KORREKTUR/ WOCHENAUSBLICK: VolatilitÀt bleibt - Vertrauen in USA schwindet
11.04.2025 - 15:35:41 | dpa.de(Im letzten Satz des erstes Absatzes wird klargestellt, dass es sich um die Dax-Entwicklung seit Jahresanfang handelt.)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die jĂŒngst heftigen Turbulenzen an den Börsen wegen der kaum berechenbaren Handelspolitik von US-PrĂ€sident Donald Trump dĂŒrften die MĂ€rkte auch in der Karwoche beschĂ€ftigen. Der Dax DE0008469008 hat sich von seinem Kursrutsch bis auf 18.489 Punkte im Zuge der von Trump losgetretenen, globalen Zoll-Lawine zwar ein gutes StĂŒck erholt, doch die Unsicherheit bleibt. Der Index notierte per Freitagmittag seit Jahresanfang noch rund 1,5 Prozent im Plus, nachdem es im MĂ€rz in der Spitze noch plus 18 Prozent waren.
Denn die von Trump fĂŒr 90 Tage ausgesetzten Zölle fĂŒr die meisten LĂ€nder bedeuten nicht das Ende des Zollstreits, zumal der Handelskrieg zwischen den USA und China weiter eskaliert. Beide LĂ€nder ĂŒberziehen sich mit immer höheren Zöllen und Gegenzöllen.
In diesem Umfeld scheint es Anlegern zunehmend schwer zu fallen, vernĂŒnftig zu investieren. Selbst US-Staatsanleihen - bislang in unsicheren Zeiten ein Hort der Sicherheit - werden gemieden, wie am jĂŒngsten Renditeanstieg gerade bei Papieren mit lĂ€ngerer Laufzeit zu beobachten war.
Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, spricht daher von einem Vertrauensverlust gegenĂŒber der gesamten US-Wirtschaft. Dieser werde bleiben, unabhĂ€ngig davon, welche ZollsĂ€tze in den kommenden Wochen wieder zurĂŒck-verhandelt werden. "Finanzinvestoren wie auch international aufgestellte Unternehmen sind nachhaltig verunsichert, welche Sicherheit die gröĂte Volkswirtschaft und der gröĂte Kapitalmarkt der Welt kĂŒnftig fĂŒr Investitionen noch bietet", schrieb Kater.
Die mit dem Zollkonflikt einhergehenden Rezessionsrisiken dĂŒrften Einfluss haben auf die Entscheidungen der groĂen Notenbanken. Am Markt wird fest damit gerechnet, dass die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) am GrĂŒndonnerstag den Leitzins um nochmals 0,25 Prozentpunkte senken wird. Die Risiken fĂŒr Wirtschaftswachstum und Inflation hĂ€tten wegen der Zoll-Kapriolen von US-PrĂ€sident Trump deutlich zugenommen, hieĂ es dazu von der Commerzbank.
Ob niedrigere Zinsen - wie eigentlich ĂŒblich - im aktuellen Zoll-Umfeld AktienkĂ€ufe attraktiver machen, darf bezweifelt werden. Die Commerzbank geht denn auch davon aus, dass in den kommenden Wochen die negativen Auswirkungen der hohen politischen Unsicherheit in den USA den Ausblick fĂŒr Aktien trĂŒben werden und Analysten beginnen dĂŒrften, ihre optimistischen Prognosen fĂŒr die Unternehmensgewinne nach unten zu revidieren.
So werden Anleger in der gerade beginnenden Bilanzsaison der Unternehmen wohl weniger auf das achten, was im vergangenen Quartal war, sondern mehr noch als sonst sich fĂŒr die Ausblicke interessieren. Am Montag geht in den USA die Quartalsberichterstattung im Bankensektor mit Zahlen von Goldman Sachs US38141G1040 weiter. Am Dienstag folgen mit Bank of America US0605051046 und Citigroup US1729674242 weitere KredithĂ€user aus den Vereinigten Staaten.
In Deutschland werden ebenfalls am Dienstag Umsatzzahlen des KonsumgĂŒterherstellers Beiersdorf DE0005200000 erwartet. Zudem gewĂ€hrt in Frankreich der LuxusgĂŒter-Konzern LVMH FR0000121014 Einblicke in die BĂŒcher. Neben LVMH am Dienstagabend steht am Mittwoch mit dem niederlĂ€ndischen Chipindustrie-AusrĂŒster ASML NL0010273215 ein weiteres Börsen-Schwergewicht mit Quartalszahlen auf der Agenda. Aus dem Dax berichtet der Pharma- und Laborzulieferer Sartorius DE0007165631.
Bei den am Donnerstag anstehenden Unternehmenszahlen des US-Streaminganbieters Netflix US64110L1061 dĂŒrften Anleger darauf achten, ob die Zollproblematik auf die Konsumlaune schlĂ€gt und womöglich das Neukundenwachstum beeinflusst.
Wegen Ostern ist die neue Handelswoche verkĂŒrzt. Am Karfreitag sind die Börsen in Europa und den USA geschlossen. In Japan und China wird gehandelt.
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