Libanon, Beginn

Libanon nach Beginn der Waffenruhe: 'Hier kann man den Tod riechen'

18.04.2026 - 07:59:00 | dpa.de

Hunderttausende warten im Libanon nach Wochen des Kriegs darauf, endlich wieder nach Hause zu kommen.

Im Krieg zwischen Israel und der Hisbollah wurden mehr als eine Million Menschen vertrieben. Wochenlang hofften sie auf die Erlösung: eine Waffenruhe, die es ihnen ermöglicht, endlich wieder im eigenen Bett zu schlafen. In der Nacht zum Freitag war es endlich so weit. Um Mitternacht trat eine zehntĂ€gige Feuerpause in Kraft, die nur wenige Stunden zuvor von US-PrĂ€sident Donald Trump angekĂŒndigt worden war.

Tausende machten sich direkt auf den Weg - trotz Warnungen sowohl von der israelischen als auch von der libanesischen Armee. Auf den Straßen Richtung SĂŒden und der schwer getroffenen sĂŒdlichen Vororte Beiruts drĂ€ngten sich voll beladene Autos durch den Verkehr. Auf den DĂ€chern transportierten sie Matratzen, im offenen Kofferraum und im Rest des Autos all die anderen wenigen Habseligkeiten, die sie wĂ€hrend des Kriegs mitnehmen konnten oder angesammelt haben. Was sie in ihrem einstigen Zuhause erwartet, wissen viele nicht.

Seit Anfang MĂ€rz standen im Zuge des Iran-Kriegs auch Israel und die proiranische Hisbollah-Miliz erneut in einem offenen Konflikt. Rund 2.200 Menschen wurden im Libanon nach Behördenangaben getötet. Die von den USA vermittelte Waffenruhe soll zunĂ€chst fĂŒr zehn Tage dauern, kann bei Fortschritten in Verhandlungen aber verlĂ€ngert werden.

Angst vor einer Waffenruhe wie in 2024

"Wir bereiten uns auf das Schlimmste vor", sagt Sainab Scharafeddin, die sich auf den Weg in ihren Heimatort Tyrus nahe der israelischen Grenze gemacht hat. "Wir trauen den Israelis nicht", sagt sie.

Viele im Land fĂŒrchten sich vor einer Wiederholung der Ereignisse der Waffenruhe von 2024. Ein monatelanger gegenseitiger Beschuss fĂŒhrte bereits damals zu einem offenen Krieg zwischen Israel und der Hisbollah. Ende November 2024 wurde eine Waffenruhe beschlossen. Doch beide Seiten warfen sich immer wieder VerstĂ¶ĂŸe vor. Das israelische MilitĂ€r griff weiter nahezu tĂ€glich im Nachbarland an. Dabei wurden nach UN-Angaben auch Dutzende Zivilistinnen und Zivilisten getötet.

Auch in der aktuellen Vereinbarung heißt es, Israel soll zwar "offensive" EinsĂ€tze gegen Ziele im Libanon unterlassen, das Land darf sich jedoch gegen geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe verteidigen. Israel fordert eine vollstĂ€ndige Entwaffnung der Hisbollah, die bisher nicht durchgesetzt werden konnte.

Ein Großteil der Binnenvertriebenen musste schon 2024 seine HĂ€user verlassen. Nun kehren sie in innerhalb von nicht einmal zwei Jahren erneut zurĂŒck, den Schock in den Knochen. "Ich bin sprachlos", sagt Fatima Fakich als sie ihr Haus in Nabatija im SĂŒdlibanon sieht. Die Stadt stand unter heftigem Beschuss des israelischen MilitĂ€rs wĂ€hrend des Kriegs. "Das hier ist jenseits jeder Beschreibung."

Ganze HĂ€userblocks wurden in der Stadt dem Erdboden gleichgemacht. Die Straßen sind von TrĂŒmmern gesĂ€umt. GebĂ€ude, die einst mehrere Stockwerke hoch waren, liegen zerstört am Boden. "Hier kann man den Tod riechen", sagt eine andere Anwohnerin, die anonym bleiben will, mit zitternder Stimme. "Ich habe große Angst, hier mit meinen Kindern zu bleiben", erzĂ€hlt sie weiter. "Wir werden nach Beirut zurĂŒckkehren", beschließt sie. "Ich kann hier nicht leben, nicht so, umgeben von TrĂŒmmern und den zerstörten HĂ€usern meiner Nachbarn."

Auch in denen als Dahija bekannten Vororten Beiruts offenbart sich den RĂŒckkehrern ein Bild der Zerstörung. Von mehrstöckigen GebĂ€uden ist hier oft nur noch ein TrĂŒmmerhaufen ĂŒbrig. RĂŒckkehrer sind geschockt.

Und doch: Trotz der massiven Zerstörung stehen einige von ihnen weiter hinter der vom Iran unterstĂŒtzten Hisbollah. "Unsere libanesische Regierung hat nichts fĂŒr uns getan", sagt Mariam, die mit einer Flagge der proiranischen Organisation in der NĂ€he des Ortes steht, an dem der ehemalige Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah 2024 von Israel getötet wurde. "Selbst wenn ich mein Zuhause verloren habe, gilt meine LoyalitĂ€t ihm", sagt sie und deutet auf sein Grab.

Im Libanon ist sich derzeit niemand sicher, wie es weitergehen kann. Viele beurteilen die Feuerpause nur als kurzes Zeitfenster, um zu schauen, was von ihrem Leben noch ĂŒbrig ist. Über ein Danach wollen die meisten von ihnen nicht nachdenken.

So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis   Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
de | boerse | 69188114 |