Weimer will Tiktok in 'europÀische HÀnde' legen
23.02.2026 - 14:41:43 | dpa.de"Bei Tiktok bin ich der Meinung, wir mĂŒssen dort auch die Eigentumsfrage stellen, wie die Amerikaner", sagte der parteilose Politiker auf einem Panel bei der Chefredaktionskonferenz der Deutschen Presse-Agentur. "Europa sollte eine Antwort darauf finden: Wem gehört Tiktok, ob wir das nicht in europĂ€ische HĂ€nde legen sollten, im Einvernehmen mit Bytedance."
DatensouverÀnitÀt
Damit solle die Frage nach DatensouverĂ€nitĂ€t und DatenabflĂŒssen geklĂ€rt werden, sagte der Beauftragte fĂŒr Kultur und Medien weiter. Es gehe dabei um mehrere Aspekte: "Wir haben natĂŒrlich den Datenzugriff in einer Dimension, die vor einer Generation unvorstellbar war, die intimsten Daten ganzer Generationen bis ins Privateste hinein." Man könne nicht zulassen, dass dies in ein anderes Land systematisch abflieĂe.
Er habe dazu mit Tiktok gute GesprĂ€che gefĂŒhrt, doch glaube er, dass man am Ende einen Schritt weiter gehen und auch die Frage der Gesellschafter adressieren mĂŒsse. "Europa braucht auch eine Form von DatensouverĂ€nitĂ€t ĂŒber Gesellschafter", sagte Weimer. Möglich wĂ€ren nach seinen Vorstellungen Investitionen eines groĂen europĂ€ischen Medienkonsortiums, das sich zu diesem Zweck bilden könnte.
Plattform-Soli "wahrscheinlich" dieses Jahr
DarĂŒber hinaus bekrĂ€ftigte Weimer seine PlĂ€ne fĂŒr einen sogenannten Plattform-Soli und zeigte sich zuversichtlich, dass er diesen noch in diesem Jahr werde durchsetzen können - wahrscheinlich in Form einer "zweckgebundenen Abgabe". WiderstĂ€nde gibt es nach seinen Worten noch bei der CSU, wĂ€hrend CDU und SPD das Projekt unterstĂŒtzten. Aber: "Die Wahrscheinlichkeit, dass jetzt Weimers Soli durchkommt, ist im Moment hoch."
Weimer hatte den Plan fĂŒr eine solche Steuer oder Abgabe bereits im FrĂŒhjahr 2025 vorgestellt. Hintergrund ist die Marktmacht der groĂen Suchmaschinen und Plattformanbieter, die in Europa mit hier erstellten Medieninhalten sehr viel Geld verdienen. Ziel ist, die Urheber und Verlage auskömmlicher zu finanzieren.
"Medienpolitische Ordnung im Ungleichgewicht"
Verlegerin Julia Becker von der Funke-Gruppe sagte, ohne diese Art von Besteuerung sei eine unfaire Situation der Marktbeherrschung durch Tech-Plattformen entstanden. "Hier geht es um eine medienpolitische Ordnung, die ins Ungleichgewicht geraten ist", sagte Becker. Die Betreiber dieser Erlösmodelle "mit unserem Content" wĂŒrden weder finanziell noch gesellschaftspolitisch zur Verantwortung gezogen.
Erlöse eines Plattform-Solis könnten in Medienvielfalt, in lokale Projekte oder Medienkompetenz flieĂen, ohne dass dies auf staatlichen Einfluss auf Redaktionen hinauslaufe. Vielmehr sei es ein "ordnungspolitischer Ausgleich fĂŒr ein strukturelles Machtungleichgewicht", sagte Becker.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) hatten im vergangenen Jahr Vorbehalte gegen den "Plattform-Soli" geĂ€uĂert. Unter anderem wird befĂŒrchtet, dass MaĂnahmen zulasten der US-Konzerne den Zollstreit mit Washington verschĂ€rfen könnten.
"Krasse Wettbewerbsverzerrung"
Die Plattformökonomie habe zu einem Konzentrationsprozess und zur Kartellbildung gefĂŒhrt, sagte Weimer. Es gebe eine krasse Wettbewerbsverzerrung. Deshalb mĂŒsse man ordnungspolitisch eingreifen, um die hohe QualitĂ€t der deutschen Medienlandschaft zu erhalten. Hebel sei nicht nur der Plattform-Soli, sondern auch das Kartellrecht, das Medienrecht, das Jugendschutz- und das Steuerrecht.
Die Digitalabgabe wĂŒrde groĂe Internetkonzerne wie Google US02079K1079 und Meta US30303M1027 treffen. Vorbild ist Ăsterreich. Dort sind groĂe Online-Plattformen seit 2020 verpflichtet, fĂŒnf Prozent der EinkĂŒnfte aus der Werbevermarktung abzufĂŒhren. Weimer hat fĂŒr Deutschland eine GröĂenordnung von zehn Prozent genannt. Erwartet werden Einnahmen in Milliardenhöhe.
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