Goldman Sachs Aktie: KI-Boom zahlt sich aus
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 02:22 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Wer beim Stichwort "Künstliche Intelligenz" nur an Chiphersteller und Cloud-Konzerne denkt, hat einen Gewinner übersehen: Wall Street selbst. Goldman Sachs hat am Dienstag Quartalszahlen vorgelegt, die zeigen, wie stark der KI-Investitionszyklus inzwischen auch die Bankbilanzen prägt. Die Aktie sprang daraufhin um rund acht Prozent nach oben.
Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 39 Prozent auf 20,3 Milliarden Dollar. Treiber war vor allem das Aktienhandelsgeschäft, das um 72 Prozent auf 7,42 Milliarden Dollar zulegte — ein Sprung, den Analysten in dieser Größenordnung nicht auf dem Zettel hatten. Auch das Beratungsgeschäft profitierte kräftig: Die Einnahmen aus dem Investmentbanking stiegen um 55 Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar.
Deals rund um die KI-Infrastruktur
Konkret sichtbar wird der Effekt an den Mandaten des Quartals. Goldman fungierte als Lead-Berater beim Börsengang von SpaceX und begleitete Alphabets Kapitalerhöhung über 90 Milliarden Dollar. Hinzu kam die Beratung von Dominion Energy beim Verkauf an NextEra Energy — ein Deal, der wie die anderen direkt mit dem Ausbau von Rechenzentren und Energieinfrastruktur für KI-Anwendungen zusammenhängt.
CEO David Solomon sprach gegenüber Analysten von einem "KI-Capex-Superzyklus", der Finanzierungsbedarf in praktisch jedem Instrument, jeder Region und jeder Branche auslöse. Nach seiner Einschätzung steht dieser Investitionszyklus, der sich über drei bis fünf Jahre erstrecken dürfte, noch am Anfang.
Wells-Fargo-Analyst Mike Mayo sieht in den Zahlen einen "Wendepunkt" für die gesamte Branche und zählt neben Goldman auch JPMorgan und Morgan Stanley zu den größten Profiteuren des Trends. Er hob nach den Zahlen seine Kursziele für Goldman und JPMorgan an.
Regulatorischer Rückenwind
Parallel zur Zahlenvorlage rückte am Dienstag auch die Debatte um neue Kapitalanforderungen für Großbanken in den Fokus. Vorschläge zur Berechnung des sogenannten GSIB-Zuschlags könnten Institute wie Goldman Sachs begünstigen, die stärker auf kurzfristige Wholesale-Finanzierung setzen als Banken mit großer Einlagenbasis. Die Aufsichtsbehörden wollen die Regelwerke bis Ende des Jahres finalisieren.
Für Goldman bleibt die entscheidende Variable, wie lange sich der aktuelle Finanzierungsboom rund um Rechenzentren und KI-Infrastruktur fortsetzt. Solomons Prognose eines mehrjährigen Zyklus setzt voraus, dass die Investitionswelle der Tech-Konzerne nicht abrupt abbricht.
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