Kioxia Aktie: CXMT-Börsengang löst 18-Prozent-Crash aus
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 19:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Kursrutsch historischen Ausmaßes hat die Kioxia-Aktie am Dienstag erfasst. In Tokio ging das Papier mit einem Tagesminus von 18,3 Prozent auf 44.550 Yen in den Handel-Stopp, nachdem es bereits seit dem Zwischenhoch vom 22. Juni rund 60 Prozent verloren hatte. Auch im deutschen Handel setzte sich der Ausverkauf fort: Die Aktie notiert aktuell bei 234,95 Euro und damit 11,97 Prozent leichter als am Vortag, als sie noch bei 266,90 Euro aus dem Handel gegangen war. Der Relative-Stärke-Index von 34,8 signalisiert eine bereits überverkaufte Situation.
Kettenreaktion durch Chinas Speicherchip-Vorstoß
Auslöser der Talfahrt war der Börsengang des chinesischen Speicherchip-Herstellers CXMT am Montag an der Shanghaier STAR-Börse. Die Aktie schoss dort um 465,82 Prozent über ihren Ausgabepreis von 8,66 Yuan und erreichte eine Marktkapitalisierung von 3,28 Billionen Yuan – CXMT überholte damit die Industrial and Commercial Bank of China als wertvollstes Unternehmen des Festlandmarktes. Parallel dazu kursierten Berichte über ein chinesisches Staatsunternehmen aus Shanghai, das nach eigenen Angaben Immersions-DUV-Lithografiemaschinen bereits in Serie fertigt – fünf Einheiten in diesem Jahr, 20 im kommenden. Beides nährte Sorgen, China könne bei Speicherchips und Fertigungstechnik schneller aufholen als erwartet.
Die Folgen zogen sich durch den gesamten asiatischen Halbleitersektor: Der Nikkei 225 fiel um rund 3,95 Prozent auf 62.364,92 Punkte, der koreanische Kospi büßte 10,84 Prozent ein und löste damit zum achten Mal in diesem Jahr einen Circuit Breaker aus. Samsung verlor 13,39 Prozent, SK Hynix 14,65 Prozent. Kioxia traf es unter den großen Speicherherstellern jedoch am härtesten. Der Analyst Lee Gyeong-min ordnete den Ausverkauf laut The Herald Business so ein, dass der CXMT-Börsengang alte Ängste vor einer chinesischen Speicherchip-Kapazitätsausweitung neu entfacht habe. Verschärft wurde die Stimmung durch generelle Zweifel an der Finanzierbarkeit der KI-Investitionswelle, nachdem zuvor bereits Nvidia deutlich nachgegeben hatte.
Zahlen am Freitag im Blick, Bewertung am Boden
Ausgerechnet in dieser fragilen Marktphase steht am 31. Juli die Vorlage der Quartalszahlen für das erste Fiskalquartal 2027 an. Analysten rechnen für das laufende Geschäftsjahr mit einem Nettogewinn von umgerechnet 5,3018 Billionen Yen – ein Wert, der sogar den bisherigen Rekordgewinn von SoftBank in Höhe von 5,023 Billionen Yen übertreffen könnte. Zuletzt lag der Umsatz bei über einer Billion Yen, die Bruttomarge bei rund 66 Prozent und der freie Cashflow bei mehr als 241 Milliarden Yen. Trotz dieser robusten operativen Kennziffern kalkulieren Analysten im Schnitt einen Zielkurs von 116.768,75 Yen – das entspräche gegenüber dem Tokioter Schlusskurs vom Dienstag einem Aufschlag von 162,1 Prozent. Am Markt kursieren zudem Spekulationen über einen möglichen Aktiensplit und eine Dividendenankündigung, während die Margin-Trading-Quote zuletzt bei dem 36,75-Fachen lag.
SK Hynix profitiert von der Kioxia-Beteiligung
Während die Kioxia-Aktie taumelt, zahlt sich das Engagement des südkoreanischen Konkurrenten SK Hynix weiter aus. Der Konzern hatte sich 2018 über ein von Bain Capital geführtes Konsortium mit rund 3,9 Billionen Won an Kioxia beteiligt. Laut Money Today soll diese Position im zweiten Quartal, nach dem abgeschlossenen Verkauf der SPC1-Beteiligung, einen außerordentlichen Gewinnbeitrag von etwa 40 Billionen Won zum Vorsteuerergebnis von SK Hynix leisten – Meritz Securities schätzt das Vorsteuerergebnis auf insgesamt 101,8 Billionen Won.
Für westliche Privatanleger könnte sich der Zugang zur Aktie zudem bald erleichtern: Berichten zufolge bereitet der Anbieter Tuttle Capital ein gehebeltes Einzelaktien-Zertifikat auf Kioxia für den US-Markt vor – es wäre das erste Produkt dieser Art auf Basis eines japanischen Basiswerts. Direxion plant Berichten zufolge ein vergleichbares Produkt auf Tokyo Electron. Angesichts der annualisierten 30-Tage-Volatilität von 167,11 Prozent dürfte ein solches Hebelprodukt allerdings kaum als Investition für schwache Nerven taugen.
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