iShares MSCI Global Semiconductors ETF: Bärenmarkt nach 17,61% Monatsrückgang
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Fonds schloss am Freitag bei 17,17 Euro, ein Minus von 1,28 Prozent zum Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Rückgang von 17,61 Prozent zu Buche, und zum Rekordhoch vom 22. Juni bei 21,52 Euro klafft mittlerweile eine Lücke von 20,21 Prozent. Damit befindet sich der breite Halbleitersektor, den der ETF abbildet, technisch im Bärenmarkt.
Auslöser der Verkaufswelle ist ein chinesisches Sprachmodell. Das Unternehmen Moonshot AI hat mit "Kimi K3" ein offenes Modell mit 2,8 Billionen Parametern vorgestellt, das auf der Rangliste BenchLM den vierten Platz belegt und Ende Juli öffentlich verfügbar sein soll. Investoren fürchten, dass günstigere KI-Modelle die gigantischen Investitionen der US-Hyperscaler in Rechenzentren und Chips weniger rentabel machen könnten. Der Philadelphia Semiconductor Index verlor binnen weniger Wochen rund 20 Prozent gegenüber seinem Junihoch – der stärkste Einbruch seit April 2025. Parallel dazu belasteten geopolitische Spannungen zwischen den USA und Iran die Stimmung, der Ölpreis zog um 4 Prozent auf 88,10 Dollar an.
TSMC investiert weiter Milliarden, trotz Margendruck
Mitten in den Ausverkauf platzte eine Kapitalspritze von Taiwan Semiconductor Manufacturing. Der weltgrößte Auftragsfertiger kündigte eine zusätzliche Investition von 100 Milliarden Dollar in US-Fabriken an, womit sich das Gesamtvolumen der amerikanischen Expansion auf 265 Milliarden Dollar über zwölf Standorte summiert. Laut Reuters erwartet TSMC eine starke, mehrjährige Nachfrage nach KI-Chips. Das zweite Quartal brachte einen Umsatz von 40,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 33,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einer Bruttomarge von 67,7 Prozent. Für das dritte Quartal stellt TSMC einen Umsatz zwischen 44,6 und 45,8 Milliarden Dollar in Aussicht. Dennoch gab die Aktie an der Wall Street nach, weil die für 2026 auf 60 bis 64 Milliarden Dollar angehobenen Investitionsausgaben und die anlaufende 2-Nanometer-Fertigung die Marge in der zweiten Jahreshälfte um mehrere Prozentpunkte drücken dürften.
Speicherchip-Hersteller besonders hart getroffen
Innerhalb des Sektors traf es Speicherchip-Produzenten am härtesten. Sandisk verlor 42,4 Prozent, Western Digital 40,3 Prozent, Micron 32,4 Prozent und Seagate 31,2 Prozent gegenüber ihren jeweiligen Höchstständen – dies trotz eines Rekordumsatzes bei Micron. Auch SK Hynix, das erst am 10. Juli mit einer Nasdaq-Notierung für Euphorie gesorgt hatte, brach um 43,8 Prozent von seinem Allzeithoch ein. Die Korrelation zwischen dem koreanischen Kospi und dem Nasdaq-100 kletterte laut Marktbeobachtern auf 0,46 und damit auf das Dreifache ihres langjährigen Durchschnitts. Südkorea reagierte, indem es die Neuzulassung gehebelter Einzelaktien-ETFs stoppte, nachdem diese Instrumente die Kursausschläge zusätzlich verstärkt hatten. Die Zentralbank des Landes warnte zudem vor einer "holländischen Krankheit": Der Boom konzentriere Einkommens- und Vermögenszuwächse auf wenige Branchen und Bevölkerungsgruppen, während die Beschäftigungswirkung gering bleibe.
Analysten sehen Übertreibung, Anleger halten an Halbleitern fest
Nicht alle Marktteilnehmer sehen den Ausverkauf als Trendwende. Chosun Biz berichtete, die Kapazitätserwartungen der großen US-Technologiekonzerne für Rechenzentren würden von 80 Prozent im ersten Quartal auf voraussichtlich 92 Prozent im dritten Quartal steigen – ein Hinweis darauf, dass die Investitionsdynamik intakt bleibt. Spot-Preise für DRAM-Speicher zogen zuletzt wieder um 2 Prozent binnen einer Woche an. Auch die Zuflüsse in US-Halbleiter-ETFs erreichten 2026 mit rund 46 Milliarden Dollar einen Rekordwert, das verwaltete Vermögen der Branche hat sich seit Jahresbeginn vervierfacht.
Für einzelne Werte im Portfolio bleibt die Lage gemischt. Der Chiphersteller AMD verlor binnen einer Woche rund 101 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung und notiert 14,7 Prozent unter seinem Rekordschluss vom Juni, richtet den Blick nun aber auf eine Investorenveranstaltung Ende Juli in San Francisco sowie die für den 4. August terminierten Quartalszahlen. Der Softwarehersteller Synopsys wiederum verlor trotz angehobener Jahresprognose binnen zwölf Monaten 36 Prozent an Wert, während der breite Halbleiterindex SOXX im selben Zeitraum um 106 Prozent zulegte – Analysten bewerten die Aktie dennoch mehrheitlich mit "Strong Buy".
Für den iShares MSCI Global Semiconductors UCITS ETF bleibt die Ausgangslage trotz der jüngsten Verluste bemerkenswert: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 79,72 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar von 136,13 Prozent. Der relative Stärkeindex von 41,1 signalisiert derzeit weder überkaufte noch überverkaufte Bedingungen, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 67,64 Prozent das Ausmaß der jüngsten Schwankungen unterstreicht.
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