HINTEGRUND: Die Weltbevölkerung wÀchst - wie lange noch?
Veröffentlicht: 05.07.2026 um 12:35 Uhr, dpa.deDoch die Menschheit steuert auf einen Wendepunkt zu: Mitte der 2080er Jahre wird die Weltbevölkerung nach derzeitiger UN-Prognose mit rund 10,3 Milliarden Menschen ihren Höchststand erreichen.
Deutschland wÀchst schon jetzt nicht mehr: Die Bevölkerungszahl sank zum Jahresende 2025 auf 83,5 Millionen Menschen. Das waren laut Statistischem Bundesamt 0,1 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die Nettozuwanderung kann demnach das Geburtendefizit nicht ausgleichen.
Die mittlere Zahl der Kinder pro Frau sei in den vergangenen Jahrzehnten auch weltweit deutlich zurĂŒckgegangen: von vier Kindern Mitte der 1970er Jahre auf derzeit etwa 2,2, erklĂ€rt Frank Swiaczny vom Bundesinstitut fĂŒr Bevölkerungsforschung (BiB). Derzeit nehme die Weltbevölkerung trotzdem weiter zu, weil geburtenstarke JahrgĂ€nge das Alter erreichten, in dem Frauen Kinder bekommen. Sobald die Anzahl potenzieller MĂŒtter durch das sinkende Geburtenniveau zurĂŒckgehe, sinke mittelfristig auch die Zahl der Geburten.
Einfluss habe derzeit auch noch die weiterhin verbreitet steigende Lebenserwartung, sagt Swiaczny. "Immer mehr Menschen erreichen heute aufgrund besserer Lebensbedingungen und medizinischer Versorgung ein höheres Alter."
Welche gegenlÀufigen Entwicklungen gibt es?
GegenwĂ€rtig verlaufe die Bevölkerungsentwicklung regional sehr unterschiedlich, so Swiaczny. WĂ€hrend Bevölkerungen vor allem in Afrika sĂŒdlich der Sahara noch wachsen, sinken die Zahlen in vielen wohlhabenden LĂ€ndern in Europa, Nordamerika und Ostasien oder werden voraussichtlich bald schrumpfen. In 63 LĂ€ndern und Gebieten wie Japan, Russland und China ist die Bevölkerung nach UN-Angaben bereits geschrumpft. China könnte demnach bis zum Ende des Jahrhunderts sogar mehr als die HĂ€lfte seiner heutigen Einwohnerzahl einbĂŒĂen.
DemgegenĂŒber stĂŒnden 126 LĂ€nder vor allem in Afrika sĂŒdlich der Sahara und Teilen Asiens, die wohl bis mindestens 2054 weiter wachsen werden. In einigen dieser Staaten wie der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria und Somalia werde sich die Einwohnerzahl zwischen 2024 und 2054 voraussichtlich sogar verdoppeln.
Welche Folgen haben die Entwicklungen?
In schrumpfenden und zugleich alternden Gesellschaften sinkt laut UN das VerhĂ€ltnis von ErwerbstĂ€tigen zu Rentnern massiv. Dies setzt - wie in Deutschland - Renten- und Gesundheitssysteme unter erheblichen finanziellen Druck. Investitionen in Bildung und MaĂnahmen zur ProduktivitĂ€tssteigerung - etwa durch Automatisierung und den Einsatz KĂŒnstlicher Intelligenz - sowie eine selektive Zuwanderung könnten Swiaczny zufolge dazu beitragen, den ArbeitskrĂ€ftemangel teilweise auszugleichen.
Anders sieht es in LĂ€ndern aus, deren Bevölkerung derzeit noch schnell wĂ€chst. Dort leben relativ wenige Ă€ltere Menschen und sehr viele jĂŒngere. Erreichen diese das Erwerbsalter, eröffne sich die Chance fĂŒr eine "demografische Dividende". "Eine groĂe Erwerbsbevölkerung bei noch niedrigen Sozialausgaben kann die Voraussetzung fĂŒr höhere Investitionen und wirtschaftliches Wachstum fördern."
Wie tragfĂ€hig ist die Erde ĂŒberhaupt?
Unter optimalen Bedingungen gehen Experten davon aus, dass die Erde die prognostizierten 10,3 Milliarden Menschen ernĂ€hren kann. Unter den derzeitigen Bedingungen sei dies nicht der Fall. Entscheidend fĂŒr die TragfĂ€higkeit des Planeten seien nicht allein die Bevölkerungszahlen, sondern vor allem die Produktions- und Konsumbedingungen, erlĂ€utert Swiaczny. "So sind global betrachtet die Menschen mit dem zehn Prozent höchsten Wohlstand fĂŒr rund die HĂ€lfte des Ressourcenverbrauchs verantwortlich." Die Ă€rmere HĂ€lfte der Weltbevölkerung verbrauche weniger als zehn Prozent.
Wie viele Menschen haben jemals gelebt?
Das Population Reference Bureau (PRB) in Washington hat die Zahl aller Menschen abgeschÀtzt, die jemals gelebt haben. Demnach gab es seit Entstehung des modernen Menschen vor etwa 50.000 Jahren schÀtzungsweise 117 Milliarden Menschen auf der Erde. Daraus ergibt sich: Die Menschen, die heute auf der Erde leben, machen einen beachtlichen Teil - gut 7 Prozent - aller Menschen aus, die jemals geboren wurden.
