HP setzt auf lokale KI als Antwort auf schwieriges PC-Jahr
20.04.2026 - 18:22:02 | boerse-global.deDer Vorstoß kommt zu einem kritischen Zeitpunkt: Während der globale PC-Markt im ersten Quartal 2026 leicht wuchs, verzeichnete der zweitgrößte Hersteller selbst einen spürbaren Rückgang.
Markt wächst – doch HP verliert an Boden
Die Lage ist paradox: Die weltweiten PC-Auslieferungen stiegen Anfang 2026 um 2,5 Prozent auf 65,6 Millionen Geräte. Das meldete das Analysehaus IDC in der zweiten Aprilwoche. HP jedoch musste einen Quartalsrückgang von 4,9 Prozent hinnehmen und kommt nun auf einen Marktanteil von 18,5 Prozent. Nur Lenovo liegt mit 25,2 Prozent noch vorn.
Warum so viele Deutsche ChatGPT nutzen – aber kaum einer weiß, wie man es richtig anwendet. Ein kostenloser Ratgeber zeigt, wie Sie die KI im Büro und Alltag sofort für sich nutzen können – ganz ohne Vorkenntnisse. ChatGPT-Leitfaden jetzt kostenlos herunterladen
Treiber des Gesamtwachstums waren eine letzte Welle von Windows-10-Migrationen und eine Art „Hamsterkäufe“: Kunden sicherten sich Hardware, bevor erwartete Preiserhöhungen greifen. Grund für die drohenden Aufschläge ist eine sogenannte Speicherkrise. Die volatilen Preise für Arbeitsspeicher (RAM) werden den Markt wohl das ganze Jahr über belasten.
„2026 wird wahrscheinlich von Verschiebungen der Marktanteile geprägt sein“, beobachtet Jean Philippe Bouchard von IDC. Die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten der Anbieter werde auf die Probe gestellt. Sein Kollege Isaac Ngatia verweist auf geopolitische Unsicherheiten, die die globalen Logistikkosten in die Höhe treiben und die ohnehin schmalen Margen im Hardwaregeschäft weiter unter Druck setzen.
Während Apple und Asus zweistellig zulegten, setzen die traditionellen Marktführer HP und Lenovo zunehmend auf hochpreisige KI-PCs, um den Herausforderungen bei den Absatzzahlen zu begegnen.
HP IQ: Die KI, die offline im Rechner arbeitet
Als Antwort auf den Wettbewerb startet HP diese Woche die gestaffelte Einführung von HP IQ. Die lokal arbeitende KI-Software soll das eigene Hardwareangebot differenzieren. Erstmals vorgestellt wurde sie Ende März auf der HP-Imagine-Konferenz.
Der Clou: Ein 20-Milliarden-Parameter-Modell läuft direkt auf dem Gerät – ohne Cloud-Anbindung. Das soll Latenzzeiten eliminieren und Datenschutzbedenken ausräumen. Seit Mitte April haben ausgewählte Nutzer der neuesten Geschäftshardware frühen Zugang.
Laut Matt Brown, Produktdirektor bei HP, soll die Software die „kognitive Last“ moderner Fachkräfte verringern. Über eine spezielle „Visor“-Leiste am oberen Bildschirmrand stehen Funktionen wie „Ask IQ“ für kontextbezogene Hilfe, „Analyze“ zur lokalen Dokumentenverarbeitung und ein „Meeting Agent“ für automatische Protokollierung bereit. Die breite Verfügbarkeit für Geschäfts- und Privatkunden ist für das zweite Halbjahr 2026 geplant.
Urlaub planen, Texte verfassen oder den Arbeitstag organisieren: So erledigt KI Ihre Aufgaben in Sekunden. Dieser kostenlose PDF-Report liefert fertige Anleitungen und Beispiel-Prompts, damit Sie die neuen Technologien sofort produktiv einsetzen. Gratis-Report mit Alltags-Prompts sichern
Neue Hardware für die KI-Ära
Um die Softwareambitionen zu untermauern, hat HP seine wichtigsten Produktlinien erneuert. Seit April sind die neuen HP EliteBook 8 G2 und ProBook 4 G2 Serien erhältlich. Sie sind mit den neuesten NPU-optimierten Prozessoren von Intel und AMD ausgestattet, die die nötige Rechenkraft für HP IQ liefern. Die EliteBook-Serie zielt auf Wissensarbeiter, die ProBook-Reihe auf kleine und mittlere Unternehmen.
Im Consumer-Bereich ist der Wechsel zur „Omni“-Marke nun in großen Einzelhandelsketten sichtbar. Die OmniDesk-Tower-PCs mit markanter Holzoptik an der Front wurden Mitte April ausgeliefert. Sie sind unter anderem mit Intel Core Ultra 7 265 oder AMD Ryzen 5 Prozessoren erhältlich und werden häufig mit HP's neuer „NearSense“-Technologie gebündelt, die eine geräteübergreifende Dateifreigabe ohne manuelle Kopplung ermöglicht.
High-End-Workstations und Snapdragon im Anmarsch
Für Profis mit höchsten Ansprüchen kam im April die HP Z8 Fury G6i Workstation auf den Markt. Der Hochleistungs-Tower unterstützt bis zu vier NVIDIA RTX PRO 6000 Grafikkarten und ist für intensive KI-Entwicklung und großformatiges Rendering konzipiert. Eine branchenweit einzigartige „Max Side Panel“-Funktion erlaubt es, das Gehäuse physisch zu erweitern, um immer größere Grafikkarten aufzunehmen.
Während der aktuelle Rollout auf Intel und AMD setzt, bereitet HP bereits die Mitte des Jahres anstehende Einführung seines bislang effizientesten KI-PCs vor. Das EliteBook 6 G2q mit Qualcomms Snapdragon X2 Elite und X2 Plus Prozessoren soll im Juli 2026 erscheinen. Das Modell verspricht bis zu 85 TOPS NPU-Leistung und eine Akkulaufzeit von rund 28 Stunden.
Kann die Edge-KI-Strategie HP retten?
Der strategische Schwenk hin zur On-Device-Intelligenz ist für HP entscheidend. Durch die Integration von Software wie HP IQ direkt in die Hardware will das Unternehmen über KI als Marketing-Buzzword hinauskommen und hin zu „agentischer KI“, die ohne Internetverbindung funktioniert.
Analysten bleiben jedoch bezüglich der kurzfristigen finanziellen Auswirkungen vorsichtig. Da HP Ende März 2026 nahe seinem 52-Wochen-Tief notierte, hängt der Erfolg davon ab, wie schnell das Unternehmen Unternehmenskunden von einem Aufpreis für lokale KI-Fähigkeiten überzeugen kann – und das in einer Phase steigender Komponentenkosten. Das zweite Halbjahr 2026 wird zeigen, ob die „Edge-First“-Strategie den Absatzrückgang aus dem ersten Quartal umkehren kann.
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
Für. Immer. Kostenlos.
