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Firmen erleben hÀufiger Angriffe auslÀndischer Geheimdienste

Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 16:19 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

BERLIN - Deutsche Unternehmen haben in den zurĂŒckliegenden zwölf Monaten deutlich mehr Angriffe auslĂ€ndischer Geheimdienste wahrgenommen als im Jahr zuvor.

(Neu: 9. Abs. mehr Details zu vermutlich betroffenen Unternehmen)

BERLIN (dpa-AFX) - Deutsche Unternehmen haben in den zurĂŒckliegenden zwölf Monaten deutlich mehr Angriffe auslĂ€ndischer Geheimdienste wahrgenommen als im Jahr zuvor. Nach Angaben des IT-Branchenverbands Bitkom sahen von den Unternehmen, die Sabotage, Spionage oder Diebstahl erlebt haben, 37 Prozent einen auslĂ€ndischen Nachrichtendienst am Werke, nach 28 Prozent im Vorjahr. 62 Prozent der Betroffenen erlebten Angriffe durch kriminelle Banden, ein RĂŒckgang um sechs Prozentpunkte im Vergleich zu 2025. Jeweils 8 Prozent der Unternehmen erlebten Angriffe von Kunden beziehungsweise Lieferanten. Mehrfachnennungen waren möglich.

Das, was die Firmen hier wahrnehmen, deckt sich mit der EinschĂ€tzung des Bundesamtes fĂŒr Verfassungsschutz (BfV), das bereits seit einigen Monaten auf eine erhöhte GefĂ€hrdung hinweist. Dabei steht die RĂŒstungsindustrie besonders im Fokus. HĂ€ufiger als in der Vergangenheit beobachten die Sicherheitsbehörden, dass Verkehrswege, Energieunternehmen und andere Einrichtungen, die zur kritischen Infrastruktur zĂ€hlen, ausgespĂ€ht werden.

Vermehrte Industriespionage aus Russland

Verfassungsschutz-PrĂ€sident Sinan Selen sagt, China habe sich frĂŒher vor allem auf Industriespionage fokussiert, setze inzwischen stĂ€rker auch auf "das Abziehen von Informationen im politischen Raum". Russland, das traditionell durch Desinformation und Sabotage in Erscheinung getreten sei, versuche vermehrt, mit Hilfe von Spionage FĂ€higkeitslĂŒcken zu schließen.

Der Branchenverband Bitkom hat fĂŒr seinen aktuellen Wirtschaftsschutzbericht rund 1.000 FĂŒhrungskrĂ€fte und IT-Verantwortliche in diesem FrĂŒhjahr gefragt, ob ihr Unternehmen binnen eines Jahres von Diebstahl, Industriespionage oder Sabotage betroffen wart. 67 Prozent der Befragten berichteten von entsprechenden VorfĂ€llen; weitere 29 Prozent gaben an, das eigene Unternehmen sei "vermutlich betroffen" gewesen.

Spur fĂŒhrt immer weiter nach Osten

Der Bitkom-PrĂ€sident, Ralf Wintergerst, erklĂ€rt, "dass die Spur immer weiter nach Osten fĂŒhrt". Von den Betroffenen gaben 52 Prozent an, der Angriff sei von China aus gestartet worden. In 49 Prozent der FĂ€lle gehen die Firmen davon aus, dass sich der Angreifer in Russland aufhielt. Hier wird nicht differenziert zwischen kriminellen Angreifern und solchen im Auftrag von Geheimdiensten. Der Verfassungsschutz weist ohnehin schon lĂ€nger darauf hin, dass die Abgrenzung oftmals nicht einfach ist, da sich einige staatliche Akteure - vor allem in Russland - der Dienste krimineller Hacker bedienen beziehungsweise diese gewĂ€hren lassen.

