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ITM Power Aktie: Auftragsbuch wächst, Kurs zögert

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 01:26 Uhr, Redaktion boerse-global.de

ITM Power meldet Rekordumsatz und steigende Auftragsqualität, doch der Aktienkurs bleibt volatil und unter Druck.

ITM Power: Auftragsbuch wächst, Aktie bleibt hinter Jahreshoch zurück
Abstrakte Szene, die den Sektor der erneuerbaren Energien darstellt, mit visuellen Hinweisen auf Wachstum und Zögern. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Zahlen sprechen für Fortschritt. Der Kurs spricht dagegen. Bei ITM Power klafft derzeit eine auffällige Lücke zwischen operativer Verbesserung und Marktreaktion.

Am Mittwoch notiert die Aktie bei 1,35 Euro, ein Plus von 3,62 Prozent nach einem Dienstagsschluss bei 1,30 Euro. Der Titel bleibt damit 47,75 Prozent unter seinem Jahreshoch von 2,58 Euro aus dem Mai. Zugleich liegt er 107,87 Prozent über dem Tiefpunkt von 0,65 Euro im Februar. Diese Spanne zeigt das Grundproblem: Der kurzfristige Schwung ist gebrochen, der langfristige Erholungstrend aber noch intakt.

Wachsendes Auftragsbuch, wachsender Verlust

Das Auftragsbuch von ITM Power ist auf 152 Millionen Pfund gestiegen. Der Anteil profitabler Kontrakte kletterte von 60 Prozent im April 2025 auf inzwischen 71 Prozent. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 erzielte das Unternehmen einen Rekordumsatz von 18 Millionen Pfund, getragen von Ausrüstungsverkäufen und Ingenieursleistungen.

Der Bruttoverlust verbesserte sich im Jahresvergleich von 10,2 auf 6,5 Millionen Pfund. Trotzdem hält das Management an seiner Prognose für einen EBITDA-Verlust von 27 bis 29 Millionen Pfund im Geschäftsjahr 2026 fest. Der Markt honoriert die operative Besserung bislang nicht: Auf 30-Tage-Sicht verlor die Aktie 13,65 Prozent.

Die entscheidende Frage

Alles hängt an einem strukturellen Punkt: Wird die steigende Qualität des Auftragsbuchs schnell genug in einen sinkenden Cash-Verbrauch übersetzt? Und zwar bevor kapitalintensive Projekte neue Finanzierungsentscheidungen erzwingen. Es geht nicht nur um Umsatzwachstum. Es geht darum, ob die Konversion des Auftragsbestands schneller läuft als die Belastung durch alte margenschwache Verträge und die Anlaufkosten der Chronos-Produktionslinie.

Bullisches Szenario

Für Optimisten zählt zunächst die Bilanz. Die Kasse von ITM Power lag zuletzt bei 197,8 Millionen Pfund, der Rückgang über zwölf Monate betrug nur 9,2 Millionen Pfund. Kombiniert mit einem Auftragsbestand, dessen profitabler Anteil auf 71 Prozent gestiegen ist, ergibt sich eine deutlich gesündere Mischung als noch vor einem Jahr.

Hinzu kommen zwei mögliche Wachstumstreiber außerhalb des bestehenden Buchs. Die Partnerschaft mit Protium sieht am schottischen Cromarty-Standort zunächst einen 15-Megawatt-Elektrolyseur vor, die finale Investitionsentscheidung soll im Dezember 2026 fallen. Parallel läuft eine Kooperation mit der deutschen Stablegrid Group über zwei Energieprojekte mit zusammen 710 Megawatt Elektrolyseurkapazität. Hier wird eine erste Investitionsentscheidung noch in diesem Jahr erwartet.

Fallen beide Entscheidungen positiv aus, könnte sich die Auftragspipeline spürbar erweitern. Dazu soll die Chronos-Produktionslinie künftig eine jährliche Fertigungskapazität von bis zu einem Gigawatt liefern, gestützt auf automatisierte Prozesse und Reinraumfertigung. Gelingt das, sinken die Stückkosten, die Margen könnten steigen. Der Kurs notiert derzeit 24,82 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Das deutet darauf hin, dass der mittelfristige Trend trotz der jüngsten Schwäche noch nach oben zeigt.

Bärisches Szenario

Die Risiken liegen weniger im Markt selbst als in der Umsetzung. Die Chronos-Anlaufphase bringt technische Unsicherheiten mit sich. Speziell entwickelte Automatisierungstechnik funktioniert nicht automatisch reibungslos. Zudem laufen in diesem Jahr noch einige alte, margenschwache Verträge aus früheren Jahren weiter und belasten die Gesamtmarge.

Kritischer ist die Terminfrage: Sowohl Cromarty als auch das Stablegrid-Projekt warten noch auf ihre finale Investitionsentscheidung. Verschiebt sich einer der beiden Termine, verschiebt sich auch die Umsatzrealisierung weiter nach hinten. Der Wettbewerbsdruck verschärft die Lage zusätzlich — der grüne Wasserstoffmarkt bleibt volatil und hart umkämpft, größere Player wie Plug Power sichern sich bereits Aufträge.

Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei über 106 Prozent. Das signalisiert, wie stark der Markt jede neue Information einpreist. Bleibt die Umwandlung des Auftragsbestands in tatsächliche Zahlungsströme aus, könnte der jüngste Abwärtstrend zurückkehren — die Aktie notiert bereits 20,06 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt.

Ausblick

Solange sich das Auftragsbuch weiter in Richtung höhermargiger Verträge entwickelt und der Cash-Verbrauch nicht eskaliert, dürfte die mittelfristige Erholungsgeschichte intakt bleiben. Das Jahresplus von 85,67 Prozent stützt diese Lesart, auch wenn kurzfristig weiter Nervosität herrscht.

Verzögert sich hingegen eine der beiden Investitionsentscheidungen — Cromarty oder Stablegrid — oder treten bei Chronos Kostenüberschreitungen auf, könnte sich der EBITDA-Verlust ausweiten. Der RSI von 42,7 liegt bereits unter der neutralen Mittellinie, signalisiert aber noch keine überverkaufte Lage. Die nächsten konkreten Wegmarken: die finale Investitionsentscheidung zu Cromarty im Dezember 2026 und die anstehende Entscheidung zu den Stablegrid-Projekten noch in diesem Jahr. Beide werden zeigen, ob aus der verbesserten Auftragsqualität tatsächlich ein tragfähiger Weg zur Profitabilität wird.

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