Europa Schluss: Verluste trotz Nvidia - Vorsicht vor Jackson Hole
Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 18:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAnders als an der New Yorker Tech-Börse Nasdaq sorgte der starke Ausblick des US-Chipriesen Nvidia US67066G1040 hier nicht für Euphorie - lediglich der Technologiesektor profitierte. Vor dem anstehenden internationalen Notenbanktreffen in Jackson Hole hielten sich die europäischen Anleger zurück.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 EU0009658145 schloss 0,71 Prozent tiefer mit 6.424,73 Punkten. Außerhalb des Euroraums sank der Londoner FTSE 100 GB0001383545 um 0,79 Prozent auf 10.792,54 Punkte. Der Züricher SMI CH0009980894 büßte sogar 1,09 Prozent auf 14.384,37 Punkte ein. Ihm machte die Kursschwäche seiner defensiven Schwergewichte Novartis CH0012005267 und Nestle CH0038863350 zu schaffen. Der deutsche Leitindex Dax DE0008469008 hingegen hob sich mit einem moderaten Kursplus ab.
"Nvidia hat geliefert und schaltet noch einmal einen Gang hoch", schrieb Kapitalmarktexperte Jürgen Molnar von Robomarkets. "Aber die Musik spielt jetzt in Jackson Hole. Das Symposium der US-Notenbank ist oft eine Bühne für wichtige geldpolitische Signale."
Entsprechend gespannt waren die Anleger und wagten sich nicht aus der Deckung, zumal US-Notenbankchef Kevin Warsh erst am Freitag seine Rede halten wird. "Und die Ausgangslage könnte spannender kaum sein", so Molnar. Denn der PCE-Deflator als für die Amerikaner maßgebliches Inflations-Barometer habe tags zuvor deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Fed gelegen. "Für eine Zinserhöhung im September stehen die Chancen weiterhin fast pari - die Entscheidung bleibt damit völlig offen."
Der Subindex der Tech-Werte EU0009658921 im marktbreiten Stoxx Europe 600 EU0009658202 führte mit plus 1,8 Prozent die kurze Gewinnerliste an. Im Kielwasser der deutlichen Nvidia-Kursgewinne verteuerten sich die Titel der Chiphersteller Infineon DE0006231004 und STMicro NL0000226223 um 3,6 und 3 Prozent. Die Aktien des Softwarekonzerns SAP DE0007164600 gewannen nach euphorisch aufgenommenen Geschäftsaussagen der US-Softwareunternehmen Salesforce US79466L3024 und Crowdstrike US22788C1053 5,5 Prozent.
Deutlich unter Druck stand dagegen unter anderem der Nahrungsmittel- und Getränkesektor EU0009658749 aufgrund schwacher Geschäftsaussichten von Pernod Ricard FR0000120693. Analyst Pierre Tegner von der Investmentbank Oddo BHF wies nach der Jahresbilanz des Spirituosenkonzerns vor allem auf den mauen Ausblick für das Geschäftsjahr 2027 hin. Zudem peile das Management für das Wachstum bis 2029 nun eher das untere Ende seiner Zielspanne an. Der Ergebniskonsens dürfte sinken, so Tegner. Die Aktien sackten um 4,6 Prozent ab.
Beim Aromen- und Duftstoffhersteller Givaudan CH0010645932 stand nach einer Abstufung ein Kursrutsch von 2,9 Prozent zu Buche. Die US-Bank Morgan Stanley strich ihre bisher neutrale Anlageempfehlung für die Aktien.
