ROUNDUP, Heideldruck

Heideldruck bleibt trotz schwachen Quartals bei Jahreszielen

Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 13:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

HEIDELBERG - Der Maschinenbauer Heidelberger Druckmaschinen DE0007314007 hat im ersten GeschĂ€ftsquartal die ZurĂŒckhaltung der Kunden zu spĂŒren bekommen.

(neu: Aussagen aus der Telefonkonferenz und Aktienkurs)

HEIDELBERG (dpa-AFX) - Der Maschinenbauer Heidelberger Druckmaschinen DE0007314007 hat im ersten GeschĂ€ftsquartal die ZurĂŒckhaltung der Kunden zu spĂŒren bekommen. Umsatz und operatives Ergebnis gingen deutlich zurĂŒck. Die Ziele fĂŒr das Gesamtjahr (bis Ende MĂ€rz) bestĂ€tigte der Vorstand um Unternehmenschef JĂŒrgen Otto am Mittwoch aber. Die Aktie gab im frĂŒhen Handel um mehr als sechs Prozent nach, dĂ€mmte die Kursverluste aber spĂ€ter etwas ein. Zuletzt verlor das Papier rund 2,3 Prozent und gehörte im SDax DE0009653386 weiterhin zu den grĂ¶ĂŸten Verlierern.

Der Erlös schrumpfte in den drei Monaten bis Ende Juni im Jahresvergleich um gut 13 Prozent auf 404 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilte. WĂ€hrend der Konzern deutlich mehr in China, Großbritannien und Brasilien umsetzen konnte, gingen die Erlöse insbesondere in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) zurĂŒck. Der Umsatz soll im laufenden GeschĂ€ftsjahr auf dem Vorjahresniveau verharren, nachdem dieser im vergangenen Jahr um ein Prozent auf 2,29 Milliarden Euro gestiegen war.

Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) brach im ersten Quartal von 20 Millionen Euro im Vorjahr auf eine Million ein. Die entsprechende Marge ging von 4,4 auf 0,2 Prozent zurĂŒck. Im Gesamtjahr 2026/27 (bis Ende MĂ€rz) soll sich die operative Marge (bereinigte Ebitda-Marge) spĂŒrbar im Vergleich zum Vorjahreswert von 6,6 Prozent verbessern. Dazu beitragen soll ein Sparprogramm, aber auch die Verlagerung eines Teils der Produktion ins gĂŒnstigere Ausland.

Um die Kosten zu senken, verlagerte Heidelberger Druckmaschinen die Produktion der Speedmaster CX 104 vollstĂ€ndig nach China. Auch grĂŒndete das Unternehmen einen neuen Standort in Nordmazedonien, um kĂŒnftig Kosten einzelner Produktgruppen zu reduzieren. Dort sollen Produkte hergestellt werden, deren Produktion sich in Deutschland aus KostengrĂŒnden nicht mehr lohnt. Die Lohnkosten in Nordmazedonien liegen laut frĂŒheren Angaben von Unternehmenschef Otto in etwa auf chinesischem Niveau. Zudem lĂ€uft schon seit lĂ€ngerem ein Personalabbau in deutschen Standorten.

Unter dem Strich fiel im Auftaktquartal mit 32 Millionen Euro ein fast dreimal so hoher Verlust an wie ein Jahr zuvor. Mit seinen Kennziffern traf das Unternehmen aber in etwa die Erwartungen von Analysten.

Nach EinschĂ€tzung von Experte Stefan Augustin vom Analysehaus Warburg Research fiel das erste GeschĂ€ftsquartal wie gewohnt schwach aus. Der Umsatz habe die Erwartungen verfehlt, wogegen die Gewinne knapp ĂŒber seinen SchĂ€tzungen lĂ€gen, schrieb er. Der Auftragseingang sei jedoch ordentlich.

Der Auftragseingang schrumpfte im Berichtszeitraum um knapp vier Prozent auf 537 Millionen Euro. Allerdings habe sich im vergangenen Quartal vor allem das Auslaufen eines staatlich geförderten Investitionsprogramms in Italien mit einem RĂŒckgang von ĂŒber 60 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr stark bemerkbar gemacht, hieß es. Der Auftragsbestand erhöhte sich Ende Juni mit 762 Millionen Euro deutlich im Vergleich zum Ende des vergangenen GeschĂ€ftsjahres. Ende MĂ€rz hatte dieser 639 Millionen Euro betragen.

Heidelberger Druck hat in Zeiten der Digitalisierung in seinem KerngeschĂ€ft mit Druckmaschinen bereits seit lĂ€ngerem zu kĂ€mpfen. Der Konzern hat sich daher ein Standbein mit Ladeboxen fĂŒr Elektrofahrzeuge aufgebaut und rĂŒckt nun in den RĂŒstungsbereich vor.

"Mit der HD Advanced Technologies GmbH (HDAT) haben wir ein eigenstĂ€ndiges Unternehmen und eine weitere WachstumssĂ€ule fĂŒr Heidelberg etabliert", sagte Konzernchef Ott in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Das Unternehmen nutze seine bestehenden industriellen und technischen KapazitĂ€ten, um in neue und attraktive MĂ€rkte zu expandieren.

Im MĂ€rz hatte der Konzern dazu die GrĂŒndung eines Joint-Ventures mit dem US-amerikanisch-israelischen Hersteller Ondas Autonomous Systems verkĂŒndet. Das Gemeinschaftsunternehmen unter dem Namen Onberg entwickelt und betreibt autonome Systeme zur Drohnenabwehr. Erst jĂŒngst hat Onberg eine AbsichtserklĂ€rung fĂŒr die GrĂŒndung eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem ukrainischen Drohnenentwickler Skyeton unterzeichnet.

Derzeit baue Heidelberger Druckmaschinen seinen Standort Brandenburg aus, um seine Systemkompetenz zum Thema Drohnen Entscheidern aus Behörden, Betreiber kritischer Infrastrukturen, StreitkrĂ€fte und Industrie vorzufĂŒhren, erlĂ€uterte Konzernlenker Ott. Erst vor wenigen Wochen sei dort ein VorfĂŒhrzentrum eröffnet worden. Die Bedrohung durch unbemannte Systeme nehme weltweit zu. Drohnen gehörten heute zu den meistgenutzten Mitteln hybrider KriegsfĂŒhrung. Es gebe ein großes Interesse an den Systemen, vor allem seit dem Vorfall in Leipzig, fĂŒgte er hinzu.

Perspektivisch sollen neben dem Vertrieb die Lösungen von Onberg in Deutschland entwickelt, produziert und Serviceleistungen fĂŒr Kunden angeboten werden. Es brauche aber eine klare rechtliche Grundlage in Deutschland und Europa, um schnell und effektiv beim Thema Drohnenabwehr zu reagieren, mahnte der Heidelberg-Chef. Daher unterstĂŒtze das Unternehmen den Vorschlag und die zĂŒgige Umsetzung des brandenburgischen Innenministers Jan Redmann (CDU), privaten Betreibern kritischer Infrastruktur selbst die Abwehr von Drohnen zu erlauben.

Disclaimer...

de | boerse | 69969736 |