Von den befragten FĂŒhrungskrĂ€ften gaben 34 Prozent an, ihr Unternehmen habe Angriffe aus osteuropĂ€ischen Nicht-EU-Staaten erlebt. In 12 Prozent der FĂ€lle wurde der Angreifer in Deutschland verortet. 26 Prozent der Unternehmen erlebten Angriffe aus anderen EU-LĂ€ndern, 27 Prozent aus den USA. Zugenommen hat demnach die Zahl der FĂ€lle, auf die ein Unternehmen von einer Behörde hingewiesen wurde. Nicht ĂŒberraschend ist, angesichts der neuen technologischen Möglichkeiten, dass die Unternehmen laut Bitkom mehr KI-gestĂŒtzte Angriffe wahrnehmen.

Wenn der Computer anruft

So gaben beispielsweise 14 Prozent der Unternehmen an, bei ihnen sei durch sogenannte Robo Calls ein Schaden verursacht worden, nach 3 Prozent im Jahr zuvor. Das sind automatisierte Anrufe, bei der ein Computer eine Telefonnummer wĂ€hlt und eine aufgezeichnete Nachricht abspielt. Der Anteil der Firmen, die Schaden durch Deepfakes erlitten haben, verdoppelte sich von 4 auf 8 Prozent. Als ein Beispiel fĂŒr schĂ€dliche KI-generierte FĂ€lschungen nennt Bitkom-PrĂ€sident Wintergerst manipulierte Instruktionen fĂŒr die Inbetriebnahme eines Systems.

Ransomware-Attacken gingen zwar zurĂŒck von 34 Prozent auf 25 Prozent. Sie blieben jedoch auch im betrachteten Zeitraum die hĂ€ufigste Methode bei Cyberangriffen. Ransomware verschlĂŒsselt Daten. Angreifer verlangen dann Geld, um sie wieder freizugeben, meist in KryptowĂ€hrung.

Mehr Unklarheit

In den Jahren zuvor war der Anteil der FĂŒhrungskrĂ€fte, die einen Angriff nicht mit Sicherheit erkennen, sondern lediglich vermuten konnten, niedriger gewesen. 2025 sahen sich 87 Prozent der Unternehmen betroffen, 10 Prozent vermuteten, Ziel von Diebstahl, Spionage oder Sabotage geworden zu sein. Ein Jahr spĂ€ter sind sich 67 Prozent der Unternehmen sicher, dass sie attackiert wurden, wĂ€hrend 29 Prozent dies vermuten. Wohl auch deshalb ist die Schadenssumme fĂŒr die deutsche Wirtschaft durch Angriffe im digitalen und analogen Raum mit mindestens 211 Milliarden Euro diesmal geringer als in den Vorjahren - denn dafĂŒr werden nur die SchĂ€den durch Angriffe, bei denen sich die Unternehmen sicher waren, berĂŒcksichtigt.

2025 waren es rund 289 Milliarden Euro gewesen, 2024 lag die Summe bei 266,6 Milliarden Euro. Sie umfasst etwa Kosten fĂŒr Ermittlungen, Ersatzmaßnahmen, BetriebsausfĂ€lle, Umsatzeinbußen durch Plagiate oder den Verlust von Wettbewerbsvorteilen. Es gebe eigentlich nur zwei Arten von Unternehmen, sagt Bitkom-PrĂ€sident Wintergerst: "Die, die gehackt worden sind und die, die es noch nicht wissen."

Finanzieller Schaden entsteht manchmal mit Verzögerung

Aus Sicht des Verfassungsschutzes ist der verursachte Schaden, wenn es sich um staatliche Akteure handelt, jedoch hÀufig nicht finanziell exakt zu benennen. Denn wenn sich staatliche Angreifer illegal Informationen beschaffen, von denen sie sich strategische Vorteile versprechen, entsteht dem angegriffenen Unternehmen zwar zunÀchst kein finanzieller Schaden. Langfristig kann der Angreifer jedoch womöglich Nutzen aus den erbeuteten Daten ziehen.

Erleichtert wĂŒrden die Angriffe vor allem durch drei Schwachpunkte:

* Fehlkonfiguration von Software

* Mangelnde Vorbereitung, um Angriffe schnell zu erkennen

* Ein defizitÀres IdentitÀts- und Zugangsmanagement/abc/DP/mis

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