ROUNDUP, EU-Kommission

EU-Kommission will Europa besser gegen Klimaschäden wappnen

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 14:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Zehntausende Hitzetote, verformte Gleise, ausgetrocknete Flüsse: Nach dem heißen Sommer will die EU-Kommission Europas Bürger, Unternehmen und Infrastruktur stärker vor Klimaschäden schützen.

Neue Maßnahmen sollen helfen, Überschwemmungen, Waldbrände und andere Folgen des Klimawandels früher zu erkennen, sich besser darauf vorzubereiten und sie wirksamer zu bewältigen. Dazu zählen EU-weit gleiche Grundannahmen für Klimarisiken und eine neue Webseite, die mögliche Gefahren zeigen soll.

"Sommer der Wahrheit"

Der Sommer 2026 werde zu Recht als "Sommer der Wahrheit" bezeichnet, sagte EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra in Brüssel. Neben dem Verlust von Zehntausenden Menschenleben durch die Hitze und 700.000 Hektar Land durch Brände habe auch die Wirtschaft enorm gelitten - etwa, weil Schiffe teils weder den Rhein noch die Donau befahren konnten. Fachleute schätzten die Kosten des Sommers auf mehr als 100 Milliarden Euro, so Hoekstra. In Deutschland kam es mehrfach zu Hitzeschäden an Schienen, Bahnstrecken mussten teils gesperrt werden.

Für den Zeitraum 2022 bis 2025 lagen die geschätzten wirtschaftlichen Verluste durch Klimaschäden bei rund 200 Milliarden Euro, etwa 50 Milliarden Euro pro Jahr. Die Kommission sieht einen Investitionsbedarf für Klimaresilienz und Anpassung von rund 70 Milliarden Euro im Jahr. Der Nutzen könne durch vermiedene Schäden mehr als zehnmal so hoch sein.

Klimaresilienz soll daher nach dem Willen der Behörde künftig in allen wichtigen Politikbereichen der EU mitgedacht werden. Damit ist die Fähigkeit gemeint, sich auf Klimafolgen vorzubereiten, ihnen standzuhalten und sich von Schäden zu erholen.

Neues Gesetz für gleiche Grundlage

Ein neues Klimaresilienzgesetz soll dafür sorgen, dass die EU-Länder mit den gleichen Grundannahmen ihre Klimarisiken bewerten und ihre Vorsorge planen. Sie sollen dabei davon ausgehen, dass sich die Erde bis 2030 um 1,5 Grad, um 2 Grad bis 2050 und um 3 Grad bis 2100 gegenüber dem vorindustriellen Niveau erwärmt. Jedes Land soll seine Vorhaben in einem einzigen Plan bündeln, statt mehrere teilweise überschneidende Pläne vorzulegen.

Die Kommission will die Länder dazu anhalten, klar festzulegen, welche Behörde wofür zuständig ist. Wie genau sie sich gegen Hitze, Dürre oder Hochwasser schützen, bleibt weitgehend ihnen überlassen - entsprechend ihren Risiken und Prioritäten.

Webseiten für Klimaauswirkungen und Maßnahmen

Eine Webseite, der European Climate Viewer, soll mögliche Gefahren für bestimmte Orte und Zeiträume anhand von Karten zeigen. Behörden und andere Nutzer sollen darin die modellierten Auswirkungen einer konkreten Klimagefahr wie Hitze oder Starkregen auf einen Bereich wie das Schienennetz einsehen können: etwa, welche Zugstrecken künftig besonders hohen Temperaturen oder Starkregen ausgesetzt sein könnten, damit gezielt Schutzmaßnahmen geplant werden können.

Andere Plattformen sollen Behörden helfen, geeignete und erprobte Maßnahmen gegen bestimmte Klimarisiken zu finden. Dort lässt sich etwa nach Lösungen für eine bestimmte Region, Branche oder Gefahr wie Hitze und Hochwasser suchen.

Plan für Hitzewellen soll noch kommen

Außerdem arbeite die Kommission an einem Plan für Hitzewellen und wolle das Thema Klimaversicherung für Verluste durch Katastrophen angehen, hieß es. Zudem ist eine Wasserinitiative geplant, die sich unter anderem mit Wassereffizienz und Wiederverwendung befassen soll.

Nach Daten vom EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus war der Sommer für Westeuropa der wärmste seit Aufzeichnungsbeginn. Bis zum 2. September war die in der EU verbrannte Fläche fast doppelt so groß wie im Schnitt von 2006 bis 2025. Nach Schätzung britischer Wissenschaftler kostete die Hitze im Sommer in europäischen Städten etwa 50.000 Menschen das Leben - mehr als je zuvor.

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