Trotz Umsatzrekord - Hohe Marketing-Kosten enttÀuschen bei Adidas
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 12:57 Uhr | dpa.de(neu: Aussagen aus der Telefonkonferenz, Details, Kurs und Analysten)
HERZOGENAURACH (dpa-AFX) - Der Sportartikelhersteller Adidas DE000A1EWWW0 hat im zweiten Quartal dank der FuĂball-Weltmeisterschaft einen Umsatzrekord erzielt. Das wurde jedoch teuer erkauft: So gab Adidas deutlich mehr fĂŒr Marketing aus. Dies bremste die Ergebnisentwicklung. Und wĂ€hrend der Konzern mit den drei Streifen seine Umsatzprognose leicht erhöhte, wurde die vom Finanzmarkt als konservativ betrachtete Gewinnprognose lediglich bestĂ€tigt.
An der Börse kam dies schlecht an: Die Aktie rauschte am Donnerstag um mehr als 17 Prozent ab und hielt mit Abstand die rote Laterne im Dax. Am Vormittag fielen sie zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Monaten. Damals hatten sie sich aus ihrem im Februar 2025 eingeleiteten AbwĂ€rtstrend befreit und bis Mitte Juli zunĂ€chst krĂ€ftig erholt. Von dieser Kurserholung haben sie nun mehr als die HĂ€lfte eingebĂŒĂt. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von gut 10 Prozent zu Buche. Die im MDax DE0008467416 notierten Papiere des Konkurrenten Puma DE0006969603 konnten sich der negativen Stimmung nicht entziehen und sanken um 3,9 Prozent.
Im Fokus stehe eine beachtliche Erhöhung der operativen Aufwendungen des Sportartikelherstellers, welche die SchĂ€tzungen deutlich ĂŒbertroffen hĂ€tten, kommentierte Jefferies-Analyst James Grzinic. Die starke Wachstumsdynamik im zweiten Quartal rĂŒcke daher etwas in den Hintergrund. Wendy Liu von der US-Bank JPMorgan merkte an, die UmsĂ€tze seien zwar solide, aber auch nicht ĂŒberraschend stark gewesen, wĂ€hrend das operative Ergebnis wegen der höheren Kosten enttĂ€uscht habe. Die ausgebliebene Erhöhung der Gewinnziele laste ebenfalls auf der Aktie.
Konzernchef Björn Gulden reagierte mit UnverstĂ€ndnis. Er werde nicht versuchen, noch profitabler zu werden, nur "um Leute zu beeindrucken", sagte er in einer Telefonkonferenz. Mit der Entwicklung selbst zeigte er sich zufrieden und verteidigte die Marketing-Kampagne: "Die Produkte - Trikots, kulturell inspirierte Kleidung, Schuhe und BĂ€lle - haben gezeigt, wie Adidas-FuĂball aussehen sollte. Und wir haben auch viel mehr verkauft als je zuvor."
Die Erlöse im Zusammenhang mit der WM bezifferte er auf rund 1,5 Milliarden Euro. Mit Spanien und Argentinien rĂŒstete Adidas gleich beide Finalisten aus, stellte den WM-Ball und auch die Schiedsrichter waren in den drei Streifen gekleidet. "Wir hĂ€tten nicht besser aussehen und es nicht besser machen können." Er kĂŒndigte jedoch an, dass sich die Marketing-Ausgaben in den kommenden Quartalen wieder normalisieren wĂŒrden.
Als Folge erhöhte das Unternehmen seine Umsatzprognose fĂŒr das laufende Jahr leicht und geht von einem wĂ€hrungsbereinigten Wachstum von neun bis zehn Prozent aus. Bislang hatte das Management ein Plus im hohen einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt. Die Ergebnisprognose bestĂ€tigte Adidas und erwartet fĂŒr 2026 weiter ein Betriebsergebnis von rund 2,3 Milliarden Euro. Analysten haben hier jedoch bereits 2,4 Milliarden auf dem Zettel.
Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 13 Prozent auf rund 6,7 Milliarden Euro, wie das Unternehmen in Herzogenaurach mitteilte. WĂ€hrungsbereinigt erzielte Adidas einen Prozentpunkt mehr Wachstum.
Eine starke Nachfrage verzeichnete das Unternehmen insbesondere in seinen eigenen VerkaufskanĂ€len, mit einem Wachstum von mehr als 20 Prozent sowohl im eigenen Einzelhandel als auch im E-Commerce. Dagegen fiel das Plus im GroĂhandel mit sechs Prozent erneut deutlich schwĂ€cher aus, vor allem in Europa. So sitzen die HĂ€ndler wegen des mauen Konsumumfeldes auf vollen Lagern und zögern mit weiteren Bestellungen. Zudem arbeiten sie verstĂ€rkt mit Rabatten, um die Ware loszuschlagen.
Neben einer starken Nachfrage im FuĂball-Bereich zeigte sich auch das Running-GeschĂ€ft robust. Dabei boomte vor allem das GeschĂ€ft mit Bekleidung und Accessoires, wĂ€hrend die bislang starken Schuh-VerkĂ€ufe nur leicht zulegten.
WĂ€hrend der Umsatz besser ausfiel als erwartet, blieb die Ergebnisentwicklung hinter den SchĂ€tzungen der Analysten zurĂŒck. So gab Adidas im Zuge der FuĂball-Weltmeisterschaft 212 Millionen Euro mehr fĂŒr Marketing aus. Höhere Fracht- und Beschaffungskosten sowie höhere US-Zölle belasteten obendrein. FĂŒr unrechtmĂ€Ăig erhobene Zölle erhielt Adidas dabei die erste "geringe RĂŒckerstattung". Das Betriebsergebnis stieg insgesamt um fĂŒnf Prozent auf 574 Millionen Euro.
Zudem kommt es zu einem Wechsel im Finanzressort. Der langjÀhrige Finanzvorstand Harm Ohlmeyer wird seinen Anfang 2028 auslaufenden Vertrag nicht verlÀngern, wie das Unternehmen separat mitteilte. Er war seit fast 30 Jahren bei Adidas tÀtig und seit 2017 Finanzvorstand des Unternehmens.
Seine Nachfolgerin wird Birgit Kretschmer. Sie werde mit Wirkung zum 1. September in den Vorstand berufen und ĂŒbernehme das Amt zum Ende des Jahres, hieĂ es. Kretschmer kann insgesamt auf eine 25-jĂ€hrige Erfahrung bei Adidas zurĂŒckblicken. In den vergangenen sechs Jahren war sie Finanzchefin des ModehĂ€ndlers C&A und kehrt im September zu Adidas zurĂŒck.
