ROUNDUPTelefone, Washington

Was lief zwischen Washington und Moskau?

26.11.2025 - 15:50:21 | dpa.de

In die hektische Diplomatie zur Ukraine kommt durch angebliche abgehörte Telefonate zwischen UnterhÀndlern der USA und Russlands zusÀtzliche Aufregung.

In die Kritik geriet der US-Sondergesandte Steve Witkoff; allerdings nahm PrĂ€sident Donald Trump ihn sofort gegen den Vorwurf ĂŒbermĂ€ĂŸiger NĂ€he zu Russland in Schutz.

"Das ist eine ganz normale Sache", sagte der Republikaner auf einem Flug nach Florida, als er zu einem heiklen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg befragt wurde. Diese ist nach eigenen Angaben an den Mitschnitt eines etwa fĂŒnfminĂŒtigen Telefonats vom 14. Oktober gelangt, den sie als schriftliches Transkript veröffentlichte.

Darin spricht Witkoff mit Juri Uschakow, dem außenpolitischen Berater von Kremlchef Wladimir Putin. Er gibt ihm offenbar Tipps, dass man Trumps Ohr mit Lob fĂŒr dessen Frieden in Gaza erreichen könne. TatsĂ€chlich scheinen die RatschlĂ€ge in ein Telefonat Putins und Trumps am 16. Oktober gemĂŒndet zu sein. Der Amerikaner stellte danach erneut einen Gipfel in der ungarischen Hauptstadt Budapest in Aussicht. Ein Besuch des ukrainischen Staatschefs Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus am 17. Oktober verlor seine Bedeutung.

Kreml sieht Versuch, Friedensverhandlungen zu torpedieren

Witkoff (68) ist kein Diplomat, sondern Immobilienunternehmer wie Trump. WĂ€hrend es selbst in der Republikanischen Partei RĂŒcktrittsforderungen gegen Witkoff gab, deutete auf russischer Seite Kremlsprecher Dmitri Peskow die Veröffentlichung als Versuch, FriedensbemĂŒhungen zu untergraben. "Es ist eindeutig, dass es viele Leute in verschiedenen LĂ€ndern, die USA eingeschlossen, gibt, die die Tendenz einer Entwicklung zum Frieden stoppen wollen", sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge. Zugleich maß er dem Leak keine große Bedeutung bei.

Uschakow sagte, seine GesprĂ€che mit Witkoff seien nicht fĂŒr die Öffentlichkeit bestimmt. "Niemand darf das publik machen. Niemand", sagte er Tass zufolge. Woher die Abhörprotokolle stammen, ist nicht bekannt.

Trump: "Ganz normale Verhandlungen"

Trump sagte, er habe die Aufnahme des GesprĂ€chs zwar nicht gehört, fĂŒr ihn klinge das Ganze aber nach "ganz normalen Verhandlungen". Man mĂŒsse der Ukraine russische Positionen vermitteln und umgekehrt Moskau Forderungen aus Kiew. Auf die Frage, ob sein Sondergesandter zu russlandfreundlich sei, antwortete Trump, der Krieg könne noch Jahre dauern - und Russland habe "viel mehr Einwohner und Soldaten" als die Ukraine. Wenn das angegriffene Land einen Deal aushandeln könne, halte er das fĂŒr "eine gute Sache".

Zweites Telefonat: Woher kommt der US-Friedensplan?

In dem Bloomberg-Bericht wird auch ein innerrussisches Telefonat von Ende Oktober zitiert zwischen dem Putin-Berater Uschakow und dem Sondergesandten Kirill Dmitrijew. Dieser schlug vor, ein inoffizielles Dokument als angeblichen Friedensplan durchsickern zu lassen. Selbst wenn die USA dies nicht vollstĂ€ndig ĂŒbernehmen sollten, seien immer noch genĂŒgend Moskauer Gesichtspunkte berĂŒcksichtigt, argumentierte Dmitrijew.

Diese Passage stĂ€rkt kursierende Vermutungen, dass der Friedensplan, den die USA seit vergangener Woche vertreten, zumindest teilweise russische Wurzeln hat. Auch das unabhĂ€ngige Rechercheportal "The Insider" berichtete, dass der Friedensplan in großen Teilen aus der Feder Dmitrijews stamme.

Witkoff soll wieder Putin treffen

Ungeachtet der Aufregung um die Telefonate laufen die diplomatischen Anstrengungen fĂŒr ein Ende des seit mehr als dreieinhalb Jahren dauernden Kriegs in der Ukraine weiter. Witkoff werde kommende Woche in Moskau erwartet und höchstwahrscheinlich von Putin empfangen, bestĂ€tigte Uschakow in Äußerungen fĂŒr das russische Staatsfernsehen. Einen genauen Termin gibt es bislang nicht. Trump ordnete am Dienstagabend diese Reise genauso an wie ein weiteres GesprĂ€ch von UnterhĂ€ndler Daniel Driscoll mit den Ukrainern.

EU-Außenminister fĂŒr zusĂ€tzlichen Druck auf Moskau

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas will die Erfolgsaussichten der laufenden US-Initiative fĂŒr ein Ende des Ukraine-Krieges durch zusĂ€tzlichen Druck auf Russland erhöhen. Um das bestmögliche Ergebnis fĂŒr die Ukraine und fĂŒr Europa zu sichern, mĂŒsse man in dieser Richtung das Tempo erhöhen, sagte sie nach einer Videoschalte mit den Außenministern der EU-Staaten und deren ukrainischen Amtskollegen Andrij Sybiha. Dies bedeute: "Mehr Sanktionen, um Russland die Mittel zur Fortsetzung des Krieges zu entziehen, und mehr militĂ€rische sowie finanzielle UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine".

Von der Leyen: Russisches Geld fĂŒr Ukraine

EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen treibt ungeachtet der US-Initiative fĂŒr ein Kriegsende die PlĂ€ne zur Nutzung von eingefrorenem russischem Vermögen in der EU voran. Sie könne sich kein Szenario vorstellen, in dem ausschließlich die europĂ€ischen Steuerzahler die Rechnung fĂŒr die weiter nötige UnterstĂŒtzung der Ukraine bezahlten, sagte von der Leyen dem EU-Parlament in Straßburg. Die Kommission sei bereit, einen Rechtstext fĂŒr die Nutzung der in Europa festgesetzten russischen Zentralbankgelder vorzulegen.

Die bisherigen PlĂ€ne sehen vor, der Ukraine unter Nutzung der russischen Mittel Darlehen in Höhe von bis zu 140 Milliarden Euro zu geben. Russland soll das Geld nur dann zurĂŒckbekommen, wenn es nach einem Ende seines Angriffskriegs gegen die Ukraine Reparationszahlungen leistet.

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