Ergebnisse, Produktion/Absatz

Lanxess strafft Standorte - Hoffnung fĂŒr 2026

14.08.2025 - 14:46:24 | dpa.de

KÖLN - Mit Lanxess DE0005470405 muss ein weiterer Chemiekonzern in einem von der erratischen US-Zollpolitik belasteten Umfeld kleinere Brötchen backen als zunĂ€chst geplant.

(Neu: Äußerungen aus der Telefonkonferenz mit Analysten)

KÖLN (dpa-AFX) - Mit Lanxess DE0005470405 muss ein weiterer Chemiekonzern in einem von der erratischen US-Zollpolitik belasteten Umfeld kleinere Brötchen backen als zunĂ€chst geplant. "Aktuell ist keine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in Sicht", sagte Unternehmenschef Matthias Zachert am Donnerstag im Zuge der Veröffentlichung der Resultate des zweiten Quartals. Er senkte daher den Gewinnausblick fĂŒr das Gesamtjahr. Die Hoffnung richtet sich nun auf 2026. An der Börse kam das schlecht an. In diesem Umfeld soll weiter gespart werden, einzelne Betriebe werden dicht gemacht.

So wurde die Hexan-Oxidation am Standort Krefeld-Uerdingen nun bereits zum Ende des zweiten Quartals 2025 eingestellt, wie das im MDax DE0008467416 notierte Unternehmen weiter mitteilte. UrsprĂŒnglich war der Schritt, der 60 Mitarbeiter betrifft, fĂŒr 2026 geplant. Zudem solle die Produktion von Aromachemikalien am britischen Standort Widnes (rund 70 Mitarbeiter) 2026 eingestellt sowie die Brom-Produktion am US-Standort El Dorado effizienter gestaltet werden.

Alle Maßnahmen sollen ab Ende 2027 zu dauerhaften jĂ€hrlichen Einsparungen von 50 Millionen Euro fĂŒhren, wie es weiter hieß. 2025 fallen zunĂ€chst aber Einmalaufwendungen von rund 25 Millionen Euro an, die im zweiten Quartal verbucht wurden.

Im TagesgeschĂ€ft lief es zuletzt insbesondere im Bereich der Agrochemie und in den GeschĂ€ften mit der Bauindustrie schlecht. Letzteres bekommt die gesamte Branche schon lĂ€nger zu spĂŒren, da Chinas Immobilienmarkt schon lĂ€nger in einer tiefen Krise steckt und die Bauwirtschaft auch in Deutschland erst wieder so richtig in Tritt kommen muss, etwa durch staatliche Infrastrukturausgaben und einen wieder anziehenden Wohnungsbau. Hinzu kommt vermehrte Konkurrenz aus China, denn angesichts der US-Zölle weichen die Anbieter aus dem Land zunehmend auf Europa aus.

Der Umsatz von Lanxess schmolz in den drei Monaten bis Ende Juni im Jahresvergleich um knapp 13 Prozent auf 1,47 Milliarden Euro. Dabei spielte auch der Anfang April abgeschlossene Verkauf des Urethane-Systems-GeschÀfts eine Rolle, das nun keinen Beitrag mehr leistete.

Von den Erlösen blieben im zweiten Quartal 150 Millionen Euro als um Sondereffekte bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ĂŒbrig, was 17 Prozent weniger waren als vor einem Jahr. Unter dem Strich vergrĂ¶ĂŸerte sich der Nettoverlust von 16 auf 45 Millionen Euro, was auch an Einmalbelastungen lag.

Alles in allem gibt sich Lanxess-Chef Zachert denn auch vorsichtig: "Das konjunkturelle Umfeld hat sich in den vergangenen Monaten nochmal deutlich eingetrĂŒbt. ZusĂ€tzlich sorgen die anhaltenden Zolldiskussionen mit den USA fĂŒr hohe Unsicherheit in den MĂ€rkten und erschweren die Lage fĂŒr die europĂ€ische Chemieindustrie."

FĂŒr 2025 rechnet der Unternehmenslenker nun mit einem um Sondereffekte bereinigten operativen Ergebnis (Ebitda) zwischen 520 und 580 Millionen Euro, nachdem bisher 600 bis 650 Millionen Euro im Plan gestanden hatten. FĂŒr den Branchenexperten Chetan Udeshi von der Bank JPMorgan kommt der Schritt nicht ĂŒberraschend, fĂ€llt aber etwas deutlicher aus als gedacht. Die mittlere AnalystenschĂ€tzung fĂŒr den operativen Gewinn im Gesamtjahr lag eher am oberen Ende der neuen Spanne. Im neuen Ausblick enthalten ist aber auch eine Belastung von 10 Millionen Euro durch LiefereinschrĂ€nkungen eines Chlorlieferanten.

Die Hoffnung ruht nun auf 2026: Zachert sieht hier GrĂŒnde fĂŒr eine gewisse Zuversicht und lobte in einer Telefonkonferenz mit Analysten die Bundesregierung unter Friedrich Merz (CDU). Es werde zwar noch etwas dauern, bis die angestoßenen Konjunkturprogramme auf die Auftragsentwicklung durchschlagen, aber es gehe in die richtige Richtung. Positive Effekte wĂŒrden ab 2026 erwartet, denn Kunden von Lanxess dĂŒrften sich zum Ende des laufenden Jahres hin so langsam auf eine Belebung ihrer GeschĂ€fte vorbereiten. Hilfreich wĂ€re laut Lanxess zudem eine Stabilisierung beim Thema US-Zölle, denn das Vorgehen der US-Regierung in den vergangenen Monate hatte viele Unternehmen und Konsumenten verunsichert.

An der Börse kamen die aktuellen Nachrichten in Summe dennoch eher schlecht an, wenngleich in den vergangenen Wochen schon eine Reihe von Chemiekonzernen ihre Prognosen hatten kappen mĂŒssen. Die Lanxess-Aktie sackte bis auf 23,22 Euro ab, berappelte sich am Nachmittag aber ein StĂŒck weit im Zuge der verhaltenen Zuversicht des Unternehmens fĂŒr 2026.

Zuletzt notierten die Papiere mit 24,04 Euro noch rund ein Prozent im Minus. Seit dem Zwischenhoch vom Mai - kurz nachdem das Unternehmen mit einer BestĂ€tigung der alten Jahresziele noch fĂŒr Zuversicht gesorgt hatte - summierensich die Kursverluste auf knapp ein FĂŒnftel.

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