KI-Boom treibt Chipausrüster ASML an - Aktie legt zu
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 10:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUmsatz und Gewinn stiegen im dritten Quartal deutlich. Für die weitere Entwicklung zeigten sich die Niederländer optimistisch und hoben ihre bei Analysten viel beachtete Kapazitätsprognose an. Zudem geht ASML für das laufende Jahr bei Umsatz und Profitabilität nun von den oberen Enden der jeweiligen Spannen aus.
Die kurz- und mittelfristige Nachfrage der Kunden steige weiter, berichtete Konzernchef Christophe Fouquet am Mittwoch zur Vorlage der Zahlen. Diese sei vor allem getrieben durch auf KI bezogene Investitionen. Einige Kunden hätten Interesse daran signalisiert, bereits Bestellungen für 2029 und sogar 2030 zu platzieren, so der Manager.
"Angesichts dieser hohen Transparenz und einer Dynamik im Auftragseingang, die im laufenden Jahr von Quartal zu Quartal zunimmt, gehen wir nun davon aus, dass unser derzeit für 2027 und 2028 geplantes Angebot die Nachfrage unserer Kunden nicht vollständig decken wird", berichtete Fouquet. "Vor diesem Hintergrund prüfen wir Möglichkeiten, die Kapazität für 2028 über die bereits kommunizierte Steigerung von 30 Prozent hinaus zu erhöhen."
Nach einer noch vorbörslich zu bemerkenden Zurückhaltung griffen die Investoren bei der ASML-Aktie zu. Das Papier gewann am Vormittag in Amsterdam gut drei Prozent. Damit liegt der Wertzuwachs des Papiers im bisherigen Jahrverlauf bei rund 69 Prozent. Mit einer Marktkapitalisierung von mittlerweile rund 600 Milliarden Euro haben die Niederländer im Eurozonen-Leitindex die Nase klar vorn. Auf Platz zwei folgt SAP mit rund 240 Milliarden Euro Börsenwert.
Das dritte Quartal entspreche weitgehend den Erwartungen, schrieb Janardan Menon vom Analysehaus Jefferies. Die geplante Steigerung der Kapazität sei positiv, dies habe man aber bereits erwartet. Er geht davon aus, dass die Bewertungskennzahlen von ASML und der Branche zyklisch weiter sinken werden. Dagegen erklärte der JPMorgan-Analyst, die Zahlen seien besser ausgefallen als erwartet. Auch der Ausblick auf das laufende Schlussviertel sei besser ausgefallen als prognostiziert.
ASML ist ein entscheidender Zulieferer für die Halbleiterindustrie. Als einziges Unternehmen der Welt stellt es hochentwickelte Lithografiemaschinen zur Fertigung fortschrittlicher Chips für das Training von KI-Modellen her. Die Ergebnisse der Niederländer gewähren daher einen Einblick in die Pläne von Chipherstellern wie TSMC, Samsung oder Intel, da zwischen der Bestellung und der Auslieferung der hochmodernen Anlagen des Unternehmens mehr als ein Jahr liegt. Branchenvertreter hinterfragen zunehmend, ob der KI-Boom von Dauer ist. In dieser Woche waren Chipwerte deswegen wieder vermehrt unter Druck geraten.
Investoren äußerten zudem Bedenken hinsichtlich der Frage, ob ASML die Aufträge in der aktuellen Hochphase des Marktes bewältigen kann. Das Unternehmen arbeitet derzeit daran, Anlagen schneller an Kunden auszuliefern, indem es die Durchlaufzeit - also den Zeitraum zwischen Produktionsbeginn in den Reinräumen und der Auslieferung der fertigen Maschine - verkürzt. Zudem hat es mit dem Bau seines zweiten Industriestandorts in den Niederlanden begonnen. Die erste Phase soll 2029 abgeschlossen sein.
Im dritten Quartal stieg der Umsatz von 9,3 im Vorquartal auf knapp 11,7 Milliarden Euro, wie das Unternehmen weiter mitteilte. Dies lag im Rahmen der Erwartungen der Analysten. Die Bruttomarge verbesserte sich um 3,5 Prozentpunkte auf 57,5 Prozent. Unter dem Strich verdiente ASML knapp fünf Milliarden Euro nach fast drei Milliarden Euro im Vorquartal.
Für das vierte Quartal stellte der Konzern einen Umsatzanstieg auf 14,2 bis 15,2 Milliarden Euro sowie eine Bruttomarge von rund 57 Prozent in Aussicht.
2026 sollen die Erlöse 44 bis 45 Milliarden Euro und die Bruttomarge rund 56 Prozent erreichen. Damit zeigte sich das Management etwas optimistischer als noch im Quartal zuvor. Zuvor hatte das untere Ende der Umsatzspanne bei 43 Milliarden Euro gelegen. Bei der Marge war ASML bislang 54 bis 56 Prozent ausgegangen. Der Konzern hat in diesem Jahr bereits mehrfach seine Ziele erhöht.
