AKTIE IM FOKUS 2: Bericht über Polysilizium-Pläne der USA treibt Wacker an
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 10:53 Uhr | dpa.de(neu: Kurs, mehr Details und Hintergrund)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Aussicht auf Klarheit für die US-Geschäfte mit dem Chip- und Solarindustrie-Grundstoff Polysilizium hat den Aktienkurs von Wacker Chemie DE000WCH8881 am Mittwoch angetrieben. Die Papiere gewannen am Vormittag mehr als 6 Prozent auf 96,05 Euro.
Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtet, dass die US-Regierung die Einführung einer Preisuntergrenze sowie von Zöllen für Polysilizium und verwandte Produkte vorbereitet. Die Entscheidung werde noch in diesem Monat erwartet.
Damit rücke ein für Solarmodule und Halbleiter wichtiges Material ins Zentrum der US-Bemühungen, in den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI) und Energie mit China zu konkurrieren, hieß es weiter. Ziel sei es, US-Fabriken von Hemlock Semiconductor und von Wacker Chemie vor den wachsenden Ambitionen der Volksrepublik in der Chip-Lieferkette zu schützen. Neben Standorten in Deutschland produziert Wacker Chemie im Werk in Charleston im US-Bundesstaat Tennessee Polysilizium.
Erst in der vergangenen Woche hatten die Aktien von Wacker Chemie nach Quartalszahlen zur Erholung angesetzt. Seither haben sie gut 12 Prozent gewonnen. Mit dem Kurssprung vom Mittwoch versuchen die Papiere auch den Abwärtstrend zu verlassen, in den sie Anfang Juni auf dem höchsten Stand seit knapp zwei Jahren eingeschwenkt waren.
Analyst Sebastian Bray von der Privatbank Berenberg hatte erst zu Wochenbeginn darauf hingewiesen, dass eine Entscheidung der US-Regierung in Sachen Polysilizium-Zölle zum Kurstreiber werden könnte. So hatte die US-Regierung im vergangenen Jahr eine Untersuchung im Rahmen der nationalen Sicherheit zu Polysilizium-Importen eingeleitet.
Selbst wenn eine Preisuntergrenze für Wacker zu niedrig ausfallen sollte - oder, was weniger wahrscheinlich ist, die US-Solarwaferproduktion durch einen hohen Zoll ernsthaft beeinträchtigt wird - würde eine Entscheidung der US-Regierung endlich Klarheit bringen, erklärte Analyst Bray. Das würde es Wacker Chemie zumindest ermöglichen, eine seiner drei Polysilizium-Produktionsanlagen zu schließen und sich auf profitablere Halbleitermärkte zu konzentrieren.
Wacker produziert hochreines Polysilizium für die Solarbranche - ein Geschäft, dass durch Billigkonkurrenz aus Asien unter Druck steht - aber auch für Computer-Chips.
Mit Blick auf das US-Verfahren hatte Wacker im Geschäftsbericht für 2025 die Unsicherheiten betont. "Die zukünftige Preisentwicklung für Solarpolysilcium von Wacker kann maßgeblich vom Ausgang dieses Verfahrens und dem Regulierungsgrad des Marktzugangs abhängen", hieß es. Je nach Ausgang des Verfahrens könnte es zu einem Preisverfall kommen. Auch vor diesem Hintergrund baute Wacker den Anteil des profitableren Halbleitersiliziums am Absatz der Polysilizium-Sparte aus.
