Kioxia Aktie: 30 Billionen Yen vernichtet
Veröffentlicht am: 17.07.2026 um 18:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vor vier Wochen war Kioxia noch das wertvollste Unternehmen Japans. Heute steht die Aktie an fĂŒnfter Stelle. Ein Absturz von historischem AusmaĂ hat den NAND-Speicherhersteller binnen 30 Tagen um die HĂ€lfte seiner Marktkapitalisierung gebracht.
Am Freitag notierte die Aktie bei 285,05 Euro, ein Tagesminus von 6,56 Prozent. Ăber sieben Tage summiert sich der Verlust auf 33,17 Prozent, ĂŒber einen Monat auf 43,88 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 621,00 Euro, erreicht am 22. Juni, trennen die Aktie inzwischen mehr als die HĂ€lfte ihres Wertes.
Vom Toyota-Bezwinger zum Absturzkandidaten
Mitte Juni 2026 ĂŒberholte Kioxia noch den Autobauer Toyota und wurde zum wertvollsten börsennotierten Unternehmen Japans. Ein Kursanstieg von ĂŒber 600 Prozent seit Jahresbeginn hatte das möglich gemacht. Getrieben wurde die Rally von der Nachfrage nach Speicherchips fĂŒr KI-Rechenzentren.
Diese Euphorie ist verflogen. Nach MarktschĂ€tzungen hat der Kollaps rund 30 Billionen Yen an Bewertung vernichtet, umgerechnet etwa 185 Milliarden Dollar. Anleger stellen inzwischen offen die Frage, ob die zuvor gezahlten Preise fĂŒr NAND-Flash-Speicher ĂŒberhaupt nachhaltig waren.
Margin Calls verschÀrfen den Ausverkauf
Ein zentraler Treiber der jĂŒngsten Talfahrt: die ZwangsverkĂ€ufe hochverschuldeter Privatanleger in ganz Asien. Marktbeobachter sprechen von den "Ameisen" â jener riesigen Masse asiatischer Kleinanleger, die hĂ€ufig mit Kredithebel handelt.
Berichten zufolge sahen sich in dieser Woche ĂŒber 1,2 Millionen Handelskonten in asiatischen MĂ€rkten mit Margin Calls oder Zwangsliquidationen konfrontiert. Der Verkaufsdruck verstĂ€rkte sich dadurch selbst. ZusĂ€tzlich belastete der vollstĂ€ndige Ausstieg von Bain Capital aus dem Unternehmen die technische Lage.
Der Sektor korrigiert insgesamt
Kioxias Absturz steht nicht allein. Die gesamte Halbleiterbranche durchlÀuft derzeit eine Neubewertung, angetrieben von mehreren Faktoren gleichzeitig:
- Ăberangebot-Sorgen: Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC) hebt sein Investitionsbudget fĂŒr 2026 auf bis zu 64 Milliarden Dollar an â Anleger fĂŒrchten eine globale KapazitĂ€tsschwemme.
- Sektorrotation: Institutionelle Investoren ziehen Kapital aus den bisherigen Top-Performern ab, um Gewinne aus dem ersten Halbjahr zu sichern.
- Bewertungsrisiken: WĂ€hrend viele Analysten trotz allem bei "Kaufen" bleiben, hĂ€lt etwa Bernstein an einer "Verkaufen"-EinschĂ€tzung fest und verweist auf BewertungsaufschlĂ€ge, die historische Gewinnmuster deutlich ĂŒbersteigen.
Mit einem RSI von 37,7 nĂ€hert sich die Aktie der ĂŒberverkauften Zone an. Der Kurs liegt derzeit fast 30 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 405,16 Euro â ein Hinweis darauf, wie stark sich die Stimmung binnen wenigen Wochen gedreht hat.
Zwei Termine dĂŒrften den weiteren Verlauf prĂ€gen. Am 31. Juli legt Kioxia die Quartalszahlen fĂŒr das erste Fiskalquartal 2027 vor. Im Oktober steht dann die regulĂ€re Neugewichtung des TOPIX-Index an, die nach EinschĂ€tzung mancher Marktteilnehmer wieder passive MittelzuflĂŒsse in die Aktie bringen könnte.
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