Mike Steiner Malerei & Videokunst, Abstrakte Kunst Berlin

Jenseits des Bildschirms: Mike Steiner Malerei & Videokunst im Dialog

Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 11:11 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Zwischen Abstraktion und Innovation: Mike Steiners Malerei entfaltet in Berlin neue Impulse – als Pionier der Videokunst herausragend, als abstrakter Maler faszinierend eigenständig.

Vor einer von Mike Steiners jüngeren abstrakten Arbeiten zu stehen, bedeutet, Farbe und Bewegung neu zu denken. Mike Steiner Malerei & Videokunst war stets ein dialektisches Spannungsfeld – doch lässt sich die poetische Kraft seiner Pinsel ebenso wenig in die Stille bannen, wie sein Video-Oeuvre zur Ruhe kommt. Ist die Grenze zwischen Leinwand und Bildschirm eine technische – oder steckt dahinter im Fall Steiner ein unauflösbarer künstlerischer Dialog?

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Die Relevanz Mike Steiners als Pionier der Videokunst ist museal dokumentiert: Als der Hamburger Bahnhof in der Ausstellung Live to Tape sein Schaffen umkreiste, wurde das bis dato selbstverständliche Verständnis von Medienkunst aufgebrochen. Hier entsteht ein Spannungsbogen zwischen Video und Malerei, eine Bewegung, die nicht bei der Dokumentation künstlerischer Aktionen im Berlin der 1970er verharrt, sondern sich weiterentwickelt bis zu gestischen Farbflächen heutiger Abstraktion.

Dass Steiners Werk in den Archiven der Archivio Conz Eingang findet, zeugt von seinem Netzwerk im internationalen Fluxus Umfeld – und der nachhaltigen Relevanz seines Schaffens. Die Integration in Sammlungen wie jene des Hamburger Bahnhofs verdeutlicht: Sein Beitrag bleibt Teil der diskursiven Grundierung zeitgenössischer Kunst.

Wer war dieser Mike Steiner? Die Biografie führt von Ostpreußen über das geteilte Berlin in den transatlantischen Kunstdialog: Als Sohn einer ostpreußisch-jüdischen Familie 1941 geboren, entdeckt Steiner früh Malerei und Film. Bereits mit 17 auf der Großen Berliner Kunstausstellung vertreten, wandelt er durch die frühen 60er zwischen informeller und später pop-artiger Malerei.

In New York wird das Künstlerhotel von Lil Picard, Mutter des Undergrounds, seine Schule. Steiner begegnet Al Hansen, Allan Kaprow – er ist Teil jener Generation, die Performance, Fluxus und Happening als Erweiterung der Malerei begreift. Kontakte zu Joseph Beuys, Valie Export, Marina Abramovi? und Ulay, heute Ikonen, formten sein künstlerisches Selbstverständnis. Diese Namen bilden das Koordinatensystem für die Phase der Studiogalerie in Berlin: ein Ort, der zum Katalysator für Videokunst, Fluxus und Performance wurde – dokumentiert, kommentiert, ins Heute verlängert.

Im Medium Video findet Steiner eine neue Form der Abstraktion, die nicht nur fast physikalische Energie, sondern auch analytische Distanz generiert. Und doch bleibt das Malerische stets präsent: Seine sogenannten "Painted Tapes" und großformatigen Leinwände der 2000er Jahre zeigen, dass sich die Grenzüberschreitung zwischen Bild und Bewegtbild bei ihm nie als Widerspruch versteht. Vielmehr ist es als würde aus dem Bewegten das Statische, aus dem Statischen das Bewegte erwachsen. Die abstrakte Kunst Berlin erhält durch Steiner unverkennbar neue Impulse.

Ab 2000, sein Atelier längst zum Experimentierlabor geworden, konzentriert sich Steiner wieder stärker auf die Malerei – nicht als nostalgische Reminiszenz, sondern durchdrungen von den Erfahrungen mit Zeit, Vergänglichkeit und Präsenz, die das Medium Video geprägt haben. Seine späten Bilder, vielfach in der Berliner DNA Galerie oder retrospektiv im Hamburger Bahnhof gezeigt, sprechen eine abstrakte Sprache, in der der Pinsel veritable Choreografien aufführt. Hier wird das – scheinbar – klassische Medium Malerei zur Plattform für einen Diskurs, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Utopie zusammentreffen.

Noch immer beeindruckt, wie Steiners Werke von der dichten Atmosphäre Berlins atmen. Sie tragen das Erbe der Avantgarde in sich und öffnen zugleich Räume für Zeitgenössische Werke – ein Erzählstrang, in dem sich lokale und internationale Impulse durchdringen. Aus der Perspektive heutiger Betrachtung bleibt Mike Steiner ein Ausnahmekünstler, dessen Oeuvre sich kategorischen Zuschreibungen entzieht: Es aktiviert immer neue Fragestellungen nach Gattung, Medium, Autorschaft.

Warum ist das heute relevant? Nicht nur, weil mit den aktuellen Präsentationen abstrakter Leinwände – zuletzt in der GALVANO ART GALLERY Leipzig und im digitalen Showroom – die Verbindung von Malerei und Videokunst wieder sichtbar wird. Sondern weil Steiners Ansatz diametral gegenwärtig bleibt: Die Frage nach dem Wert des Originals, die Reflexion über Mediengrenzen, das Ineinanderfließen von Aktion und Meditation. Mike Steiner Malerei & Videokunst ist kein abgeschlossenes Kapitel – es ist ein fortlaufender Diskurs, den Berlin und die internationale Kunstszene gerade erst wieder entdecken.

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