JPMorgan, Schattenbanken

JPMorgan warnt vor Schattenbanken durch Stablecoins

15.04.2026 - 07:21:59 | boerse-global.de

JPMorgan fordert schärfere Regeln für verzinsliche Stablecoins, die als Schattenbanken agieren. Ein Gesetzentwurf im US-Senat stockt, während die Bank eigene Blockchain-Lösungen vorantreibt.

JPMorgan warnt vor Schattenbanken durch Stablecoins - Foto: über boerse-global.de

Der Finanzriese sieht die Stabilität des Systems in Gefahr, während in Washington ein Gesetzentwurf feststeckt.

Ein paralleles Bankensystem ohne Aufsicht

„Das ist regulatorische Arbitrage und gefährdet die Finanzstabilität.“ Mit diesen deutlichen Worten warnte JPMorgan-CFO Jeremy Barnum am Dienstag vor den Risiken verzinslicher Stablecoins. Bei der Vorlage der Quartalszahlen betonte er, dass diese digitalen Vermögenswerte ein paralleles Bankensystem schaffen – mit allen Funktionen klassischer Einlagen, aber ohne die seit Jahrhunderten geltenden Sicherheitsvorkehrungen.

Anzeige

Während Großbanken vor der mangelnden Regulierung von Stablecoins warnen, bieten ausgewählte Krypto-Assets bereits heute massive Wachstumschancen für informierte Anleger. Dieser kostenlose Report enthüllt drei Kryptowährungen, die Experten aktuell ein explosives Potenzial zutrauen. 3 Kryptos mit explosivem Gewinnpotenzial jetzt entdecken

Barnum sieht die Gefahr einer „Hintertür“, über die Firmen Bankgeschäfte betreiben, ohne die damit verbundenen regulatorischen Kosten zu tragen. Für Verbraucher sei der Hauptvorteil vieler dieser Produkte nicht technologische Innovation, sondern die Umgehung bestehender Bankvorschriften. „Identische Finanzprodukte müssen gleich reguliert werden, egal ob sie auf einer Blockchain oder in einem traditionellen Hauptbuch verbucht werden“, forderte der CFO. Es brauche einheitliche Kapital-, Liquiditäts- und Verbraucherschutzstandards.

Diese Position ist für JPMorgan nicht neu. Bereits im Januar hatte Barnum die Schaffung eines solchen Parallelsystems als gefährlich und unerwünscht bezeichnet. Die Bankführung besteht darauf, dass jeder digitale Vermögenswert, der als Einlagenersatz fungiert, in den bestehenden regulatorischen Rahmen integriert werden muss.

Gesetzesvorhaben CLARITY Act steckt fest

Die Timing der Warnung ist brisant. Im US-Senat ringen Verhandler aktuell um einen Kompromiss beim CLARITY Act. Dieses Gesetz soll einen Bundesrahmen für Stablecoins schaffen, stockt aber an Detailfragen zur Verzinsung. Ein von Senatoren Anfang März vorgestellter Entwurf sieht ein Verbot passiver Erträge für Stablecoin-Emittenten vor. Erlaubt bleiben könnten jedoch „aktivitätsbasierte“ Belohnungen, die an bestimmte Plattformnutzungen geknüpft sind.

Die Debatte um die Verzinsung ist das Haupthindernis für das Gesetz. Finanzfirmen wie Coinbase wehren sich gegen strikte Verbote, da diese erhebliche Teile ihrer Einnahmen gefährden würden. Coinbase zog seine Unterstützung für frühere Gesetzesversionen zurück, weil diese seine Stablecoin-Erträge beschnitten hätten.

Unterdessen schreitet die Regulierung auf anderer Ebene voran. Neue Vorschläge von US-Aufsichtsbehörden verlangen von Stablecoin-Emittenten robuste Programme gegen Geldwäsche (AML) und zur Sanktioneneinhaltung. Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu 100.000 US-Dollar pro Tag.

Weißes Haus relativiert Befürchtungen vor Massenabfluss

Doch sind die Ängste der Großbanken vor einem massiven Abfluss von Kundeneinlagen überhaupt berechtigt? Neue Daten des Weißen Hauses legen das Gegenteil nahe. Ein Bericht des Rats der Wirtschaftsberater (CEA) vom 8. April modelliert die Auswirkungen von Stablecoin-Erträgen auf die Kreditvergabe der Banken.

