KNDS: Börsengang mit Bewertungsabschlag
27.06.2026 - 19:01:14 | boerse-global.de
Der europäische Rüstungskonzern KNDS geht im Juli an die Börse — und das zu einem deutlich niedrigeren Preis als ursprünglich erhofft. Statt der einst diskutierten 25 Milliarden Euro liegt die erwartete Marktbewertung jetzt zwischen 12 und 15 Milliarden Euro. Der Abschlag ist kein Zufall.
Governance-Struktur als Preisbremse
Das Listing in Paris und Frankfurt sieht den Verkauf von rund 20 Prozent der Anteile an institutionelle Investoren vor. Verkäufer sind die beiden Ankeraktionäre: die staatliche französische Giat Industries und die deutsche Familienholding Wegmann & Co. Deutschland beteiligt sich über die Kreditanstalt für Wiederaufbau — der Erwerb soll noch vor dem Börsenstart abgeschlossen sein.
Beide Anker bleiben danach für zehn Jahre gebunden. Jeder Verkauf, der die Beteiligung einer Seite unter 30 Prozent drücken würde, erfordert die Zustimmung der anderen. Institutionelle Investoren im 20-Prozent-Streubesitz haben damit kaum Einfluss auf Strategie oder Management. Das hat seinen Preis.
Hinzu kommt ein Loyalitätsaktienmodell: Wer seine Aktien zwei Jahre hält, erhält doppelte Stimmrechte. Das stärkt die Langfristorientierung — schwächt aber die Marktmacht der freien Aktionäre weiter.
Produkte für die nächste Dekade
Parallel zum Börsengang hat KNDS auf der Rüstungsmesse Eurosatory zwei neue Waffensysteme vorgestellt. Beide sollen das mittelfristige Umsatzpotenzial untermauern.
Das Kampfpanzersystem CAPINT kombiniert ein verbessertes Fahrgestell auf Basis des Leopard 2A8 mit dem unbemannten ASCALON-Turm aus Frankreich. Es ist als nationales Projekt für die französische Armee gedacht und soll den Weg zum europäischen MGCS-Programm ebnen. Die ersten Einheiten plant KNDS für die 2030er Jahre. Im Januar 2026 gelang bereits ein Welterstschuss aus einem ferngesteuerten Turm auf einem Kampfpanzerdemonstrationsfahrzeug in Portugal.
Das Artilleriesystem LORAS schießt mit Standard-Munition über 60 Kilometer weit — aktuelle Systeme schaffen maximal 40 Kilometer. Mit Spezialmunition sind sogar 100 Kilometer möglich. Das System erreicht mehr als 8 Schuss pro Minute aus dem Stand, ohne Stützvorrichtungen.
Zahlen, die Investoren einordnen müssen
2025 erzielte KNDS einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro — ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das EBIT lag bei 661 Millionen Euro, die Marge bei 15 Prozent. Der freie Cashflow erreichte 980 Millionen Euro.
Für 2026 peilt das Unternehmen ein Umsatzwachstum von rund 30 Prozent an. Die EBIT-Marge wird dabei auf etwa 12 Prozent sinken — wegen des Hochlaufs großer Rüstungsprogramme und des Wegfalls besonders margenstarker Verträge. Mittelfristig strebt KNDS Erlöse zwischen 11 und 12 Milliarden Euro an, bei einer Marge von 14 bis 15 Prozent.
Ab 2027 plant der Konzern Dividenden, mit einer Ausschüttungsquote von rund 40 Prozent des Nettogewinns — erstmals für das Geschäftsjahr 2026. In diesem Jahr investiert KNDS allein 750 Millionen Euro in neue Produktionskapazitäten.
Gegenwind vom Markt
Das Timing ist nicht ideal. Europäische Rüstungsaktien haben sich von ihren Hochs deutlich entfernt. Rheinmetall, der direkteste Vergleichswert, hat in diesem Jahr bereits rund ein Viertel seines Börsenwerts verloren. Investoren zweifeln, ob die versprochenen Verteidigungsbudgets schnell genug fließen.
Das Konsortium aus Bank of America, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Société Générale begleitet das Listing. Ob die Nachfrage ausreicht, um die Bewertungsspanne auszuschöpfen, zeigt sich, sobald die Orderbücher schließen. Immerhin: KNDS erwirtschaftet rund ein Sechstel seines Umsatzes mit Munition — einem Segment, das seit Kriegsbeginn in der Ukraine stark wächst. Im Juni sicherte sich das Unternehmen einen Auftrag aus Malaysia über 18 CAESAR-Artilleriesysteme inklusive Technologietransfer und lokaler Fertigung.
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