LÀnder-EinwÀnde gegen Sparpaket - Protest von HausÀrzten
03.06.2026 - 15:17:32 | dpa.deWenn der Gesetzentwurf von Ministerin Nina Warken (CDU) in der nĂ€chsten Woche erstmals in den Bundesrat kommt, liegen zahlreiche Kritikpunkte von AusschĂŒssen der LĂ€nderkammer vor. Gefordert wird die Streichung mehrerer Ausgabenbremsen bei Kliniken, Praxen, Apotheken und Pharmabranche. Der HausĂ€rzteverband macht mit einer Protestaktion mobil.
"Die angedachten KĂŒrzungen sind vollkommen plan- und wahllos", kritisierte die Co-Vorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth. "Damit legt man die Axt ohne RĂŒcksicht auf Verluste an die Wurzel der hausĂ€rztlichen Versorgung." Sie warnte vor negativen Folgen wie weniger Praxen, schlechterer Versorgung und lĂ€ngeren Wartezeiten. Der Verband plant eine E-Mail-Aktion, bei der Patienten sich an ihre jeweiligen Bundestagsabgeordneten wenden können.
Mails an Bundestagsabgeordnete
DafĂŒr sollen die knapp 50.000 Hausarztpraxen Plakate und Informationsmaterial zugeschickt bekommen. In einem Muster-Text fĂŒr die E-Mails heiĂt es unter anderem: "Bereits jetzt arbeitet meine Praxis stĂ€ndig am Limit. Durch die nun geplanten KĂŒrzungen wird sich die Situation weiter verschĂ€rfen."
Das vom Kabinett auf den Weg gebrachte Sparpaket soll die gesetzlichen Krankenkassen 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlasten, um ein erwartetes Defizit auszugleichen und neue Anhebungen der ZusatzbeitrĂ€ge zu vermeiden. Warken plant Ausgabenbremsen bei allen Leistungserbringern - aber etwa auch höhere Zuzahlungen fĂŒr Medikamente und EinschrĂ€nkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern.
Der HausĂ€rzteverband kritisiert unter anderem das geplante Aus fĂŒr Extra-VergĂŒtungen der Praxen etwa fĂŒr Organspendeberatungen und dass eine kĂŒrzliche Abschaffung von Obergrenzen fĂŒr die Honorare von HausĂ€rztinnen und HausĂ€rzten wieder aufgeweicht werden solle.
Warnung vor "Kliniksterben"
Der Entwurf soll am 12. Juni in Bundestag und Bundesrat kommen. Die LĂ€nderkammer kann zunĂ€chst Stellung nehmen - und stimmt dazu darĂŒber ab, welche Empfehlungen der AusschĂŒsse sie sich zu eigen macht. Das Gesetz ist dann nicht zustimmungsbedĂŒrftig, die LĂ€nder könnten es aber ausbremsen.
Der federfĂŒhrende Gesundheitsausschuss mahnt unter anderem: "Die SparmaĂnahmen dĂŒrfen nicht zu einem Kliniksterben fĂŒhren und in einer kalten und ungesteuerten Strukturbereinigung mĂŒnden." Zur Konsolidierung der Finanzen der gesetzlichen Krankenkassen mĂŒsse auch der Krankenhaussektor seinen Beitrag leisten. Durch die geplanten MaĂnahmen seien aber eine "hohe Insolvenzgefahr" und eine ĂŒberproportional starke Belastung zu erwarten.
Bei den Kliniken sollen Ausgaben von 4,6 Milliarden Euro vermieden werden. Die zustĂ€ndigen AusschĂŒsse der LĂ€nderkammer empfehlen aber als Forderung, mehrere Instrumente dafĂŒr zu streichen - etwa, dass Tariflohnsteigerungen, die ĂŒber eine bestimmte Schwelle hinausgehen, nicht mehr voll von den Kassen getragen werden, sondern nur noch zur HĂ€lfte. Auch ein Limit fĂŒr Anstiege beim "Pflegebudget" solle gestrichen werden. Daraus werden - ausgegliedert aus der generellen KlinikvergĂŒtung - die Kosten fĂŒrs Pflegepersonal finanziert.
EinwĂ€nde gegen KĂŒrzung bei Zahnersatz
Vorbehalte aus den Bundesrats-AusschĂŒssen werden auch bei weiteren Teilen des Sparpakets deutlich. Wenn FestzuschĂŒsse fĂŒr Zahnersatz von 60 auf 50 Prozent gesenkt wĂŒrden, lasse dies allgemeine Kostensteigerungen etwa fĂŒr Labore auĂer Betracht. Auf Versicherte kĂ€men Belastungen zu. Dass bestimmte Operationen erst nach dem Einholen einer zweiten Ă€rztlichen Meinung von den Krankenkassen vergĂŒtet werden sollen, fĂŒhre zur Gefahr von Wartezeiten.
Ablehnung kommt aus den AusschĂŒssen auch zur geplanten Abschaffung finanzieller Anreize fĂŒr Praxen fĂŒr schnellere Terminvermittlungen, was die Bundesregierung mit ausgebliebenen Verbesserungen begrĂŒndet. Ebenfalls abgelehnt werden Regelungen zu gröĂeren Preisrabatten, die Apotheken und Arzneimittelhersteller den Kassen gewĂ€hren mĂŒssen. Eine StĂ€rkung des Produktions- und Forschungsstandorts solle stĂ€rker berĂŒcksichtigt werden.
Auch Regelungen fĂŒr Beamte anpassen
Angemahnt wird von den Bundesrats-AusschĂŒssen auch eine gröĂere Mitfinanzierung der Krankenkosten von BĂŒrgergeldbeziehern durch Steuergeld aus dem Bundeshaushalt. Die anstehenden Reformen mĂŒssten - aus GrĂŒnden der Akzeptanz - auch ihren Niederschlag in der Versorgung von Beamtinnen und Beamten finden. Etwaige Ănderungen bei der Einkommensgrenze, bis zu der BeitrĂ€ge fĂ€llig werden, seien "unter der MaĂgabe zu prĂŒfen, dass die Belastungen der breiten Mitte der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler nicht weiter erhöht werden". Im Entwurf geplant ist eine zusĂ€tzliche Anhebung 2027.
Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte mit Blick auf die geballten EinwÀnde aus den LÀndern: "Nina Warken muss endlich erkennen, dass besonders Sozialgesetze nicht in wissenschaftlichen Zirkeln gemacht werden." Es brauche vielmehr den politischen Diskurs. "Dabei gilt es, mindestens die Regierungsfraktionen einzubinden", mahnte Brysch.
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