EU-Parlament stimmt Abschiebezentren in Drittstaaten zu
Veröffentlicht: 17.06.2026 um 15:06 Uhr, dpa.deEine Mehrheit aus konservativen und rechten Abgeordneten stimmte in StraĂburg den GesetzesĂ€nderungen zu, die mehr Abschiebungen ermöglichen sollen. Die EU-Staaten mĂŒssen dem Kompromiss nun noch final zustimmen, damit die neuen Abschieberegeln in Kraft treten können. Dies gilt als Formalie.
Das Parlament nahm sie mit 418 Ja-, 218 Nein-Stimmen und 30 Enthaltungen an. Die Abstimmung wurde von Jubel und Pfiffen begleitet. Nach der Annahme klatschten Abgeordnete des rechten Spektrums - darunter auch deutsche AfD-Europaabgeordnete - und riefen "Send them back" (in etwa: "Schickt sie zurĂŒck"), was mit "Shame on you"-Chören (in etwa: "Schande") beantwortet wurde.
In die geplanten Abschiebezentren ("Return Hubs") auĂerhalb der EuropĂ€ischen Union sollen vollziehbar Ausreisepflichtige kommen, die nicht in ihre HerkunftslĂ€nder zurĂŒckgebracht werden können - etwa, weil das Heimatland sich weigert, sie zurĂŒckzunehmen. Unbegleitete MinderjĂ€hrige sollen den neuen Regelungen nach nicht in die Zentren abgeschoben werden. FĂŒr Familien mit Kindern und Jugendlichen gibt es die Möglichkeit dagegen schon.
Welche LÀnder bereit wÀren, die Zentren auf ihrem Staatsgebiet einzurichten, ist offen. Laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sollen noch in diesem Jahr konkrete Vereinbarungen getroffen werden.
Rechter FlĂŒgel hatte VerschĂ€rfungen ermöglicht
Die neuen Gesetze sollen nach Inkrafttreten festlegen, wie abgelehnte Asylbewerber bei ihrer eigenen Abschiebung mitwirken mĂŒssen, wenn sie nicht verhaftet werden wollen. Ihnen droht zudem europaweit die KĂŒrzung oder Streichung von Unterhaltsleistungen oder die Beschlagnahme von Reisedokumenten. AuĂerdem ist Abschiebehaft fĂŒr bis zu zwei Jahre möglich - in besonderen FĂ€llen ist eine VerlĂ€ngerung um weitere sechs Monate erlaubt.
Der Einigung ĂŒber die neuen Asylregeln war ein gemeinsamer Beschluss von der EuropĂ€ischen Volkspartei (EVP) unter FĂŒhrung von Manfred Weber (CSU) und dem rechten FlĂŒgel im EU-Parlament vorausgegangen. Recherchen der Deutschen Presse-Agentur hatten Mitte MĂ€rz offengelegt, dass die EVP bei dem Thema enger mit den Rechten kooperiert hatte als zuvor bekannt gewesen war.
