Gold, Höhenflug

Gold: Ölschock bremst Höhenflug

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 21:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Steigende Ă–lpreise und ein fester Dollar beenden die Goldrallye. Analysten sehen Risiken fĂĽr eine tiefere Korrektur des Edelmetalls.

Goldpreis unter Druck: Ă–lschock und Dollar bremsen Rallye
Goldbarren vor dunklem Hintergrund, der die gedämpfte Marktstimmung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eigentlich müsste ein eskalierender Nahost-Konflikt Gold in die Höhe treiben. Diesmal ist das Gegenteil der Fall. Der Goldpreis beendet seine viertägige Gewinnserie, weil die Angst vor der nächsten Eskalation ausgerechnet den Dollar stärkt statt das Edelmetall.

Auslöser ist die Verschärfung der Lage am Persischen Golf. Nach neuen Drohungen aus Washington gegen Iran und die Huthi-Miliz kletterte die Nordseesorte Brent erstmals seit zwei Monaten über 100 Dollar je Barrel. Steigende Ölpreise treiben normalerweise die Inflationssorgen an — und genau das schlägt gegen Gold um. Denn parallel dazu wachsen die Erwartungen, dass die US-Notenbank ihre Zinsen eher anheben als senken könnte, um den Energieschock preislich einzufangen. Das drückt die Attraktivität des zinslosen Edelmetalls.

Dollar und Renditen ziehen den Boden weg

Der US-Dollar gilt in diesem Umfeld selbst als sicherer Hafen — auch weil Rohöl in Dollar gehandelt wird und die USA über eigene Ölvorkommen verfügen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte über 4,57 Prozent, was Gold als zinsloses Investment zusätzlich unattraktiver macht. Die Feinunze kostete zuletzt 4.057 Dollar, rund 73 Dollar weniger als am Vortag. Die EZB ließ ihre Leitzinsen derweil unverändert und verwies auf die hohe Unsicherheit durch den Energieschock — ein klares Zinssignal für September blieb aus.

Charttechnisch bewegt sich Gold zwischen zwei Marken: Nach oben bremst der Widerstand bei 4.200 Dollar, nach unten hält der 21-Tage-Durchschnitt bei rund 4.070 Dollar den Kurs vorerst stabil.

Zwischen Bullenmarkt-These und Warnsignal

Die Meinungen zur weiteren Richtung könnten kaum weiter auseinanderliegen. Hedgefonds-Manager John Paulson sieht Gold erst am Anfang eines langfristigen Bullenmarktes, getrieben von schwindendem Vertrauen in Papierwährungen und anhaltenden Käufen der Zentralbanken. Sein bevorzugtes Vehikel dafür sind allerdings nicht Goldbarren, sondern Minenaktien mit unerschlossenen Reserven.

Bank of America und UBS zeichnen ein deutlich vorsichtigeres Bild. BofA verwies bereits mitte Juli auf ein sogenanntes Todeskreuz im Goldchart — der 50-Tage-Durchschnitt fiel unter den 200-Tage-Durchschnitt — und wertet dies als Risiko für eine tiefere, länger andauernde Korrektur. UBS senkte zudem ihre Einstiegsmarke für Silber von 55 auf eine Spanne von 48 bis 50 Dollar und begründete dies mit der Nahost-Eskalation, gestiegenen Opportunitätskosten und dem festen Dollar.

Ob sich der aktuelle Rücksetzer als technische Verschnaufpause oder als Beginn einer tieferen Korrektur entpuppt, dürfte sich an zwei Fragen entscheiden: Hält die 4.070-Dollar-Marke als Unterstützung, und wie deutlich die Fed ihre Zinssignale in den kommenden Wochen nachschärft.

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