Warken verteidigt ReformplÀne
17.04.2026 - 06:35:03 | dpa.de"Es geht mir hier nicht nur um Beitragsgerechtigkeit oder Mehreinnahmen fĂŒr die gesetzliche Krankenversicherung", sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern, die weder Kinder erziehen noch Angehörige pflegen, sei auch ein BeschĂ€ftigungshemmnis.
Die vorgeschlagene Ănderung halte sie daher auch in der Sache fĂŒr richtig. "Das ist gelebte Frauenpolitik und fördert EigenstĂ€ndigkeit und Vorsorge - vor allem auch bei der Rente", so Warken. Schon wenn jemand einen sogenannten Midi-Job ĂŒber 603 Euro annehme, sei er selbst krankenversichert. Das werde beim derzeitigen Mindestlohn mit einer Arbeitszeit von 11 Stunden pro Woche erreicht.
CSU fordert Steuergeld fĂŒr BĂŒrgergeldempfĂ€nger
Die CSU argumentiert dagegen, es könne nicht sein, dass die Beitragszahler jĂ€hrlich 10 bis 12 Milliarden Euro fĂŒr BĂŒrgergeldempfĂ€nger zahlen mĂŒssten, Ehepartner aber aus der solidarischen Mitversicherung herausgedrĂ€ngt wĂŒrden. Sie fordert deshalb, die KassenbeitrĂ€ge von BĂŒrgergeldempfĂ€ngern zumindest teilweise aus dem Bundeshaushalt zu finanzieren.
"Es gibt richtige AnsĂ€tze in dem Paket von Gesundheitsministerin Warken, etwa dass die Ausgaben nicht stĂ€rker steigen sollen als die Einnahmen und dass jeder seinen Beitrag leisten muss", sagte der bayerische CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek dem "Stern". "Doch ist das alles gut gemeint, aber nicht tragfĂ€hig, wenn der Einstieg in die versicherungsfremden Leistungen nicht gelingt." Er verlangte, der Bund mĂŒsse die BeitrĂ€ge fĂŒr die Bezieher von Grundsicherung bezahlen. "Mindestens der Einstieg in eine stĂ€rkere Ăbernahme der Kosten muss zwingend Teil dieses Pakets werden."
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) lehnt es ab, die BeitrĂ€ge der BĂŒrgergeldempfĂ€nger voll aus dem Bundesetat zu finanzieren. Seinen Angaben zufolge wĂŒrde das den Bundeshaushalt um 12 Milliarden Euro belasten. Auch Warken hat bereits deutlich gemacht, dass der Koalition im Moment haushaltstechnisch die HĂ€nde gebunden seien.
Gutverdiener sollen höhere BeitrÀge zahlen
Die Gesundheitsministerin hat Kernpunkte eines Sparpakets vorgelegt, das die gesetzlichen Krankenversicherungen um 20 Milliarden Euro entlasten soll. Dabei will sie auch Gutverdiener stĂ€rker heranziehen. Die Einkommensgrenze, bis zu der BeitrĂ€ge fĂ€llig werden, solle 2027 einmalig um rund 300 Euro zusĂ€tzlich angehoben werden, heiĂt es in einem Referentenentwurf, der nun in die regierungsinterne Abstimmung ging.
Aktuell liegt diese Grenze, die jĂ€hrlich angepasst wird, bei 5.812,50 Euro. Bis zu dieser Schwelle des Brutto-Monatsgehalts werden VersicherungsbeitrĂ€ge fĂ€llig, vom darĂŒber liegenden Gehalt werden keine BeitrĂ€ge mehr abgezogen. Der zusĂ€tzliche Aufschlag von 300 Euro auĂerhalb der regulĂ€ren Anpassung soll zu Mehreinnahmen von je 1,2 Milliarden Euro von Arbeitgebern und Arbeitnehmern fĂŒhren, die sich die KrankenkassenbeitrĂ€ge teilen.
Das Ministerium konkretisiert damit SparbeitrĂ€ge, Zuzahlungen und Einschnitte, die auf Versicherte, Arbeitgeber und Gesundheitsbranche zukommen können. Der Fokus liege auf einem "ausgewogenes Gesamtpaket", erklĂ€rte das Ressort. Es solle "keine Ăberlastung einzelner Akteure oder Sektoren" geben. Der Entwurf soll am 29. April ins Kabinett kommen.
3,5 Prozent Beitragszuschlag statt beitragsfreier Mitversicherung
Die beitragsfreie Mitversicherung von Ehegatten soll beschrĂ€nkt werden. Gehe ein Lebenspartner aus freier Entscheidung keiner ErwerbstĂ€tigkeit nach, sei es angemessen, dass sich der erwerbstĂ€tige Partner an den Versorgungskosten beteilige, heiĂt es im Entwurf. Beitragsfrei mitversichert sein sollen noch Kinder, Eltern von Kindern bis zum siebten Geburtstag, von Kindern mit Behinderungen sowie Menschen mit pflegebedĂŒrftigen Angehörigen und im Regel-Rentenalter. Kassenmitglieder mit derzeit beitragsfrei mitversicherten Gatten sollen kĂŒnftig einen Beitragszuschlag von 3,5 Prozent zahlen. Gelten soll dies ab 2028.
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