EU zwingt Google zur Öffnung von Android für KI-Konkurrenten
28.04.2026 - 04:13:04 | boerse-global.deDas teilte die Brüsseler Behörde am Montag mit.
Hintergrund ist ein Verfahren nach dem Digital Markets Act (DMA). Konkret geht es um die Integration von KI-Assistenten wie ChatGPT von OpenAI oder Claude von Anthropic. Bislang genießt Googles hauseigener Dienst Gemini auf Android einen klaren Vorteil – er ist tief im System verankert, während Drittanbieter außen vor bleiben.
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Die Kommission hat nun eine Liste mit verbindlichen Maßnahmen vorgelegt. Eine endgültige Entscheidung soll bis zum 27. Juli 2026 fallen.
Gleichberechtigter Zugang zu Systemfunktionen
Die Kernforderung: Google muss konkurrierenden KI-Entwicklern kostenlosen und effektiven Zugang zu den Hardware- und Softwarefunktionen von Android gewähren. Bislang, so die Regulierer, habe sich Google die tiefe Systemintegration für Gemini vorbehalten – ein Verstoß gegen Artikel 6(7) des DMA.
Konkret sollen Drittanbieter künftig:
- Eigene Aktivierungswörter nutzen können, um per Sprachbefehl zu starten
- Direkt mit anderen Apps auf dem Smartphone interagieren dürfen – etwa E-Mails über den bevorzugten Mail-Client versenden oder Fotos teilen
- Auf die gleichen System-Schnittstellen zugreifen wie Gemini
Die Zahlen verdeutlichen die Marktmacht: Google kontrolliert rund 65 Prozent des europäischen Markts für mobile Betriebssysteme. Gemini ist auf über 2 Milliarden Geräten vorinstalliert. Für die Kommission ist klar: Android darf kein privilegierter Vertriebskanal für Googles eigene KI sein.
Transparenz bei Suchergebnissen gefordert
Ein zweiter Schwerpunkt betrifft den Datenaustausch. Nach Artikel 6(11) des DMA muss Google anonymisierte Suchdaten mit Wettbewerbern teilen – darunter Ranking-Informationen, Suchanfragen und Klickzahlen. Ein 29-seitiges Spezifikationspapier vom 16. April 2026 legt fest, welche Daten genau fließen müssen.
Die Kommission besteht auf fairen, angemessenen und diskriminierungsfreien Bedingungen. Nur so könnten KI-Modelle von Wettbewerbern ihre Dienste optimieren und eine echte Alternative zu Google bieten.
Google wehrt sich – politische Spannungen
Der US-Konzern zeigt sich wenig begeistert. Clare Kelly, Googles leitende Wettbewerbsanwältin, warnte vor einem Eingriff, der die Privatsphäre und Sicherheit der Nutzer gefährde. Android sei bereits offen, und der erzwungene Zugriff auf sensible Hardware-Funktionen treibe Kosten in die Höhe.
Die Regulierungspläne sorgen auch für transatlantische Spannungen. US-Präsident Donald Trump kritisierte das DMA scharf als Instrument, das gezielt amerikanische Tech-Konzerne treffe. Brüssel zeigt sich unbeeindruckt: Teresa Ribera, EU-Wettbewerbskommissarin, betonte, es gehe um Wahlfreiheit für Verbraucher. Der Markt sei derzeit zugunsten weniger großer Anbieter verzerrt.
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Der Weg zur KI-Entscheidung
Die aktuellen Maßnahmen sind Teil einer Entwicklung, die im März 2026 ihren Höhepunkt erreichte: Damals stellte Google seinen alten Google Assistant endgültig ein und machte Gemini zur Standard-KI auf Android. Für die EU-Kommission war das der Beweis, dass Google seine Marktmacht auf die nächste Technologie-Ebene ausdehnt.
Bereits 2024 hatte die Kommission Google wegen Verstößen gegen DMA-Vorgaben zur Selbstbegünstigung bei der Suche verurteilt. Weitere Verfahren zu den Anti-Steering-Regeln des Play Store laufen noch.
Was nun passiert
Bis zum 13. Mai 2026 können Interessierte Stellungnahmen zu den Vorschlägen einreichen. Danach wertet die Kommission die Rückmeldungen aus und verabschiedet im Juli die endgültigen Maßnahmen.
Sollte Google sich verweigern, droht ein offizielles Verfahren – mit Strafen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Der Konzern kann alternative technische Lösungen vorschlagen, etwa geräteinterne Prüfmechanismen. Ob diese den DMA-Anforderungen genügen, entscheiden letztlich die Regulierer.
Die Entscheidung in Brüssel wird richtungsweisend sein: Entsteht ein offener Markt für KI-Assistenten auf dem Smartphone – oder bleibt die Plattform unter der Kontrolle ihres Betreibers?
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