Gold, Hormuz

Gold: Zwischen Hormuz und Fed

Veröffentlicht am: 16.07.2026 um 11:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Gold fällt trotz schwächerer US-Inflationsdaten. Steigende Ölpreise durch die Iran-Krise und hawkishe Fed-Signale belasten das Edelmetall.

Gold unter Druck: Geopolitik und Ă–lpreise belasten den Kurs
Ein goldener Barren mit verschwommenem Hintergrund, der eine Ă–lroute und einen Finanzchart zeigt. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

Eigentlich hätten die Inflationsdaten am Mittwoch Rückenwind liefern sollen: Die US-Erzeugerpreise fielen im Juni überraschend, die Verbraucherpreise kühlten sich ebenfalls ab. Stattdessen rutscht Gold weiter ab. Der Grund liegt nicht in Washington, sondern in der Straße von Hormuz.

Ă–lpreise durchkreuzen die Zinshoffnung

Die Erzeugerpreise sanken im Juni um 0,3 Prozent, die Verbraucherpreise stiegen im Jahresvergleich nur noch um 3,5 Prozent. Normalerweise würde das die Wetten auf eine Fed-Zinssenkung befeuern und Gold stützen. Die erneute Eskalation im Nahen Osten treibt jedoch die Ölpreise seit vier Handelstagen in Folge nach oben und weckt Sorgen, dass höhere Energiekosten die Inflation erneut anfeuern könnten.

Fed-Chef Kevin Warsh bekräftigte diese Woche das Zwei-Prozent-Ziel und signalisierte Bereitschaft, bei anhaltendem Preisdruck nachzujustieren. Gouverneurin Lisa Cook stellte weitere Schritte in Aussicht, sollte die Inflation hoch bleiben, während New-York-Fed-Chef John Williams das aktuelle Zinsniveau als angemessen bezeichnete. Laut CME-FedWatch-Tool rechnen Marktteilnehmer nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 10,2 Prozent für eine Zinserhöhung bei der Fed-Sitzung am 28. und 29. Juli – der Rest setzt auf unveränderte Zinsen.

FĂĽnfter Tag der US-Angriffe auf Iran

Nach einem Angriff auf ein Cyprus-geflaggtes Schiff in der Straße von Hormuz reagierten US-Streitkräfte mit massiven Vergeltungsschlägen. Iran schloss die Meerenge erneut, US-Präsident Donald Trump verhängte eine Seeblockade und drohte, die Militäroperationen bis zu einer iranischen Kapitulation zu verschärfen – zuletzt mit Blick auf die unterirdische Nuklearanlage Pickaxe Mountain. Der zuvor im Juni vereinbarte 60-Tage-Waffenstillstand ist damit faktisch hinfällig.

Charttechnik bleibt bärisch angehaucht

Gold notiert aktuell um 4.040 Dollar je Feinunze und damit klar unter der Widerstandszone bei 4.110 bis 4.115 Dollar. Die Unterstützung liegt bei rund 3.990 Dollar. Ein doppelter Boden zeichnet sich zwar ab, ist aber noch nicht bestätigt – der langfristige Trend bleibt abwärtsgerichtet, solange die 4.110er-Marke hält.

Silber traf es deutlich härter: Der Preis brach um rund drei Prozent auf etwas über 57 Dollar je Feinunze ein und koppelte sich damit von Gold ab. Die Divergenz zeigt, dass Anleger die beiden Edelmetalle derzeit unterschiedlich einordnen – Gold als Krisenabsicherung, Silber stärker an der Industrienachfrage orientiert.

Die kommende Fed-Sitzung am 28. und 29. Juli dürfte zeigen, wie stark der Ölpreisschock die Zinspolitik tatsächlich beeinflusst.

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