IBM Aktie: AnwÀlte untersuchen z17-Verzögerungen
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 17:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
IBM steckt in einer schwierigen Lage. VorlĂ€ufige Zahlen zum zweiten Quartal verfehlten die Erwartungen der Wall Street deutlich. Jetzt ermitteln mehrere Anwaltskanzleien wegen möglichen Wertpapierbetrugs. Die entscheidende Frage: Hat der Konzern Anleger ĂŒber den Stand wichtiger GeschĂ€ftsabschlĂŒsse getĂ€uscht?
Am 14. Juli meldete IBM einen Umsatz von 17,2 Milliarden Dollar. Das Plus von einem Prozent zum Vorjahr klingt solide, verfehlt aber die KonsensschÀtzung von 17,86 Milliarden Dollar klar. Noch deutlicher zeigt sich die SchwÀche beim Gewinn: Das operative Ergebnis je Aktie lag bei 2,93 Dollar, der Markt hatte 3,02 Dollar erwartet.
Kunden kaufen Hardware statt Software
CEO Arvind Krishna lieferte in einem Brief an die Investoren eine ungewöhnliche ErklĂ€rung. Kunden hĂ€tten ihr Kapital spĂ€t im Quartal umgeschichtet â weg von Software und Infrastruktur-Dienstleistungen, hin zu Servern, Speichern und Arbeitsspeicher. Der Grund: Sie wollten sich knappe Hardware sichern, bevor die Preise steigen.
Die Zahlen bestÀtigen dieses Bild. Der Infrastruktur-Umsatz fiel um 7 Prozent, wÀhrend Software um 5 Prozent zulegte. Das BeratungsgeschÀft blieb mit einem Prozent Wachstum bei konstanten Wechselkursen nahezu unverÀndert.
Krishna nannte noch einen zweiten Faktor: Sorgen um Cybersicherheit hĂ€tten als Ablenkung gewirkt. Zahlreiche groĂe Deals schlossen deshalb nicht im geplanten Zeitrahmen ab. Diese ErklĂ€rung wirft nun juristische Fragen auf.
AnwĂ€lte prĂŒfen BetrugsvorwĂŒrfe
Mehrere Kanzleien untersuchen, ob IBM das Tempo neuer GeschĂ€ftsabschlĂŒsse falsch dargestellt hat. Im Zentrum steht auch der Ausblick fĂŒr das Z-Produkt-Programm, konkret das z17-System. Sollten sich die VorwĂŒrfe erhĂ€rten, ginge es um die Frage, ob das Management die Investoren vor der Kurskorrektur bewusst zu optimistisch informiert hat.
Der Markt reagierte entsprechend hart. Die Aktie fiel bis auf ein 52-Wochen-Tief von 178,52 Euro am 16. Juli. Aktuell notiert das Papier bei 184,64 Euro â nur gut drei Prozent ĂŒber diesem Tief, aber fast 37 Prozent unter dem Jahreshoch von Anfang Juni.
Der RSI von 31,2 signalisiert eine Aktie nahe der ĂŒberverkauften Zone. Die annualisierte VolatilitĂ€t von knapp 84 Prozent zeigt: Der Markt preist weiterhin erhebliche Unsicherheit ein.
Vor diesem Kursverfall reagierte auch die Wall Street. Jefferies senkte am 21. Juli sein Kursziel von 320 auf 260 Dollar, hielt aber an der Kaufempfehlung fest. Die Bank wartet wie der gesamte Markt auf mehr Substanz.
Mittwoch bringt Klarheit
Diese kommt möglicherweise schon morgen. Am 22. Juli veröffentlicht IBM die vollstĂ€ndigen Quartalszahlen samt Telefonkonferenz. Anleger erwarten dort Details zu den verzögerten GeschĂ€ftsabschlĂŒssen, ein aktualisiertes Jahresziel und Fortschritte bei den KI-Software-Initiativen rund um Red Hat und watsonx.
FĂŒr Krishna steht dabei mehr auf dem Spiel als ein Quartalsbericht. Der Konzern muss das Vertrauen der Investoren zurĂŒckgewinnen â wĂ€hrend im Hintergrund die AnwĂ€lte weiter nach Belegen fĂŒr mögliche Fehldarstellungen suchen.
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