Hamburg, Taxipreise

Hamburg testet flexible Taxipreise - Taxameter unter Druck

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 06:20 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Variabel anpassbare Festpreise fĂŒr Taxifahrten kommen laut einer Studie sowohl Kunden als auch Taxi-Unternehmen zugute.

Das hat die Evaluation eines Hamburger Praxistests ergeben, wie Verkehrssenator Anjes Tjarks der Deutschen Presse-Agentur sagte. "Gemeinsam mit dem Statistikamt Nord, dem Wissenschaftszentrum Berlin sowie FreeNow by Lyft US55087P1049, Uber US90353T1007 und Bolt wurden dafĂŒr Millionen realer Fahrtdaten ausgewertet."

Die 5,5 Millionen von der Stadt seit Februar 2024 aus Einzelfahrten erfassten Daten hĂ€tten gezeigt, dass die UmsĂ€tze der Unternehmen mit den Festpreisen durch ein erhöhtes Fahrtaufkommen gestiegen seien, bei zugleich gĂŒnstigeren Fahrten fĂŒr die Kunden, sagte Professor Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin fĂŒr Sozialforschung (WZB).

Taxi-Vermittler konnten im Test Festpreise variieren

Im Februar 2025 war in Hamburg zunĂ€chst fĂŒr ĂŒber Plattformen gebuchte Fahrten ein verbindlicher Festpreis eingefĂŒhrt worden - alternativ zu der Abrechnung ĂŒber Taxameter. Im Zuge des Versuchs kamen dann ab Oktober vergangenen Jahres Korridore zur freien Preisgestaltung hinzu.

ZunĂ€chst durften die Plattformen fĂŒr vier Monate bis zu 20 Prozent auf den Festpreis aufschlagen. Von Mitte MĂ€rz bis Mitte Juni dieses Jahres waren dann zusĂ€tzlich auch Preisgestaltungen bis zu 20 Prozent unter dem Festpreis möglich.

Höherer Umsatz trotz niedrigerer Fahrpreise

Allein mit der EinfĂŒhrung des Festpreises habe es gegenĂŒber der zuvor gĂŒltigen Abrechnung per Taxameter einen Anstieg bei der Zahl der Fahrten um fĂŒnf Prozent und ein Umsatzplus von neun Prozent gegeben, sagte Knie. Mit dem ersten Korridor, bei dem die Festpreise nach oben um bis zu 20 Prozent erhöht werden konnten, sei die Zahl der Fahrten gegenĂŒber dem Taxameter um 14 und der Umsatz um 19 Prozent gestiegen.

Allerdings sei die Anpassung nach oben nur vergleichsweise selten genutzt worden - anders als die dann folgende Ausweitung des Preiskorridors nach unten. Zu 80 Prozent sei die Möglichkeit zur Preisgestaltung fĂŒr gĂŒnstigere Angebote genutzt worden - mit dann noch stĂ€rkerer Wirkung: "Hier haben wir ein Plus von 24 Prozent bei den Fahrten", sagte Knie.

Wissenschaftler: Fahrten nach Taxameter nicht mehr gefragt

Insgesamt könnte der fĂŒr das Jahr ermittelte Umsatz laut Studie durch die Korridore um 32,5 Millionen Euro gegenĂŒber dem nicht anpassbaren Festpreis steigen. "Zum Taxameterpreis wĂ€ren es sogar 46 Millionen", sagte der Berliner Wissenschaftler.

Die Message sei daher klar: "Mehr Korridore, mehr flexible, transparente Tarife schaffen deutlich mehr UmsĂ€tze." Die althergebrachte Abrechnung per Taxameter "wird so eben nicht mehr nachgefragt". Denn die Studie zeige, dass das Warten an HalteplĂ€tzen oder das ausschließliche Fahren nach Taxameterpreisen trotz Preiserhöhung kein Umsatzplus bringe.

Infolge steigender Kosten und weniger Fahrten waren die Taxipreise in Hamburg in den vergangenen Jahren deutlich angehoben worden.

Plattformbetreiber begrĂŒĂŸen mehr FlexibilitĂ€t bei Preisen

Die Plattformanbieter FreeNow by Lyft, Uber und Bolt Ă€ußerten sich durchweg positiv zu den Studienergebnissen. "Wenn FahrgĂ€ste vorher wissen, was ihre Fahrt kostet und bei geringer Nachfrage gĂŒnstiger fahren können, steigen mehr Menschen ins Taxi", sagte Uber-Deutschland-Chef Christoph Weigler der dpa. Die Politik sollte daher flexible Taxipreise dauerhaft ermöglichen.

Der PrĂ€sident von FreeNow by Lyft betonte die Vorteile fĂŒr die Taxiunternehmer, fĂŒr die "jede besetzte Fahrt" zĂ€hle. "Mit dem Korridor bringt sie mehr: mehr Fahrten pro Stunde, mehr Umsatz pro Stunde und weniger Kilometer ohne Fahrgast."

Die Ergebnisse bestĂ€tigten, "wofĂŒr wir seit langem werben", sagte Bolt-Deutschland-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Christoph Hahn: "Die Zukunft des Taxigewerbes liegt nicht darin, andere MobilitĂ€tsangebote einzuschrĂ€nken, sondern darin, das eigene Potenzial besser zu nutzen." Dies sollte Anlass sein, die bisherige Debatte neu zu fĂŒhren.

Anders als in anderen deutschen StĂ€dten treten die großen Plattformanbieter in Hamburg nicht als Vermittler der im Vergleich deutlich gĂŒnstigeren Mietwagen mit Fahrern an, sondern vor allem als Vermittler von Taxifahrten.

Neue Taxenordnung zum Februar 2027

Auch Verkehrssenator Tjarks zog ein positives Fazit: "Auf dieser Grundlage können Taxipreise flexibler und nachvollziehbar zum Vorteil von FahrgÀsten und Taxenunternehmen geregelt werden. Dies werden wir jetzt mit dem Gewerbe diskutieren."

Und dieses Gewerbe ist in Hamburg kleinteilig: Die laut Behörde rund 2.700 Taxis der Stadt verteilen sich auf 1.700 Unternehmen, davon sind den Angaben zufolge 1.500 Ein-Wagen-Unternehmen. Und je kleiner der Betrieb, desto schwerer dĂŒrften Digitalisierung und flexible Preisgestaltung fallen.

Hamburgs grĂ¶ĂŸte klassische Taxi-Vermittlungszentrale, Hansataxi, hatte schon beim Korridor-Test nicht mitmachen wollen. Die Kunden bevorzugten "einen verlĂ€sslichen Preis und keine Tagesschwankungen, die vom Wetter abhĂ€ngig sind", hatte Vorstand Jan Weber im Februar dem "Hamburger Abendblatt" gesagt.

In den kommenden Monaten muss eine Richtungsentscheidung fallen, denn die in der Hamburger Taxenordnung festgeschriebene Erprobung neuer Tarifformen war auf 24 Monate begrenzt und lÀuft Ende Januar aus. Zum 1. Februar 2027 muss also eine neue Verordnung her.

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