Ferrexpo Aktie: 72-Prozent-Produktionseinbruch im Q1
24.05.2026 - 04:42:50 | boerse-global.deFerrexpo steckt in einer heiklen Zwischenlage. Die Aktie des ukrainischen Eisenerzproduzenten bleibt in London vom Handel ausgesetzt, während das Unternehmen um eine Kapitalerhöhung ringt. Ohne frisches Eigenkapital fehlen die Voraussetzungen, um den Jahresabschluss fertigzustellen. Der Zeitplan bleibt offen.
Kapitalerhöhung blockiert den Abschluss
Der Handel an der Londoner Börse ruht seit Anfang Mai 2026. Ferrexpo kann den geprüften Jahresbericht für 2025 nicht fristgerecht veröffentlichen, weil die Fortführungsprognose vom Abschluss einer Finanzierung abhängt.
Im Kern geht es um eine geplante Eigenkapitalaufnahme von 100 Millionen US-Dollar. Zwar liegen Interessenbekundungen über mehr als diesen Betrag vor, sie sind aber an Bedingungen geknüpft, die Ferrexpo im benötigten Zeitfenster nicht erfüllen kann.
Der größte Aktionär Fevamotinico hält 49,32 Prozent und signalisiert Unterstützung. Die Zusage steht unter der Bedingung, dass Fevamotinico anteilig teilnehmen kann und die Kapitalerhöhung 100 Millionen US-Dollar nicht überschreitet. Eine gesicherte Lösung gibt es bislang nicht.
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Ferrexpo formuliert die Lage ungewöhnlich klar. Scheitere die Finanzierung, könne dies „wesentliche negative Folgen“ für die Gruppe haben; Aktionäre könnten den gesamten Wert ihrer Investition verlieren. Ohne Erholung ausstehender Mehrwertsteuererstattungen sei es sehr wahrscheinlich, dass das Unternehmen oder Teile der Gruppe Insolvenz anmelden müssten.
Liquidität reicht nur begrenzt
Etwas Luft verschafft der Verkauf des eigenen Umschlagschiffs „Iron Destiny“. Die Transaktion bringt netto 7,7 Millionen US-Dollar ein. Einschließlich dieses Erlöses sieht Ferrexpo genügend frei verfügbares Netto-Cash bis ungefähr Ende August 2026.
Die Liquiditätsbasis ist dennoch stark geschrumpft. Am 17. April lag der Nettobarmittelbestand bei 20 Millionen US-Dollar, nach 101 Millionen US-Dollar zum Jahresende 2024. Das zeigt, wie eng der finanzielle Spielraum geworden ist.
Operativ läuft der Betrieb nur teilweise. Nach der vorübergehenden Stilllegung im Januar konnte Ferrexpo die Produktion bei FPM wieder aufnehmen, weil Strom im Inland und aus Importen besser verfügbar und günstiger wurde. Aktuell arbeitet eine Pelletlinie, exportiert wird mit eigenen Eisenbahnwaggons nach Ost- und Mitteleuropa.
Die Drosselung bleibt massiv. Im ersten Quartal sank die Eisenerzproduktion um 72 Prozent auf 592.750 Tonnen. Gegenüber dem Vorquartal lag der Rückgang bei 45 Prozent. Hauptgrund waren russische Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur.
Ukraine-Diplomatie als Hebel
Für Ferrexpo ist die Sicherheitslage in der Ukraine mehr als ein politischer Faktor. Sie entscheidet direkt über Stromversorgung, Anlagenbetrieb und Exportfähigkeit der Minen und Verarbeitungsanlagen in der Region Poltawa.
Russland und die Ukraine hatten zuletzt eine von den USA vermittelte dreitägige Waffenruhe vom 9. bis 11. Mai bestätigt. US-Präsident Donald Trump äußerte die Hoffnung auf eine Verlängerung. Russlands Präsident Wladimir Putin sagte, der Krieg könne sich einem Ende nähern, und zeigte sich zu einem Treffen mit Wolodymyr Selenskyj in einem Drittland bereit, falls ein Friedensabkommen zustande kommt.
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Belastbare Fortschritte fehlen weiter. Die Gespräche stocken, beide Seiten greifen einander weiterhin an. Besonders umstritten bleiben Russlands Gebietsansprüche: Die Ukraine sieht ein Einfrieren der aktuellen Frontlinie als realistischste Grundlage für eine Waffenruhe, Moskau verlangt den Rückzug ukrainischer Truppen aus Teilen des Donbas.
Ein dauerhafter Waffenstillstand wäre für Ferrexpo operativ ein klarer Einschnitt. Weniger Angriffe auf die Energieversorgung würden das größte Produktionsrisiko mindern und die Planbarkeit verbessern. Das löst die Finanzierung nicht automatisch, könnte aber die Ausgangslage für Verhandlungen verändern.
Ein weiteres Risiko liegt in der Schweiz. Die Tochter Ferrexpo AG hält rund 3 Millionen US-Dollar bei der MBaer Merchant Bank AG, deren Banklizenz von der Schweizer Finanzmarktaufsicht entzogen wurde. Ferrexpo sucht alternative Bankverbindungen, um kommerzielle Zahlungen fortzuführen.
Bis zur Finanzierungslösung bleibt die Aktie für Privatanleger im offenen Markt nicht handelbar. Der nächste konkrete Prüfpunkt ist damit nicht der Kurs, sondern die Frage, ob Ferrexpo die Kapitalerhöhung vor dem Auslaufen der Liquiditätsreichweite abschließen und anschließend den geprüften Abschluss veröffentlichen kann.
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