Drohne mit Sprengladung entschÀrft
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 15:08 Uhr | dpa.de(neu: Drohne mit Sprengvorrichtung entschÀrft)
LEIPZIG (dpa-AFX) - Nach dem nĂ€chtlichen Drohnen-Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle haben Spezialisten der Bundespolizei eine Drohne mit einer Sprengvorrichtung entschĂ€rft. Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) wurde der ZĂŒnder einer noch unbekannten Sprengvorrichtung entfernt.
Terrorismus- und Extremismus-Ermittler ĂŒbernehmen
Die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden und das im LKA ansĂ€ssige Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ), haben die Ermittlungen ĂŒbernommen. Sie schlieĂen eine politische Motivation nicht aus. Deshalb ist auch das PTAZ im Einsatz, hieĂ es. Der Flughafen gehöre zum Bereich der kritischen Infrastruktur.
Nach Angaben des LKA wurde die Drohne mit der Sprengvorrichtung auf der Start- und Landebahn "SĂŒdpiste" von einem Mitarbeiter des Flughafens gefunden. Ein mutmaĂlich zweites unbekanntes Flugobjekt sei mit einem Frachtflugzeug zusammengestoĂen, nachdem es wegen der zuvor erfolgten Sperrung der Landebahn wieder durchstartete. Bei der Maschine konnten nach der Landung in Hannover leichte BeschĂ€digungen festgestellt werden, hieĂ es.
Flugbetrieb vorĂŒbergehend eingestellt
Der Flugbetrieb wurde nach Feststellung der Drohne in der Nacht zunĂ€chst komplett eingestellt. Nach einer umfangreichen Kontrolle des Flughafens konnte die Start-/Landebahn "Nordpiste" noch in der Nacht wieder freigegeben werden. Die Start-/Landebahn "SĂŒdpiste" sollte aus WartungsgrĂŒnden am Mittwoch nicht genutzt werden.
"Es besteht keine Gefahr fĂŒr Leib oder Leben von Passagieren oder Mitarbeitern des Flughafens. Der Flugverkehr fĂŒr Passagiere ist nicht beeintrĂ€chtigt", stellten die Ermittler klar.
ZusammenhÀnge noch unklar
Unklar ist bislang noch, ob es einen Zusammenhang zwischen dem zuerst gesichteten Flugobjekt und der Drohne mit Sprengvorrichtung gibt, die am Boden gefunden wurde. Der Leipziger Polizeisprecher Olaf Hoppe stellte klar, dass Unbefugte nicht einfach auf das Rollfeld gelangen können. Es liege der Schluss nahe, dass das besagte Objekt aus der Luft auf den Boden gelangt sei.
Die Drohne befand sich nach den Angaben aus Sicherheitskreisen nahe einer ukrainischen Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124 Condor. Sie wurde sichergestellt und mit einem RöntgengerÀt untersucht. Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) sprach von einem "sehr ernsten Sicherheitsvorfall".
Unternehmen Antonow hat Basis am Flughafen Leipzig/Halle
Das ukrainische Luftfahrtunternehmen Antonow errichtet derzeit am Flughafen Leipzig/Halle einen neuen Wartungshangar. Der Bau soll in der ersten JahreshÀlfte 2027 fertiggestellt werden. Die Ukrainer sind schon seit 2006 mit einer Wartungsbasis am hiesigen Flughafen vertreten. Infolge des russischen Angriffskriegs haben sie ihre Flotte komplett auf den sÀchsischen Airport verlegt. Sechs Maschinen sind hier stationiert.
Leipziger OB sieht Bedrohungslage mit neuer QualitÀt
"Die Bedrohungslage in Deutschland hat eine neue QualitĂ€t erreicht. Eine mit einer Sprengvorrichtung bestĂŒckte Drohne macht unmissverstĂ€ndlich klar, dass unsere Sicherheit bedroht ist", erklĂ€rte der Leipziger OberbĂŒrgermeister Burkhard Jung (SPD). Die Infrastruktur mĂŒsse besser geschĂŒtzt werden. "Dem mĂŒssen Bund und LĂ€nder auch finanziell viel stĂ€rker Rechnung tragen."
Flughafen Leipzig schon einmal Tatort eines versuchten Anschlags
Im Juli 2024 hatte es schon einmal einen relevanten Vorfall auf dem Flughafen Leipzig gegeben. Damals war Deutschland nur knapp an einem Flugzeugabsturz vorbeigeschrammt. Einem glĂŒcklichen Zufall war es zu verdanken, dass ein Paket, das einen Brandsatz enthielt, noch am Boden im DHL-Logistikzentrum Leipzig und nicht wĂ€hrend des Fluges in Brand geriet.
Das Bundesinnenministerium konnte zu einem möglichen Zusammenhang zwischen dem damaligen und dem aktuellen Vorfall nichts sagen. Der Sprecher konnte allerdings bestÀtigen, dass ein Flugzeug, das eigentlich in Leipzig hÀtte landen sollen, nicht landen konnte und durchstarten musste. Die Maschine sei "dabei anscheinend mit etwas kollidiert und konnte dann in Hannover landen".
Drohnen sorgen immer wieder fĂŒr Aufregung
Wie an anderen FlughĂ€fen auch musste der Flugverkehr in Leipzig in den vergangenen Jahren nach Drohnensichtungen mehrmals eingestellt werden. Im vergangenen Herbst hatte der Betrieb am Flughafen MĂŒnchen wegen Drohnen-ĂberflĂŒgen wiederholt eingestellt werden mĂŒssen. In der Folge wurde ein Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum zum Austausch zwischen Bund und LĂ€ndern bei der Bundespolizei eingerichtet.
Der Flughafenverband ADV drĂ€ngte die Politik nach dem jĂŒngsten Vorfall zum Handeln. "FlughĂ€fen sind sicherheitsrelevante Einrichtungen und bedĂŒrfen des bestmöglichen Schutzes. Drohnenabwehrsysteme mĂŒssen jetzt schnellstmöglich installiert und vollstĂ€ndig einsatzbereit gemacht werden", erklĂ€rte ADV-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Ralph Beisel. Aktuell warteten die FlughĂ€fen in Berlin, MĂŒnchen, DĂŒsseldorf, Stuttgart, Hamburg, Leipzig/Halle und Köln/Bonn noch auf die vom Innenministerium zugesagte Ausstattung mit Systemen zur Detektion und Abwehr von Drohnen.
Ukrainischer Botschafter hat einen Verdacht
Der Botschafter der Ukraine in Deutschland, Oleksii Makeiev, vermutet Russland hinter dem Drohnen-Vorfall. "Ich hoffe, dass auch all die Behörden in Deutschland jetzt die Tatsachen feststellen. Aber wer könnte es noch sein auĂer Russland?", sagte er dem Nachrichtensender Welt TV.
Die Ukraine habe aus dem Vereidigungskrieg gegen Russland viele Erfahrungen mit Drohnen gesammelt, betonte Makeiev. "Unsere Erfahrung ist einmalig. Und wir bieten unserem strategischen Partner Deutschland diese Erfahrungen vom MilitĂ€r, von unseren Feuerwehrleuten, von unseren Ărzten an zur VerfĂŒgung."
