ROUNDUP, Putin

Putin bringt Altkanzler Schröder als Vermittler ins GesprÀch

10.05.2026 - 08:35:01 | dpa.de

Kremlchef Wladimir Putin hat den seit langem mit ihm befreundeten Altkanzler Gerhard Schröder als Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Spiel gebracht.

Obwohl sich die USA um Vermittlung bemĂŒht hĂ€tten, könne er sich von europĂ€ischer Seite den frĂŒheren SPD-Chef als Vermittler vorstellen, sagte Putin am Abend bei einer außerordentlichen Pressekonferenz nach der Siegesparade zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Moskau. "Von allen europĂ€ischen Politikern wĂŒrde ich GesprĂ€che mit Schröder bevorzugen."

Putin betonte, dass eine friedliche Lösung des Konflikts Sache der Ukraine und Russlands sei. "Aber wenn jemand helfen möchte, sind wir dafĂŒr dankbar."

Schröder ist gegen Isolierung Russlands

Der mittlerweile 82 Jahre alte Sozialdemokrat Schröder, der von 1998 bis 2005 Kanzler war, steht seit Jahren wegen seiner Freundschaft zu Putin und TĂ€tigkeiten fĂŒr russische Öl- und Gaskonzerne in der Kritik - auch innerhalb seiner eigenen Partei. Zuletzt hatte er Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine Ende Januar in einem Gastbeitrag fĂŒr die "Berliner Zeitung" als völkerrechtswidrig bezeichnet und zugleich nachgeschoben: "Ich bin aber auch gegen die DĂ€monisierung Russlands als ewiger Feind." Auch plĂ€dierte Schröder fĂŒr die Wiederaufnahme von Energielieferungen aus Russland.

Schröder war nach seinem Ausscheiden aus der Politik lange Jahre fĂŒr russische Energiekonzerne aktiv, unter anderem als PrĂ€sident des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG, einer Tochtergesellschaft des russischen Energiekonzerns Gazprom. Die Pipeline wurde Ende 2021 fertiggestellt, ging aber wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine im Februar 2022 nicht in Betrieb - die Bundesregierung unter dem damaligen Kanzler Olaf Scholz (SPD) versagte die Betriebsgenehmigung.

Putin zu direkten GesprÀchen mit Selenskyj bereit - in Moskau

Putin machte in der Pressekonferenz weiter deutlich, er sei auch bereit zu direkten GesprĂ€chen mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj. "Wer sich mit mir treffen will, muss nach Moskau kommen", sagte Putin allerdings. Ein Treffen an einem anderen Ort sei auch möglich, "aber nur wenn zuvor eine langfristige Friedensvereinbarung getroffen wurde". Selenskyj schließt eine Reise nach Moskau aus.

Siegesparade verlÀuft störungsfrei

Angesichts einer von US-PrĂ€sident Donald Trump vermittelten dreitĂ€gigen Waffenruhe konnte Putin seine MilitĂ€rparade am Samstag störungsfrei durchziehen. Die befĂŒrchteten Drohnenangriffe von ukrainischer Seite blieben aus. In seiner Rede vor Tausenden Soldaten und einigen internationalen GĂ€sten zeigte sich Putin sicher, dass Russlands Armee den Angriffskrieg gegen die Ukraine gewinnen wird.

Russland feiert am 9. Mai traditionell den Tag des Sieges der Sowjetunion ĂŒber Nazi-Deutschland. Wegen der gespannten Sicherheitslage - und möglicherweise auch wegen des kriegsbedingt reduzierten Arsenals - gab es diesmal nicht die ĂŒbliche Waffenschau mit Panzern, Raketen und anderer MilitĂ€rtechnik.

Bisher ist auch im fĂŒnften Jahr der Invasion nicht erkennbar, wie Putin seine Kriegsziele in der Ukraine erreichen will. Die abgespeckte MilitĂ€rparade gilt als Spiegelbild der Lage in seinem Krieg. Die russischen Truppen sind durch die Gegenwehr der vom Westen unterstĂŒtzten Ukraine zunehmend unter Druck.

Beide Seiten werfen sich VerstĂ¶ĂŸe gegen Waffenruhe vor

Beide Seiten warfen sich VerstĂ¶ĂŸe gegen die bis 11. Mai dauernde Waffenruhe vor. Das russische Verteidigungsministerium warf den ukrainischen StreitkrĂ€ften vor, diese hĂ€tten mit Drohnen und Artillerie russische Positionen und auch zivile Objekte angegriffen. Betroffen gewesen seien unter anderem die Gebiete Kaluga, Tula, Smolensk, Kursk, Brjansk und Belgorod sowie im SĂŒden die Teilrepublik Tschetschenien und die Regionen Stawropol und Krasnodar.

Auch der ukrainische Generalstab beklagte nach Beginn der Waffenruhe Angriffe von russischer Seite vor allem in den umkĂ€mpften Regionen im Donbass. ÜberprĂŒfbar sind die Angaben der Kriegsparteien von unabhĂ€ngiger Seite nicht. Auch bei allen bisherigen Waffenruhen haben sich Kiew und Moskau immer wieder massenhaft VerstĂ¶ĂŸe vorgeworfen.

Sowohl die russischen als auch die ukrainischen StreitkrĂ€fte nutzen nach Angaben aus Kiew die aktuelle Feuerpause zum HeranfĂŒhren von VerstĂ€rkungen sowie zur Rotation ihrer Truppen. Daneben bringe der Feind auch neue Waffen und Munition an die Frontlinien herangebracht, sagte der ukrainische Armee-Pressesprecher Viktor Trehubow im Fernsehen. Ähnliches geschehe auch auf ukrainischer Seite.

Die Lage an der Front sei derzeit ruhig, sagte Trehubow. Zwar gebe es noch einzelne KĂ€mpfe, doch seien diese deutlich weniger intensiv. Es sei "eine Art Ruhetag" eingetreten.

Fico verteidigt Teilnahme an Weltkriegsgedenken in Moskau

Derweil verteidigte der slowakische MinisterprĂ€sident Robert Fico seine von anderen EU-LĂ€ndern kritisierte Teilnahme am Weltkriegsgedenken in Moskau und rief zur neuerlichen Zusammenarbeit Europas mit Russland auf. "Ich lehne einen neuen Eisernen Vorhang zwischen der EU und Russland ab", sagte der Linksnationalist in einem Facebook-Video auf dem RĂŒckflug aus Moskau nach Bratislava. Er und seine Regierung hĂ€tten "Interesse an normalen freundschaftlichen und gegenseitig vorteilhaften Beziehungen" zur Großmacht Russland ebenso wie zu allen anderen LĂ€ndern, die daran interessiert seien.

Die Slowakei ist noch immer weitgehend von russischen Öllieferungen abhĂ€ngig. FĂŒr die wirtschaftlichen Probleme des Landes macht Ficos Regierung die Ukraine mitverantwortlich, weil sie zum Jahresbeginn 2025 die Durchleitung von russischem Gas ĂŒber ihr Territorium stoppte.

Fico war der einzige Gast aus der EuropĂ€ischen Union, der am Tag des Weltkriegsgedenkens im Kreml empfangen wurde. Putin sicherte ihm zu, dass Russland alles tun werde, um den Energiebedarf der Slowakei zu erfĂŒllen.

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