Experten, Anerkennung

Experten fordern mehr Anerkennung fĂŒr pflanzliche Arzneimittel

27.02.2026 - 00:48:16 | boerse-global.de

FĂŒhrende Branchenvertreter betonen die gesundheitspolitische und wirtschaftliche Bedeutung pflanzlicher Medikamente und fordern einen verlĂ€sslicheren Rechtsrahmen von der EU-Politik.

Experten fordern mehr Anerkennung fĂŒr pflanzliche Arzneimittel - Foto: ĂŒber boerse-global.de

FĂŒhrende Experten fordern eine stĂ€rkere politische Anerkennung fĂŒr pflanzliche Arzneimittel in Europa. Auf dem European Herbal Health Products Summit in BrĂŒssel betonten sie die wachsende gesundheitspolitische und wirtschaftliche Bedeutung des Sektors. Die Branche sieht sich als unverzichtbaren Teil der modernen Gesundheitsversorgung.

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Ein 15-Milliarden-Euro-Markt unter Druck

Die wirtschaftliche Dimension ist gewaltig: Der europĂ€ische Markt fĂŒr Phytoprodukte erreichte 2025 fast 15 Milliarden Euro. Das entspricht 27 Prozent des gesamten OTC-Marktes in 23 EU-LĂ€ndern. Deutschland und Italien sind die grĂ¶ĂŸten MĂ€rkte und machen zusammen fast die HĂ€lfte des Umsatzes aus.

Doch Experten zeigen eine besorgniserregende Entwicklung auf: WĂ€hrend das Marktvolumen wĂ€chst, sinkt der Anteil registrierter und qualitĂ€tsgeprĂŒfter Arzneimittel. Nicht registrierte Produkte wie NahrungsergĂ€nzungsmittel verzeichnen dagegen ZuwĂ€chse. Das wirft Fragen zum Verbraucherschutz auf.

Entlastung fĂŒr die Gesundheitssysteme

Pflanzliche Arzneimittel sind eine tragende SĂ€ule der Selbstmedikation. Rezeptfreie PrĂ€parate aus der Apotheke ermöglichen die eigenverantwortliche Behandlung leichterer Beschwerden. Das entlastet Arztpraxen und Notaufnahmen spĂŒrbar.

Aus der klinischen Praxis berichtet Dr. med. Silke Cameron, dass das Potenzial dieser Mittel oft unterschÀtzt werde. Ihre Rolle bei der Behandlung von ErkÀltungen bis hin zu chronischen Leiden ist wissenschaftlich belegt und wird von Patienten geschÀtzt.

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Strenge Regeln als QualitÀtsgarant

Die Sicherheit in der EU wird durch einen strengen rechtlichen Rahmen gewĂ€hrleistet. Kern ist die Richtlinie 2004/24/EG mit einem vereinfachten Registrierungsverfahren fĂŒr traditionelle pflanzliche Arzneimittel (THMP). FĂŒr eine Zulassung muss ein Produkt mindestens 30 Jahre sicheren Gebrauch nachweisen – davon 15 Jahre in der EU.

Die EuropĂ€ische Arzneimittel-Agentur (EMA) und ihr Ausschuss fĂŒr pflanzliche Arzneimittel (HMPC) erstellen wissenschaftliche Monographien als Referenz. Diese harmonisierten Standards sollen Verbrauchern in der gesamten EU Zugang zu sicheren Produkten garantieren.

BĂŒrokratie bremst kleine Hersteller aus

Trotz des Wachstums steht der Sektor vor großen Herausforderungen. Immer komplexere regulatorische Anforderungen und bĂŒrokratischer Aufwand belasten die Hersteller. Besonders kleine und mittelstĂ€ndische Unternehmen (KMU) – das RĂŒckgrat der Branche – kommen an ihre Grenzen.

Ihre begrenzten Ressourcen machen es schwer, mit den steigenden Anforderungen Schritt zu halten. Branchenvertreter warnen: Die unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸige Belastung hemmt Innovationen und gefĂ€hrdet die Produktvielfalt.

Klare Forderungen an BrĂŒssel

Der Gipfel schloss mit einem klaren Appell an die Politik. Die Experten fordern einen verlÀsslichen Rechtsrahmen, der Innovationen fördert. Dazu gehört die StÀrkung des HMPC als europÀisches Kompetenzzentrum.

Weitere Kernforderungen: eine klarere Kennzeichnung auf Verpackungen, um Verwechslungen mit NahrungsergĂ€nzungsmitteln zu vermeiden, und die stĂ€rkere Akzeptanz von Real-World-Daten in Zulassungsverfahren. Die Branche signalisiert Bereitschaft fĂŒr einen grĂ¶ĂŸeren Gesundheitsbeitrag – verlangt aber die richtigen Weichenstellungen aus BrĂŒssel.

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