GebĂ€ude-Modernisierungsgesetz: Neue Regeln fĂŒr Heizungs-Tausch ab Juli
Veröffentlicht am: 04.04.2026 um 17:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Ampel-Koalition will den umstrittenen Heizungs-Tausch entschĂ€rfen. Statt der starren 65-Prozent-Erneuerbaren-Regel kommt eine flexible Bio-Treppe fĂŒr Gas- und Ălheizungen. Der Kabinettsentwurf fĂŒr das neue GebĂ€ude-Modernisierungsgesetz (GMG) wird Mitte April erwartet.
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Abschied von der 65-Prozent-Regel
Das ist der Kern des neuen Gesetzes: Die viel kritisierte Vorgabe, dass neue Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien laufen mĂŒssen, wird gestrichen. Sie soll durch die technologieoffene Bio-Treppe ersetzt werden. Ab dem Inkrafttreten des GMG am 1. Juli 2026 mĂŒssen neu installierte Gas- oder Ălheizungen einen wachsenden Anteil klimaneutraler Brennstoffe beigemischt bekommen.
Der erste verbindliche Schritt folgt 2029: Ab dann sind zehn Prozent GrĂŒngas wie Biomethan oder Wasserstoff vorgeschrieben. Die Quote steigt dann bis 2040 in weiteren Stufen. FĂŒr Hausbesitzer bedeutet das mehr Freiheit bei der Technikwahl â aber auch ein langfristiges Kostenrisiko. Denn grĂŒne Gase sind teuer und knapp. Klimaneutrale Alternativen wie WĂ€rmepumpen oder Pelletheizungen bleiben daher im Fokus der staatlichen Förderung.
Kosten und Effizienz im Vergleich
Die Investition in eine neue Heizung ist 2026 weiterhin hoch. Die Preise liegen bei:
* Luft-Wasser-WĂ€rmepumpe: 27.000 bis 40.000 Euro (inkl. Einbau)
* Sole- oder Wasser-Wasser-WÀrmepumpe: 40.000 bis 50.000 Euro (mit ErdwÀrmebohrung)
* Pelletheizung: 20.000 bis 50.000 Euro (abhÀngig vom Lagerraum)
Die Betriebskosten sprechen jedoch klar fĂŒr die modernen Systeme. Aktuelle Preisindizes zeigen: Sowohl Pellets als auch WĂ€rmepumpenstrom kosten etwa 7 Cent pro Kilowattstunde. Gas liegt dagegen bei rund 11 Cent â angetrieben durch den CO?-Preis, der zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne schwankt. Moderne WĂ€rmepumpen erreichen zudem Jahresarbeitszahlen (JAZ) von 4,0 oder höher, selbst in Ă€lteren GebĂ€uden.
So nutzen Sie die maximale Förderung 2026
Das Bundesförderung fĂŒr effiziente GebĂ€ude (BEG) ist das zentrale Instrument. Die Förderung ist bis mindestens 2029 gesichert. Ăber das KfW-Programm 458 gibt es einen Basiszuschuss von 30 Prozent fĂŒr WĂ€rmepumpen oder Pelletheizungen. Mit Boni kann die Förderung auf maximal 70 Prozent der förderfĂ€higen Kosten steigen.
FĂŒr ein Einfamilienhaus (Höchstfördersumme: 30.000 Euro) sind damit bis zu 21.000 Euro Direktzuschuss möglich. Entscheidend sind diese Boni:
* Einkommensbonus: +30 Prozent fĂŒr selbstgenutzte Immobilien bei einem Haushaltsjahreseinkommen unter 40.000 Euro.
* Klimageschwindigkeits-Bonus: +20 Prozent fĂŒr den Tausch funktionsfĂ€higer Ăl-, Kohle- oder alter Gasheizungen.
* Emissionsminderungs-Zuschuss: +2.500 Euro fĂŒr Pelletheizungen, die strenge Feinstaubgrenzwerte (<2,5 mg/mÂł) einhalten.
Wichtig fĂŒr WĂ€rmepumpen: Seit 1. Januar 2026 gelten neue technische Vorgaben. Luft-Wasser-WĂ€rmepumpen mĂŒssen fĂŒr eine Förderung nun mindestens 10 Dezibel leiser sein als die EU-Ecodesign-Grenzwerte. Bisher waren es 5 Dezibel.
Da Modernisierungen wie der Heizungstausch oft hohe Kosten verursachen, ist die korrekte Refinanzierung ĂŒber die Miete ein entscheidender Faktor fĂŒr Vermieter. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen mit einer rechtssicheren Muster-Vorlage, wie Sie notwendige Anpassungen fehlerfrei umsetzen. In 5 Minuten zur rechtssicheren Mieterhöhung: Kostenlose Anleitung fĂŒr Vermieter
Die versteckten Risiken der Technologieoffenheit
Die RĂŒckkehr zur Technologieoffenheit ist trĂŒgerisch, warnen Experten. Zwar fĂ€llt die 65-Prozent-Regel, doch der Ausstieg aus fossilen Energien bis 2045 bleibt. Die Bio-Treppe wirkt wie ein verzögerter Preisanker. Wer sich heute fĂŒr einen neuen Gas-Brennwertkessel entscheidet, bindet sich an ein System, das durch steigende Biokraftstoff-Quoten und sinkende Nutzerzahlen im Gasnetz immer teurer werden wird.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die kommunale WĂ€rmeplanung. GroĂstĂ€dte ĂŒber 100.000 Einwohner mĂŒssen bis Juli 2026 ihre PlĂ€ne vorlegen. Sie entscheiden, ob Stadtteile an FernwĂ€rme angeschlossen oder das Gasnetz sogar stillgelegt wird. In kleineren Kommunen, die erst bis 2028 planen mĂŒssen, entsteht eine âPlanungssicherheitslĂŒckeâ. In diesem Umfeld gelten WĂ€rmepumpen zunehmend als âNo-Regretâ-Lösung â unabhĂ€ngig von BrennstoffmĂ€rkten und kommunalen Netzentscheidungen.
Was auf Hausbesitzer zukommt
Die kommenden Wochen sind entscheidend. Nach dem Kabinettsentwurf Mitte April folgen die parlamentarischen Beratungen. Die Regierung strebt eine schnelle Verabschiedung an, um Planungssicherheit fĂŒr Handwerk und Industrie zu schaffen. Ab Juli 2026 soll das neue GMG gelten.
Langfristig mĂŒssen Hausbesitzer mit sinkenden Förderquoten rechnen. Der Klimageschwindigkeits-Bonus beginnt 2029 mit einer Absenkung um drei Prozentpunkte alle zwei Jahre. Ab 2028 dĂŒrften zudem nur noch WĂ€rmepumpen mit natĂŒrlichen KĂ€ltemitteln wie Propan (R290) förderfĂ€hig sein. Das aktuelle Zeitfenster bietet damit die wohl gĂŒnstigste Kombination aus hohen FördersĂ€tzen und etablierten Technikstandards â bevor Ende der 2020er Jahre die nĂ€chste Runde regulatorischer VerschĂ€rfungen beginnt.
