ROUNDUP, Libanon

Libanon und Israel nehmen neuen Anlauf zu Waffenruhe

04.06.2026 - 09:31:04 | dpa.de

Israel und der Libanon haben sich nach Angaben des US-Außenministeriums auf einen neuen Anlauf zur Umsetzung der bisher faktisch kaum wirksamen Waffenruhe geeinigt.

Die Waffenruhe sei abhĂ€ngig von einer kompletten Einstellung der Angriffe der proiranischen Hisbollah-Miliz gegen Israel, hieß es in einer gemeinsamen ErklĂ€rung nach GesprĂ€chen zwischen israelischen und libanesischen Regierungsvertreten in Washington.

Doch bereits am Morgen gab es neue libanesische Berichte ĂŒber gezielte Drohnenangriffe der israelischen Armee im SĂŒdlibanon. Ein MilitĂ€rsprecher sagte, man prĂŒfe die Berichte.

Im aktuellen Konflikt stehen sich Israel und die Schiiten-Miliz gegenĂŒber. Die libanesische Regierung ist selbst keine Kriegspartei - und hat auch nur begrenzt Einfluss auf die Hisbollah. Die mit Teheran verbĂŒndete Miliz ist nicht an den GesprĂ€chen beteiligt. Sie sieht Verhandlungen mit Israel als Kapitulation an.

Sicherheitszonen geplant

Die in Washington getroffene gemeinsame ErklĂ€rung sieht die Einrichtung sogenannter Pilotzonen im Libanon vor, in denen ausschließlich die regulĂ€ren libanesischen StreitkrĂ€fte die Kontrolle ausĂŒben sollen. Die Hisbollah soll sich aus Gebieten sĂŒdlich des Litani-Flusses - einem Gebiet, das bis zu 30 Kilometer von der Grenze entfernt liegt - zurĂŒckziehen. Wie diese Sicherheitszonen eingerichtet werden sollen, ist noch unklar. "Diese Schritte werden Fortschritte hin zu einem umfassenden Friedens- und Sicherheitsabkommen ermöglichen", heißt es.

Es wurden zunĂ€chst keine Angaben gemacht, ob es sich bei dem neuen Bekenntnis zur Waffenruhe um eine zeitlich begrenzte VerlĂ€ngerung handelte. Zuvor war die Waffenruhe jeweils befristet verlĂ€ngert worden. Israel und der Libanon vereinbarten, ihre GesprĂ€che in der Woche vom 22. Juni fortzufĂŒhren, um eine umfassende Einigung zu erzielen, heißt es in der ErklĂ€rung weiter.

Die Zukunft der Beziehungen zwischen Israel und dem Libanon mĂŒsse von den beiden Regierungen selbst entschieden werden. Jeder Versuch "staatlicher oder nichtstaatlicher Akteure", die "Zukunft des Libanons als Geisel zu nehmen", werde zurĂŒckgewiesen. Dies schien ein deutlicher Bezug auf den Iran zu sein, der die Hisbollah unterstĂŒtzt. Bei den stockenden Verhandlungen mit den USA ĂŒber ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Iran-Kriegs fordert Teheran auch ein Ende des Libanon-Konflikts als Teil einer Vereinbarung.

Vorbehalte und Warnungen

Der libanesische Zivilschutz rief die Menschen am Morgen zur Geduld auf. Sie sollten nicht voreilig in ihre Heimatorte zurĂŒckkehren. Eine RĂŒckkehr in die Dörfer im SĂŒden des Landes solle erst nach entsprechenden offiziellen AnkĂŒndigungen erfolgen. Zudem bestehe weiterhin Gefahr durch KriegsrĂŒckstĂ€nde sowie nicht explodierte Munition.

Der israelische Polizeiminister Itamar Ben-Gvir kritisierte die Vereinbarung zwischen Israel und dem Libanon als "schweren Fehler". Es handele sich um "WunschtrÀume von Beratern, die den MinisterprÀsidenten zu falschen Entscheidungen verleiten", schrieb er in einem Post auf der Plattform X. TatsÀchlich werde die Hisbollah durch die Vereinbarung nur stÀrker werden.

Israels Verteidigungsminister Israel Katz wies Kritik an der Vereinbarung zurĂŒck und sprach nach Angaben des Nachrichtenportals "ynet" von "großen Errungenschaften im Libanon, am Boden und im politischen Bereich". Die neue Einigung sei "eine Reflexion der RealitĂ€t, die wir bisher im Libanon geschaffen haben". Diese könnte zu einem Friedensvertrag mit dem Libanon fĂŒhren. Nach seiner Auslegung enthĂ€lt die Vereinbarung nicht nur eine Verpflichtung zur Entwaffnung der Hisbollah und ihre Entfernung aus dem Gebiet sĂŒdlich des Litani-Flusses, sondern auch die fortgesetzte PrĂ€senz der israelischen Armee in einer sogenannten "Sicherheitszone" und ihrer "Einsatzfreiheit".

Krieg zwischen Israel und Hisbollah ging trotz Waffenruhe weiter

Israel und die mit dem Iran verbĂŒndete Hisbollah standen bereits infolge des Gaza-Kriegs in einem offenen Konflikt. Eine im November 2024 geschlossene Waffenruhe war schon damals Ă€ußerst brĂŒchig. Israel griff weiter Stellungen der Hisbollah im Libanon an und warf der Miliz vor, sich entgegen der Waffenruhe-Vereinbarung neu zu bewaffnen. Im Zuge des Iran-Kriegs, den Israel und die USA Ende Februar begonnen hatten, begann auch die Hisbollah erneut Raketen in Richtung Israel abzufeuern. Es kam zu einer erneuten Eskalation.

Mitte April war im Rahmen der GesprĂ€che zwischen Israel und dem Libanon erstmals wieder eine Waffenruhe verkĂŒndet worden. Sie wurde seitdem mehrere Male verlĂ€ngert. In der RealitĂ€t ging der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah jedoch weiter. Die Schiiten-Miliz setzte ihren Beschuss auf Israel fort, genauso wie Israel seine teils massiven Angriffe auf Hisbollah-Stellungen, vor allem im SĂŒden des Libanons. Das israelische MilitĂ€r drang aber auch immer weiter in das Landesinnere des nördlichen Nachbarlandes vor.

Im Libanon herrscht die Sorge vor einer dauerhaften Besetzung durch Israel, wie es schon in den 80er und 90er Jahren der Fall gewesen war. Seit dem Ausbruch des Kriegs Anfang MÀrz wurden im Libanon mehr als 3.400 Menschen getötet. Auf israelischer Seite wurden rund 30 Menschen getötet, die meisten davon Soldaten. Israel fordert eine Entwaffnung der Hisbollah.

So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis  Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
de | boerse | 69481333 |