IslÀnder, EU-Beitrittsverhandlungen

IslÀnder stimmen gegen EU-Beitrittsverhandlungen

Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 14:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Einwohnerinnen und Einwohner Islands haben mehrheitlich gegen eine Wiederaufnahme der GesprĂ€che ĂŒber einen EU-Beitritt ihres Landes gestimmt.

Das Ergebnis des Referendums fiel mit 52,8 zu 47,2 Prozent der Stimmen knapp aus, wie die AuszĂ€hlung ergab. Gegen die Fortsetzung der vor 13 Jahren unterbrochenen Verhandlungen stimmten rund 12.000 Menschen mehr als dafĂŒr.

Zur Abstimmung aufgerufen waren gut 270.000 IslĂ€nderinnen und IslĂ€nder. Ein FĂŒnftel von ihnen hatte nach Angaben des islĂ€ndischen Fernsehens bereits vorab abgestimmt.

Die sozialdemokratische Regierungschefin KristrĂșn FrostadĂłttir hatte vorab angekĂŒndigt, sie werde sich an das Ergebnis der Volksabstimmung halten. Bereits wĂ€hrend der Finanzkrise 2009 hatte das gerade einmal rund 400.000 Einwohner zĂ€hlende Land einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft gestellt. Doch nach der Parlamentswahl 2013 legte die neue EU-skeptische Regierung die BeitrittsplĂ€ne auf Eis.

Das große Thema Sicherheit

FrostadĂłttir hatte die Wiederaufnahme der GesprĂ€che kurz vor dem Referendum im islĂ€ndischen Fernsehen als "einen der bedeutendsten Schritte" bezeichnet, mit dem sich Risiken fĂŒr die Insel reduzieren ließen. In unsicheren Zeiten wie diesen, in denen sich internationale Beziehungen verĂ€nderten, sei die Frage, ob ein kleines Land wie Island sich grĂ¶ĂŸeren Staaten und BĂŒndnissen annĂ€hern sollte. "Wir sehen um uns herum, dass LĂ€nder in unserer Nachbarschaft durch die EuropĂ€ische Union geschĂŒtzt wurden."

Diese Aussagen wurden vor allem als Anspielung auf den Grönland-Konflikt verstanden. US-PrĂ€sident Donald Trump hatte wiederholt damit gedroht, die zu DĂ€nemark gehörende Arktisinsel den Vereinigten Staaten einzuverleiben - und damit auch auf Island Unruhe ausgelöst. Die Insel hatte 1951 mit den USA ein bilaterales Verteidigungsabkommen abgeschlossen. Island ist zwar GrĂŒndungsmitglied der Nato, hat aber keine eigene Armee. Die Gegner der Wiederaufnahme der EU-GesprĂ€che verwiesen darauf, dass das US-Abkommen und die Nato fĂŒr die eigene Sicherheit ausreichend seien.

Die Fischerei als Knackpunkt

Wirtschaftlich ist Island bereits stark in Europa integriert: Das Land gehört zum EuropĂ€ischen Wirtschaftsraum und genießt die Vorteile des Binnenmarkts - hat aber bei wichtigen Entscheidungen kein Mitspracherecht.

Die GesprĂ€che ĂŒber einen EU-Beitritt waren im ersten Anlauf vor allem an der Debatte um die Fischerei gescheitert - den grĂ¶ĂŸten und identitĂ€tsstiftenden Wirtschaftszweig der Insel. Auch jetzt waren wieder große Zweifel aufgekommen, ob ein Beitritt ohne die Aufgabe zu vieler eigener Rechte möglich wĂ€re. Regierungschefin FrostadĂłttir hatte ihren Landsleuten zwar versprochen, Island werde den Verhandlungstisch schnell wieder verlassen, sollte man nicht die volle Kontrolle ĂŒber die eigenen Fischereiressourcen behalten dĂŒrfen. Die Sorge war aber nun wohl zu groß.

Ohnehin wĂ€re der Weg noch recht weit gewesen. HĂ€tten BeitrittsgesprĂ€che letztlich zum Erfolg gefĂŒhrt, hĂ€tte das islĂ€ndische Volk noch einmal die Wahl gehabt: FĂŒr diesen Fall hatte die Regierung ein zweites Referendum angekĂŒndigt, in dem die IslĂ€nder ĂŒber die Mitgliedschaft abstimmen dĂŒrften.

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