Forscher: Offenheit fĂŒr AfD wĂ€chst trotz mehr RadikalitĂ€t
Veröffentlicht am: 18.05.2026 um 06:19 Uhr | dpa, AD HOC NEWS"Wir gehen davon aus, dass die Bereitschaft, die AfD zu wĂ€hlen, massiv gestiegen ist und das Stigma, was mit der AfD-Wahl verbunden sein mag, deutlich geschmolzen ist", sagte Botsch der Deutschen Presse-Agentur. Der Politikwissenschaftler leitet die Emil Julius Gumbel Forschungsstelle Antisemitismus und Rechtsextremismus am Moses-Mendelssohn-Zentrum in Potsdam. In jĂŒngsten Umfragen erreichte die AfD bundesweit in der Sonntagsfrage 28 Prozent.
Klientel ist gewachsen
Die AfD hat nach EinschĂ€tzung des Forschers auch durch eine schĂ€rfere Migrationspolitik mehr AnhĂ€nger bekommen. "Wir haben die AfD in Brandenburg schon lange mit einer StammwĂ€hlerschaft von bis zu einem Viertel der Bevölkerung taxiert", sagte Botsch. "Besonders seit etwa 2023 hat die AfD ihre Klientel deutlich ausweiten können. Das hĂ€ngt mit der Bundespolitik zusammen, mit dem deutlichen Versuch, die AfD rechts zu ĂŒberflĂŒgeln seitens der Unionsparteien."
Auch Brandenburgs MinisterprÀsident Dietmar Woidke (SPD) habe versucht, "der AfD die WÀhler abspenstig zu machen", sagte der Wissenschaftler. "Sie ist durch diese Politik nicht geschwÀcht, sondern gestÀrkt worden." Ihre Themen erhielten scheinbar BestÀtigung, "vor allem in der ErklÀrung der Migration zum Hauptproblemfeld Deutschland."
Botsch: RĂŒckzug anderer Parteien
Die ĂŒbrigen Parteien ziehen sich nach Ansicht des Forschers aus der FlĂ€che zurĂŒck. Das macht er am Beispiel von BĂŒrgermeisterwahlen fest. "Wir mĂŒssen uns, glaube ich, keine Illusionen darĂŒber machen, dass die AfD gute Chancen hat, in den kommenden Jahren weitere kommunale SpitzenĂ€mter zu erringen, insbesondere auf der Ebene der BĂŒrgermeister", sagte Botsch.
Mit RenĂ© Stadtkewitz gewann am 10. Mai erstmals ein AfD-Kandidat eine Wahl zum hauptamtlichen BĂŒrgermeister in Brandenburg. "Dass es der AfD in Zehdenick im ersten Durchgang gelungen ist, ist schon alarmierend", sagte Botsch. "Das Entscheidende ist, dass hier die demokratischen Parteien - sieht man von einem Kandidaten der FDP ab, die ja in Brandenburg im Landtag nicht vertreten ist -, ĂŒberhaupt keinen Kandidaten aufgestellt hatten." Daraus sollten sie "dringend lernen". Er verwies auch auf den Trend, dass zunehmend unabhĂ€ngige Kandidaten gewinnen.
Forscher: AfD radikalisiert sich weiter
Die AfD rĂŒckt dem Forscher zufolge weiter nach rechts. "Dabei wird die Partei immer rechtsextremer, sie radikalisiert sich immer weiter und sie nimmt immer mehr Elemente des Neonazismus in sich auf, zumindest im Land Brandenburg", sagte Botsch. "Sie tut das in der Zwischenzeit auch ganz offen und unverhohlen." Er verwies auf einen Beitrag des AfD-Landtagsabgeordneten Dominik Kaufner bei Instagram, wo er den 8. Mai 1945 nicht als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, sondern als Tag der Vernichtung bezeichnet hatte. "Das sind wir bisher nur aus dem Neonazismus gewohnt, und das ist die Tendenz, die die Partei geht."
Der Verfassungsschutz Brandenburg stuft die AfD als rechtsextremistisch ein. Die Partei geht dagegen vor. Die AfD ist auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt, ThĂŒringen und Niedersachsen als rechtsextremistisch eingestuft worden - in Niedersachsen liegt die Einstufung wegen einer Klage vorerst auf Eis. Das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz darf die AfD nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln im Eilverfahren vorerst nicht als gesichert rechtsextremistische Bestrebung einstufen und entsprechend beobachten. Eine Entscheidung in der Hauptsache steht noch aus.
