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LĂ€nder verbessern Lobbyregeln - In der Praxis hapert es oft

Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 14:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Mehrheit der BundeslĂ€nder hat in den vergangenen zwei Jahren Fortschritte gemacht, was ihre Regeln fĂŒr eine transparente Politik und den Einfluss von Lobbyisten betrifft.

Deutliche Kritik ĂŒbt Transparency International Deutschland jedoch an ThĂŒringen. Etwas enttĂ€uscht zeigt sich die unabhĂ€ngige Organisation, die sich der BekĂ€mpfung von Korruption verschrieben hat, darĂŒber, dass Berlin und das Saarland noch keine Regelung fĂŒr Karenzzeiten ausgeschiedener Politiker beschlossen haben.

ThĂŒringer Landtagsverwaltung in der Kritik

Laut dem von Transparency International Deutschland veröffentlichten Lobbyranking 2026 haben sich 12 der 16 LĂ€nder seit 2024 leicht verbessert. Dennoch sei nun keineswegs alles gut, heißt es seitens der Organisation, vor allem, was die Anwendung in der Praxis angeht. "Selbst dort, wo Regelungen zur Lobbytransparenz existieren, mangelt es hĂ€ufig an ihrer Umsetzung", kritisiert Norman Loeckel von Transparency Deutschland. Das deutlichste Beispiel dafĂŒr sei ThĂŒringen, dort existierten "vorbildliche Regeln, die faktisch außer Kraft gesetzt sind". Die Landtagsverwaltung habe auf Basis eines eigenen Gutachtens entschieden, "das geltende Recht, das geltende Gesetz nicht anzuwenden". Konkret gehe es um das Lobbyregister und den legislativen Fußabdruck. "Das basiert nicht auf einem richterlichen Beschluss, also es gab keine Klage vor dem Landesverfassungsgericht oder Verwaltungsgericht", sagt Loeckel.

Defizite bei der praktischen Umsetzung auch im Bund erkennbar

Auch im Bund sind nach EinschĂ€tzung von Transparency Deutschland Vollzugsdefizite erkennbar. Dennoch kommt der Bund im Ranking auf einen Wert von 73 Prozent und liegt damit vor allen LĂ€ndern. In der Reihenfolge der BundeslĂ€nder steht Baden-WĂŒrttemberg mit 59 Prozent der erfĂŒllten Kriterien aktuell an der Spitze. Den zweiten Platz belegt unverĂ€ndert Bayern, das um zwei Prozentpunkte zulegen konnte und nun bei 56 Prozent liegt. Hamburg hat sich seit 2024 nach Angaben von Transparency um neun PlĂ€tze auf 50 Prozent verbessert, nachdem die Hansestadt ein Lobbyregister mit Elementen eines exekutiven Fußabdrucks beschlossen hat.

Schlusslicht bleibt Bremen mit 15 Prozent; auch Niedersachsen verharrt trotz Verbesserungen bei den Verhaltensregeln im unteren Teil der Tabelle. ThĂŒringen rutscht auf Platz vier (43 Prozent) ab, weil seine Vorschriften zum Lobbyregister und zum legislativen Fußabdruck nach EinschĂ€tzung von Transparency Deutschland nicht ausreichend umgesetzt werden. ThĂŒringen hatte das Ranking vor zwei Jahren noch angefĂŒhrt.

Untersucht wurden vier Kriterien fĂŒr eine integre und transparente Politik:

* Hat ein Land ein Lobbyregister und wie ist es ausgestaltet? Unter einem Lobbyregister versteht Transparency eine öffentliche Liste der Interessenvertreter, die Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen wollen, einschließlich Angaben zu Interessen und Ressourcen.

* Wird das Mitwirken von Lobbyisten an Gesetzen durch einen sogenannten legislativen Fußabdruck offengelegt? Der legislative Fußabdruck soll nachvollziehbar machen, wie ein Gesetz entsteht, welche Akteure beteiligt waren und welchen Beitrag sie geleistet haben.

* Gibt es Karenzzeiten fĂŒr Regierungsmitglieder und Spitzenbeamte, wenn sie von der Politik in die Privatwirtschaft wechseln?

* Und welche Verhaltensregeln, Anzeigepflichten und Verbote beispielsweise fĂŒr NebentĂ€tigkeiten von Abgeordneten gibt es?

Jedes dieser Kriterien fließt zu jeweils einem Viertel in die Gesamtbewertung ein. Innerhalb der Kriterien werden einzelne Anforderungen allerdings unterschiedlich gewichtet, sodass nicht allein das Vorhandensein eines Gesetzes, sondern auch dessen konkrete Ausgestaltung in die Punktzahl eingeht. FĂŒr die Bewertung prĂŒfte die Arbeitsgruppe Politik von Transparency in allen LĂ€ndern öffentlich zugĂ€ngliche Quellen und bezieht zum Vergleich auch die Regelungen des Bundes ein.

Vier LĂ€nder haben keine Karenzzeit-Regelung

Kritisch merkt Transparency zu seinem aktuellen Lobbyranking an, dass Berlin, das Saarland, Sachsen-Anhalt und Bremen bislang als einzige BundeslĂ€nder noch keine Karenzzeit eingefĂŒhrt haben, um etwaige Interessenkonflikte beziehungsweise den Missbrauch von Insiderwissen von Politikerinnen und Politikern zu vermeiden. In Berlin werde darĂŒber zwar schon seit Jahren diskutiert, eine konkrete Regelung lasse aber weiter auf sich warten.

Aus Sicht von Transparency ist das nicht nachvollziehbar, da es keiner großen gesetzgeberischen Anstrengungen bedĂŒrfe, etwa die Regelung des Bundes zu ĂŒbernehmen, wie dies Rheinland-Pfalz kĂŒrzlich getan habe. Das Bundesland verfĂŒgt ĂŒber eine Regelung fĂŒr Karenzzeiten von Ministern. Sie sieht im Regelfall eine Wartezeit von 12 Monaten, in AusnahmefĂ€llen bis 18 Monaten vor.

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