Wirecard-Prozess: Dritter Angeklagter laut Gutachten unauffÀllig
06.05.2024 - 13:03:04 | dpa.defĂŒr seelisch unauffĂ€llig erklĂ€rt. Der 49 Jahre alte frĂŒhere Chefbuchhalter des 2020 zusammengebrochenen Dax DE0008469008-Konzerns ist nach EinschĂ€tzung der beiden Gutachter Norbert Nedopil und Maximilian Wertz weder autistisch veranlagt noch anderweitig psychisch auffĂ€llig.
E. könnte noch eine SchlĂŒsselrolle fĂŒr den weiteren Prozessverlauf spielen: Er ist einzige der drei Angeklagten, der im Verfahren schweigt. Bislang steht Aussage gegen Aussage: Der frĂŒhere Wirecard-Vorstandschef Markus Braun bestreitet kategorisch den Hauptanklagevorwurf des Milliardenbetrugs. Der ehedem in Dubai fĂŒr den Konzern tĂ€tige Manager Oliver Bellenhaus hingegen hat als Kronzeuge sowohl Braun als auch E. beschuldigt, MittĂ€ter gewesen zu sein.
Mittlerweile denkt E. jedoch darĂŒber nach, sein Schweigen zu brechen. In den nĂ€chsten Wochen soll es dazu ein weiteres RechtsgesprĂ€ch seiner Verteidiger mit der Kammer geben. Der Spross eines alten Adelsgeschlechts hatte die Gutachten selbst beantragt, um eine möglich autistische Störung klĂ€ren zu lassen - eine solche Störung wĂ€re fĂŒr die Beurteilung der SchuldfĂ€higkeit von Bedeutung.
"Er war weitgehend unauffĂ€llig, unauffĂ€llig gekleidet, unauffĂ€llig im Verhalten", sagte der psychiatrische SachverstĂ€ndige Nedopil. Psychologe Wertz bescheinigte E. einen IQ von 110 im oberen Normbereich und "keine hinreichenden Hinweise auf eine Autismusspektrumsstörung". Im Laufe des Verfahrens hatten viele Zeugen den langjĂ€hrigen Leiter der Wirecard-Buchhaltung als kundigen und kompetenten Finanzmann beschrieben, mit Hang zu WutausbrĂŒchen.
Laut Anklage war E. gemeinsam mit dem frĂŒheren Wirecard-Vorstandschef Markus Braun und dem Kronzeugen Oliver Bellenhaus Mitglied einer BetrĂŒgerbande in der Wirecard-Chefetage, die ĂŒber Jahre nicht vorhandene ScheinumsĂ€tze in Milliardenhöhe erdichtete.
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