Europas, Wolken-SouverÀnitÀt

Europas Wolken-SouverÀnitÀt: Gesetz verzögert, Industrie drÀngt

25.03.2026 - 05:09:21 | boerse-global.de

Das zentrale EU-Gesetz fĂŒr digitale Autonomie, der Cloud and AI Development Act, wird bis Ende Mai 2026 verschoben. Gleichzeitig warnen europĂ€ische Anbieter vor Scheinlösungen und fordern klare Regeln fĂŒr echte UnabhĂ€ngigkeit.

Europas Wolken-SouverĂ€nitĂ€t: Gesetz verzögert, Industrie drĂ€ngt - Bild: ĂŒber boerse-global.de
Europas Wolken-SouverĂ€nitĂ€t: Gesetz verzögert, Industrie drĂ€ngt - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Die EU will unabhĂ€ngiger von US-Tech-Riesen werden – doch ihr zentrales Gesetzesvorhaben, der Cloud and AI Development Act (CADA), verzögert sich bis Ende Mai 2026. Gleichzeitig fordern europĂ€ische Cloud-Anbieter in einem offenen Brief „echte“ technologische SouverĂ€nitĂ€t und warnen vor Scheinlösungen.

CADA: Blaupause fĂŒr digitale Autonomie steht in der Warteschleife

Das Gesetz soll Europas Rechenzentren-KapazitĂ€t verdreifachen und klare EU-weite Regeln fĂŒr Cloud-Dienste schaffen. UrsprĂŒnglich fĂŒr frĂŒher geplant, wird die EU-Kommission den Entwurf nun erst am 27. Mai 2026 vorlegen. Die Verzögerung gibt mehr Zeit fĂŒr Feinschliff. Ziel ist es, den Ausbau nachhaltiger Rechenzentren zu beschleunigen und bis 2035 die BedĂŒrfnisse von Wirtschaft und Verwaltung zu decken. Kernfrage bleibt: Was definiert die EU als „souverĂ€ne“ Cloud?

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Industrie warnt vor „SouverĂ€nitĂ€ts-Washing“

24 europĂ€ische Cloud- und Digitaldienstleister, organisiert in der Vereinigung CISPE, appellierten diese Woche an die Kommission. Sie fordern, im CADA echte technologische UnabhĂ€ngigkeit zu verankern und Scheinlösungen – „Sovereignty Washing“ – zu verhindern. Dabei könnten nicht-europische Hyperscaler scheinbar souverĂ€ne Dienste anbieten, ohne die Kontrolle ĂŒber Daten und Technologie abzugeben.

In einem Brief an die zustĂ€ndige VizeprĂ€sidentin Henna Virkkunen listen die CEOs fĂŒnf Forderungen auf: SouverĂ€nitĂ€t durch Kontrolle (europĂ€isches Eigentum, Governance und Datenschutz), Resilienz, reservierte Auftragsanteile fĂŒr europĂ€ische Anbieter bei sensiblen Daten, mehr Wettbewerb sowie strategische Investitionen. Ihre zentrale Botschaft: SouverĂ€nitĂ€t bedeutet mehr, als Daten nur in Europa zu speichern. Es geht um echte Kontrolle und Schutz vor extraterritorialen Gesetzen wie dem US CLOUD Act.

EU-Parlament schÀrft Blick auf Cloud-Marktmacht

Unterdessen richtet das EuropĂ€ische Parlament den Fokus des Digital Markets Act (DMA) auch auf Cloud- und KI-Infrastrukturen. Ein Ausschuss verabschiedete am 24. MĂ€rz eine Entschließung, die die Kommission auffordert zu prĂŒfen, ob Cloud-Dienste als „Gatekeeper“ eingestuft werden sollten. Hintergrund ist die Sorge, dass marktbeherrschende Plattformen ihre Stellung nutzen könnten, um Kunden in ihren Ökosystemen einzuschließen.

Die EU-Kommission untersucht bereits seit November 2025, ob Amazon Web Services und Microsoft Azure als Gatekeeper fĂŒr Cloud-Dienste gelten sollen. Der DMA soll fairen Wettbewerb im Digitalsektor sichern.

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Milliarden-Investitionen in europÀische Infrastruktur

Parallel zur Gesetzgebung treibt die EU konkrete Infrastrukturprojekte voran. Anfang MĂ€rz 2026 stellte die Kommission das EURO-3C-Projekt vor. Mit 75 Millionen Euro aus dem Horizon-Europe-Programm soll die erste großangelegte, föderierte Telco-Edge-Cloud-Infrastruktur Europas entstehen. Ein Konsortium aus 87 Mitgliedern – darunter Telekommunikationsunternehmen, Cloud-Anbieter und Forschungseinrichtungen – will so zeigen, dass Europa Spitzendienste aus eigener Kraft bereitstellen kann.

Zudem zielt der geplante Digital Networks Act (DNA) darauf ab, den zersplitterten europÀischen Telekom-Markt zu vereinheitlichen und den schnellen Glasfaserausbau sowie die Sicherheit der digitalen Wertschöpfungskette voranzutreiben.

Die kommenden Monate werden entscheidend sein. Wird das CADA-Gesetz europĂ€ischen Anbietern echten RĂŒckenwind geben? Und kann die EU ihre AbhĂ€ngigkeit von US-Tech-Giganten, die laut Kommission ĂŒber 70 Prozent des Cloud-Markts kontrollieren, tatsĂ€chlich verringern? Der Weg zur digitalen SouverĂ€nitĂ€t bleibt komplex, doch die Richtung ist klar.

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