr (etwa rund 2. 000 bis 6.500 Euro).

Allerdings sind die regionalen Unterschiede enorm, wie die Autoren fĂŒr verschiedene LĂ€nder berechnen: In den USA liegen die pro Kopf verursachten jĂ€hrlichen SchĂ€den durch die reichsten zehn Prozent zwischen 19.000 und 63.000 Dollar. Der errechnete Mittelwert liegt bei etwa 38.000 Dollar.

In Indien betragen die SchĂ€den der obersten 10 Prozent pro Kopf und Jahr demnach 410 bis 1.400 Dollar. FĂŒr Deutschland liegt der jĂ€hrliche Mittelwert der UmweltschĂ€den pro Person des reichsten Zehntels bei knapp 10.000 Dollar.

Kosten umlegen nach Verursacherprinzip

"Die oberen zehn Prozent sind wichtig - nicht nur, weil sie den meisten Schaden verursachen, sondern auch, weil sie den grĂ¶ĂŸten Einfluss haben, ihn zu verringern", sagt Co-Autor Paul Behrens von der UniversitĂ€t Oxford. Sie entschieden mit ihren Investitionen, welche Branchen sich ausbreiteten. Und mit ihrem Lebensstil definierten sie mit, was in der Gesellschaft als normal gelte.

Das Team berechnete die Kosten des Umweltabdrucks mit Daten aus dem Jahr 2017 anhand eines Referenzhandbuchs fĂŒr die Monetarisierung von UmweltschĂ€den, dem sogenannten Environmental Prices Handbook. Die Schwankungsbreite der Zahlen spiegelt die Unsicherheit in den SchĂ€tzungen wider - insbesondere etwa fĂŒr die Kosten durch den Verlust von Artenvielfalt.

Die Berechnungen betreffen lediglich die Kosten durch den Konsum, die Folgen etwa von Finanzinvestitionen wurden nicht berĂŒcksichtigt. "Das Verhalten jener zehn Prozent, zum Beispiel durch regelmĂ€ĂŸiges Fliegen und große Autos, verursacht den Schaden", sagt Schrijver. Auch Fleisch essen und das Heizen mit Öl und Gas seien Beispiele.

In erster Linie mĂŒssen SchĂ€den verhindert werden

Die Forschenden sprechen sich dafĂŒr aus, die Umwelt durch Regulierungen stĂ€rker zu schĂŒtzen und die Verursacher der SchĂ€den stĂ€rker in die Pflicht zu nehmen - eine Möglichkeit wĂ€ren etwa eine Umweltsteuer oder eine Art Wohlstandsteuer.

"WĂŒrde der Verursacher zahlen und dieses Geld in Lösungen fließen, könnte das einen enormen Unterschied machen", erlĂ€utert Schrijver. "Gleichzeitig geht es um mehr als Geld: In erster Linie mĂŒssen SchĂ€den verhindert werden. Deshalb sind neben finanziellen Maßnahmen auch strengere Regeln und Vorschriften entscheidend."

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