Verband der Chemischen Industrie (VCI) / Halbjahresbilanz der ...
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 10:41 Uhr, dpa.deHalbjahresbilanz der chemisch-pharmazeutischen Industrie / Keine Erholung, Investitionen weiter rĂŒcklĂ€ufig Frankfurt/Main (ots) -
- Produktion im ersten Halbjahr rund drei Prozent unter Vorjahr - Umsatz sinkt auf 106 Milliarden Euro - Investitionen gehen das dritte Jahr in Folge zurĂŒck - Entschlossener Reformkurs zur StĂ€rkung des Industriestandorts nötig
Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland kommt aus der Krise nicht heraus. Zwar entwickelte sich das erste Halbjahr 2026 etwas besser als die zweite JahreshĂ€lfte 2025. Von einer nachhaltigen Erholung kann jedoch keine Rede sein. Die Produktion lag rund drei Prozent unter Vorjahr, der Umsatz sank um ein Prozent auf 106 Milliarden Euro. Gleichzeitig gehen die Investitionen weiter zurĂŒck - bereits das dritte Jahr in Folge. FĂŒr den Verband der Chemischen Industrie (VCI) ist dies ein Warnsignal.
"Die Halbjahresbilanz ist enttĂ€uschend", fasst VCI-PrĂ€sident Markus Steilemann zusammen. "Eine leichte Belebung ist kein Grund zur Entwarnung. DafĂŒr sind vor allem Sondereffekte aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen in Nahost verantwortlich. Wir erleben nur eine Atempause, keine Trendwende. GrundsĂ€tzlich bin ich aber weiter von dem groĂen Potenzial unserer Branche als Treiber fĂŒr die notwendige Transformation zu Nachhaltigkeit und Resilienz ĂŒberzeugt."
Unternehmen fĂŒllen derzeit wegen des Kriegs am Golf ihre Lager auf, um möglichen VersorgungsengpĂ€ssen vorzubeugen. Gleichzeitig lieĂ der Wettbewerbsdruck aus Asien durch die Sperrung der StraĂe von Hormus vorĂŒbergehend nach.
Vor diesem Hintergrund hat sich das InlandsgeschÀft der chemisch-pharmazeutischen Industrie in den ersten sechs Monaten zuletzt etwas stabilisiert. Die Exporte sind jedoch weiterhin schwach. Viele Anlagen sind nach wie vor unterausgelastet. Produktion und Absatz liegen deutlich unter dem Niveau von 2021.
Viele Unternehmen rechnen auch fĂŒr die kommenden Monate mit einer schwierigen GeschĂ€ftsentwicklung. Steigende Kosten, schwache Absatzmengen und der insgesamt intensive internationale Wettbewerb setzen die ErtrĂ€ge weiterhin unter Druck. FĂŒr das Gesamtjahr erwartet der VCI deshalb einen ProduktionsrĂŒckgang von 1,5 Prozent. Von weiteren Prognosen sieht der Verband angesichts der volatilen geopolitischen Lage derzeit ab.
Deutschland fĂ€llt weiter zurĂŒck
Besonders besorgniserregend ist aus Sicht des VCI der RĂŒckgang der Sachanlageinvestitionen. Sie liegen rund 15 Prozent unter dem Niveau von 2023. Diese Entwicklung passt zu einem alarmierenden Gesamtbild: Die produktiven Nettoinvestitionen in Deutschland liegen einer Studie zufolge nur noch bei etwa 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung. Auch in Europa werden ProduktionskapazitĂ€ten abgebaut, ohne dass ausreichend in neue Anlagen und Zukunftstechnologien investiert wird. FĂŒr die Unternehmen zĂ€hlen hohe Energie- und Produktionskosten sowie weitere negative Rahmenbedingungen in Deutschland zu den gröĂten Investitionshemmnissen.
Reformpaket ist erster Schritt
Vor diesem Hintergrund kommt es aus Sicht des VCI jetzt darauf an, dass die bisherigen EinzelmaĂnahmen der Bundesregierung in eine umfassende Strukturreform mĂŒnden. "Das Reformpaket der schwarz-roten Koalition ist der erste ernsthafte Versuch seit Jahren, die regulatorischen Ketten des Standorts Deutschland zu sprengen. Dieser Kurs muss konsequent fortgesetzt werden. ZusĂ€tzliche Belastungen wĂŒrden die Lage weiter verschĂ€rfen", betont Steilemann.
Der Handlungsbedarf bleibt groĂ. Das zeigt auch die aktuelle VCI-Mitgliederumfrage: Mehr als 80 Prozent der Unternehmen sehen die Risiken einer Deindustrialisierung politisch nicht ausreichend berĂŒcksichtigt. Der Verband fordert deshalb vor allem wettbewerbsfĂ€hige Unternehmenssteuern, niedrigere Arbeitskosten, schnellere Genehmigungen und weniger BĂŒrokratie.
Trotz der anhaltenden Krise sieht der VCI weiterhin groĂes Potenzial fĂŒr den Industriestandort Deutschland. Steilemann betont: "Deutschland hat die industrielle Substanz und die Innovationskraft. Jetzt ist die Zeit, diese StĂ€rken wieder zur Entfaltung zu bringen. Dazu brauchen wir auch einen MentalitĂ€tswandel hin zu mehr Offenheit, VerĂ€nderungsbereitschaft und Eigenverantwortung. Entscheidend ist die Einsicht, dass die Kosten des Nicht-Handelns gröĂer werden als die Kosten gemeinsamer Reformen."
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Der VCI ist Europas gröĂter Verband fĂŒr Chemie, Pharma und Biotechnologie. Mit seinen 22 Fach- und 7 LandesverbĂ€nden reprĂ€sentiert er die Interessen von rund 2.000 Unternehmen - vom Global Player bis zum hoch spezialisierten MittelstĂ€ndler. Mit 230 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025 und rund 545.000 BeschĂ€ftigten in Deutschland zĂ€hlt die Branche zu den stĂ€rksten Treibern fĂŒr Innovation, Wohlstand und Zukunft. FĂŒr eine starke chemisch-pharmazeutische Industrie von heute und morgen ist der VCI in Deutschland, in Europa und weltweit aktiv.
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