Fujikura Aktie: 26,81 Prozent Plus in 30 Tagen
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 04:18 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ein europäisches Patentgericht entzieht Fujikura einen wichtigen Schutzschild – und die Aktie reagiert kaum. Das Beschwerdekammer des Europäischen Patentamts hob am 10. Juli das Patent EP 3796060 vollständig auf. Die Entscheidung ist endgültig und nicht mehr anfechtbar.
Jahrelanger Patentstreit endet mit Niederlage
Das aufgehobene Patent betraf hochdichte Glasfaser-Verbindungslösungen, ein Kernbereich von Fujikuras Wachstumsstrategie. Der Rechtsstreit mit dem indischen Konkurrenten Sterlite Technologies zog sich über mehrere Jahre hin. Mit dem Urteil verliert Fujikura nicht nur den europäischen Patentschutz. Auch ein paralleles Verfahren in Großbritannien fällt damit zugunsten des Wettbewerbers.
Für die Konnektivitätsbranche in Europa öffnet sich dadurch ein Stück weit die Tür für Konkurrenten. Fujikura selbst treibt parallel den Ausbau im KI-getriebenen Rechenzentrumsmarkt voran – dort bleibt das Unternehmen vorerst unangefochten.
Rückzug aus China als zweiter strategischer Schritt
Die Patentschlappe folgt auf eine andere große Ankündigung dieser Woche. Fujikura zieht sich aus dem chinesischen Glasfasermarkt zurück. Das Unternehmen überträgt seinen 60-Prozent-Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Fujikura FiberHome Opto-Electronics Material Technology in Wuhan an den Partner FiberHome Telecommunication Technologies.
Der Deal hat ein Volumen von umgerechnet rund 500 Millionen Renminbi. Das Management begründet den Schritt damit, dass das Joint Venture seinen ursprünglichen Zweck erfüllt habe. Die Wuhan-Einheit verschwindet damit aus der Konzernbilanz – Fujikura bündelt seine Kräfte künftig auf margenstarke Interconnect-Produkte für Hyperscale-Rechenzentren in Nordamerika und Japan.
Kurs stabilisiert sich trotz Gegenwind
An der Börse zeigte sich die Aktie von den Nachrichten aus Europa unbeeindruckt. Fujikura schloss den Handel am Freitag bei 28,29 Euro, ein Plus von 2,46 Prozent zum Vortag. Die Erholung dämpfte den Wochenverlust, der bei minus 2,87 Prozent liegt.
Der mittelfristige Trend bleibt klar positiv: Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Kursplus von 26,81 Prozent zu Buche. Getrieben wurde diese Rally von nach oben korrigierten Gewinnzielen für das Geschäftsjahr 2027, nachdem US-Cloud-Anbieter zuletzt deutlich mehr Bestellungen aufgegeben hatten.
Der 14-Tage-RSI notiert aktuell bei 47,8 und signalisiert eine neutrale Zone, nachdem die Aktie im laufenden Quartal zeitweise stark überkauft war. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität bleibt mit 128,78 Prozent jedoch außergewöhnlich hoch. Anleger müssen also weiterhin mit heftigen Kursausschlägen rechnen.
Hyperscaler-Nachfrage bleibt der entscheidende Faktor
Marktbeobachter werten den Patentverlust als Rückschlag für die europäische IP-Strategie, sehen den eigentlichen Werttreiber aber woanders: im massiven Ausbau KI-tauglicher Rechenzentren. Fujikura hat Berichten zufolge Aufträge von nahezu jedem großen US-Hyperscaler für seine spezialisierten Glasfaserkabel gesichert – ein Produkt, das für die Vernetzung von Hochleistungs-GPUs in KI-Clustern unverzichtbar ist.
Mit dem abgeschlossenen Rückzug aus Wuhan und der nun geklärten Rechtslage in Europa richtet sich der Blick auf die Produktionskapazitäten. Entscheidend wird, wie schnell Fujikura seine proprietären SWR- und WTC-Technologien hochskalieren kann, um die nächste Welle an Rechenzentrums-Bauprojekten zu bedienen.
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