Logistikbranche, Kraftstoffe

Logistikbranche setzt auf grüne Kraftstoffe und Digitalisierung

16.04.2026 - 14:10:41 | boerse-global.de

Die deutsche Logistik steuert auf einen tiefgreifenden Wandel zu. Hohe Kosten und Personalmangel belasten die Branche, während große Investitionen in nachhaltige Kraftstoffe und Digitalisierung fließen.

Logistikbranche setzt auf grüne Kraftstoffe und Digitalisierung - Foto: über boerse-global.de

Beim heutigen Tag der Logistik stehen die doppelte Herausforderung von Dekarbonisierung und Effizienz im Mittelpunkt. Branchenexperten beschreiben die Lage als angespannt – getrieben von hohen Energiekosten und schwankenden Volumina. Die Lösung soll in integrierten, multimodalen Transportketten liegen. Dies wird auch ein zentrales Thema auf der kommenden Mobilitätskonferenz am 20. April sein.

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Strategische Investitionen in Klimaschutz und Netze

Der Umstieg auf nachhaltige Flugkraftstoffe (SAF) wird für globale Logistikanbieter immer wichtiger. Anfang April verkündeten die DHL Group und IAG Cargo eine Ausweitung ihrer Partnerschaft. Der neue Fünfjahresvertrag bis 2030 sieht die Nutzung von rund 240 Millionen Litern SAF am Flughafen London Heathrow vor. Der aus Abfallstoffen gewonnene Kraftstoff soll den CO2-Ausstoß um 640.000 Tonnen reduzieren.

DHL Express rechnet durch diese Vereinbarung mit jährlichen Einsparungen von etwa 40 Millionen Litern reinem SAF. Zusammen mit einer parallelen Rahmenvereinbarung für DHL Global Forwarding könnten die Gesamtersparnisse über eine Million Tonnen betragen. Das Ziel des Konzerns: Bis 2030 einen SAF-Anteil von 30 Prozent im Lufttransport erreichen.

Auch im Landverkehr fließen hohe Summen in die Zukunft. Der Logistiker Dachser meldete für 2025 Rekordergebnisse mit einem Umsatz von 8,3 Milliarden Euro. Für 2026 sind Investitionen von über 350 Millionen Euro geplant. Das Geld fließt in Netzausbau, Digitalisierung und Klimaschutz. 2025 hatte das Unternehmen bereits 325 Millionen Euro investiert und 86,2 Millionen Sendungen abgewickelt.

Technologie gegen Personalmangel und Kosten

Innovationen in der Lagerautomatisierung sollen steigende Arbeitskosten abfedern. Auf der LogiMAT Ende März präsentierte Quicktron modulare Systeme wie QuickBin Ultra und QuickCube. Diese sollen die Lagerkapazität um bis zu 200 Prozent und die Effizienz um bis zu 300 Prozent steigern. Die Amortisationszeit liege bei nur zwei bis drei Jahren.

Die Digitalisierung schreitet auch im Personentransport voran. Auf der BUS2BUS in Berlin zeigte TeleMatrik mit ChatMATRIK ein chatbasiertes Kommunikationssystem für Fahrer. Gleichzeitig diskutierten auf der UIC Passenger Week in Paris über 20 Verkehrsunternehmen, wie die Schiene zum Rückgrat nachhaltiger Mobilität werden kann. Eine zentrale Rolle spielt dabei die multimodale Vernetzung – ein Thema, das auch Verkehrsminister Peter Hanke auf der Mobilitätskonferenz ansprechen wird.

Fachkräftemangel als größtes Wachstumshemmnis

Trotz aller Technologie bleibt der Personalmangel das drängendste Problem. Eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigt: Rund 25 Prozent der Beschäftigten in Deutschland weisen Kompetenzlücken auf. In Engpassberufen wie dem Baugewerbe liegen die Defizite bei Lesekompetenz und IT-Nutzung sogar bei etwa 34 bzw. 35 Prozent.

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Regionen reagieren mit eigenen Programmen. In Oberösterreich startete die Initiative upperWORK 2026 mit einem Volumen von 392 Millionen Euro. Bis 2030 fehlen in der Region voraussichtlich 83.500 Fachkräfte. Ein geplanter Logistik- und Mobilitäts-Campus soll im vierten Quartal 2026 den Betrieb aufnehmen.

Für den Mittelstand lasten weitere Bremsen auf dem Wachstum. Branchenvertreter nennen sieben Haupthemmnisse, darunter Bürokratiekosten von schätzungsweise 65 Milliarden Euro pro Jahr und hohe Energiepreise. Letztere belasteten 2025 etwa die Hälfte aller Unternehmen. Nur rund 40 Prozent der KMU investieren derzeit regelmäßig. Die Lage in der Logistik bleibe "sehr angespannt", so der DSLV – mit rückläufigen Volumina und einem dramatischen Fahrermangel.

Finanzierung und Infrastruktur im Fokus

Vor diesem Hintergrund sichern sich Unternehmen ihre Finanzierungsbasis. Der Pooling-Dienstleister Cartonplast gab heute die erfolgreiche Refinanzierung von 230 Millionen Euro bekannt. Das Unternehmen verwaltet over 57 Millionen Mehrwegartikel und will so seine Flexibilität erhöhen.

Der Infrastrukturmarkt zeigt sich robust. Der Vesper Next Generation Infrastructure Fund I schloss mit über einer Milliarde Euro verwaltetem Vermögen ab – deutlich über dem Ziel von 800 Millionen Euro. Auch im Immobilienbereich ist die Nachfrage ungebrochen: Die Segro European Logistics Partnership platzierte am 15. April Anleihen im Volumen von 500 Millionen Euro.

Der digitale Ausbau schreitet voran, wenn auch ungleichmäßig. In Lügde sind die Glasfaserarbeiten zu 65 Prozent abgeschlossen, die Vollendung ist für Anfang 2027 geplant. In Regionen wie Ettenheim ziehen sich hingegen Anbieter aus eigenfinanzierten Projekten zurück, was die Kommunen nach alternativen Lösungen suchen lässt.

Ausblick: Sicherheit und künstliche Intelligenz

Die Branche blickt auf ein ereignisreiches Jahr. Die 3. Nationale Verkehrssicherheitskonferenz bekräftigte am 14. April das Ziel der "Vision Zero" ohne Verkehrstote. Der große Branchentreff InnoTrans im September in Berlin wird die Schwerpunkte Künstliche Intelligenz, Cybersicherheit und den Ausbau von Nachtzugverbindungen setzen.

Das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) gab jedoch eine verhaltene Prognose ab. Der Güterverkehr werde bis 2029 unter Druck bleiben. Geopolitische Risiken und volatile Energiepreise belasteten die Transportleistung, die 2025 voraussichtlich um 1,5 Prozent sank. Ein Lichtblick: Die Nachfrage nach schweren Sattelaufliegern in Westeuropa soll 2026 um sechs Prozent steigen. Ein Zeichen, dass die Branche trotz aller Widrigkeiten auf eine Erholung durch technologische Erneuerung setzt.

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