Das Ergebnis ist ernüchternd für die Bankenbranche: Selbst ein komplettes Verbot von Stablecoin-Zinsen würde das gesamte Bankkreditvolumen nur um schlappe 2,1 Milliarden US-Dollar erhöhen – das sind lediglich 0,02 Prozent der ausstehenden Kredite. Für kleinere Institute wäre der Effekt mit rund 500 Millionen US-Dollar noch geringer.

Anzeige

Die technologische Transformation durch Blockchain und DeFi verändert die Finanzwelt grundlegend, weit über die aktuelle Stablecoin-Debatte hinaus. Erfahren Sie im kostenlosen Experten-Report, wie Sie die Chancen der neuen Finanzrevolution für Ihre eigene Anlagestrategie nutzen können. Kostenlosen Report zur Fintech-Revolution herunterladen

Diese Modellierung steht in scharfem Kontrast zu früheren Schätzungen des US-Finanzministeriums und des Bankenverbands. Diese hatten gewarnt, der Wettbewerb durch verzinsliche Stablecoins könne bis zu 6,6 Billionen US-Dollar an Bankeinlagen gefährden. Kritiker sehen im CEA-Bericht das Kernargument der Banken entkräftet. Die Institute halten dagegen: Das Risiko bleibe in wirtschaftlichen Stressszenarien erheblich.

JPMorgan treibt eigene Blockchain-Lösung voran

Trotz der scharfen Kritik an externen Stablecoin-Produkten treibt JPMorgan die eigene Blockchain-Infrastruktur energisch voran. Über seine Blockchain-Tochter Kinexys hat die Bank eine tokenisierte Einlagenlösung entwickelt: den JPM Coin.

Analysten weisen darauf hin, dass der JPM Coin gezielt innerhalb des bestehenden Banken-„Wrappers“ operiert. Er bietet institutionellen Kunden programmierbare, rund um die Uhr verfügbare Geldbewegungen – bei voller Compliance mit Einlagensicherungsvorschriften und dem Schutz durch die FDIC.

Barnum betonte, das Interesse der Bank an Modernisierung der Zahlungsabwicklung und den Effizienzgewinnen durch Distributed-Ledger-Technologie sei ungebrochen. Der Widerstand richte sich nicht gegen die Technologie selbst, sondern gegen den „regulatorischen Mantel“ bestimmter Stablecoin-Produkte. Der JPM Coin bearbeitet bereits etwa eine Milliarde US-Dollar an täglichen Transaktionen. Eine kürzlich geschlossene Partnerschaft mit Mitsubishi zielt darauf ab, das Volumen auf 10 Milliarden US-Dollar täglich zu steigern.

Starke Quartalszahlen trotz Warnungen

Die Diskussion um die digitale Transformation begleitete die Vorlage hervorragender Quartalszahlen. Für das erste Quartal 2026 meldete JPMorgan einen Nettogewinn von 16,5 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn je Aktie von 5,94 US-Dollar. Der Gesamtumsatz stieg um 10 Prozent auf 50,5 Milliarden US-Dollar, getrieben von höheren Vermögensverwaltungsgebühren und einem wachsenden Investmentbanking-Geschäft.

Die Bank bekräftigte ihre Jahresprognose für das Nettozinsertrag (ohne Marktgeschäfte) von etwa 95 Milliarden US-Dollar. Der gesamte Nettozinsertrag soll 103 Milliarden US-Dollar erreichen. Trotz der starken Performance warnte Barnum vor anhaltender Marktvolatilität und geopolitischen Entwicklungen, insbesondere im Nahen Osten. Diese könnten die Abschlussfähigkeit von Deals und Kreditzyklen in den kommenden Monaten beeinträchtigen.

Während der Senatsausschuss für Bankenwesen eine mögliche Bereinigungssitzung für den CLARITY Act Ende April vorbereitet, bleibt die Finanzbranche gespalten. Die Modellierung des Weißen Hauses deutet auf ein geringeres unmittelbares Risiko für die Bankenliquidität hin. Die klare Haltung der JPMorgan-Führung zeigt jedoch: Die größten US-Geldhäuser werden weiter für ein strenges regulatorisches Umfeld lobbyieren, das verhindert, dass Stablecoins als „Schattenbanken“ ohne gleichwertige Aufsicht operieren.

So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schätzen die Börsenprofis  Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | boerse | 69155939 |