Lungenkrebs-Screening, Krankenversicherung

Lungenkrebs-Screening startet in der gesetzlichen Krankenversicherung

16.04.2026 - 12:02:11 | boerse-global.de

Starke Raucher haben seit April Anspruch auf jährliche Vorsorge-CTs. Das Programm soll Tumore früher erkennen und die hohe Sterblichkeit bei Lungenkrebs senken.

Lungenkrebs-Screening startet in der gesetzlichen Krankenversicherung - Foto: über boerse-global.de

Ziel ist es, Tumore früher zu entdecken und die hohe Sterblichkeit zu senken.

Seit Anfang April haben starke Raucher in Deutschland erstmals Anspruch auf eine jährliche Vorsorgeuntersuchung per Low-Dose-CT. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte das Programm im Juni 2025 beschlossen, nachdem das Bundesgesundheitsministerium 2024 die rechtliche Grundlage geschaffen hatte. Die Untersuchung soll Bronchialkarzinome erkennen, bevor Symptome auftreten.

Die Dringlichkeit ist hoch: In Deutschland erkranken jährlich etwa 50.000 Menschen an Lungenkrebs. Er ist bei Männern die zweithäufigste und bei Frauen die dritthäufigste Krebsart. Das Tückische: Die Krankheit verursacht oft erst spät Beschwerden. Daher werden derzeit nur rund 15 Prozent der Fälle so früh entdeckt, dass eine Heilung möglich ist. Das Screening soll diese Quote deutlich erhöhen und die Sterblichkeit senken, indem es Tumore im lokal begrenzten Stadium findet.

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Wer hat Anspruch auf die Untersuchung?

Die Teilnahme ist an strenge Kriterien geknüpft, um den Nutzen des Screenings gegenüber den Risiken – wie Strahlenbelastung oder falsch-positive Befunde – zu gewährleisten. Zielgruppe sind Hochrisikopersonen im Alter von 50 bis 75 Jahren.

Konkret müssen Interessierte eine Raucherkarriere von mindestens 25 Jahren vorweisen. Zudem muss der Gesamtkonsum bei mindestens 15 „Packungsjahren“ liegen. Diese Einheit berechnet sich aus der Anzahl täglich gerauchter Schachteln multipliziert mit den Raucherjahren. Teilnehmen können sowohl aktive Raucher als auch Ex-Raucher, die seit weniger als zehn Jahren abstinent sind. Wer in den letzten zwölf Monaten bereits eine CT des Brustkorbs hatte, ist vorerst nicht berechtigt.

Der Weg zur Untersuchung führt über den Hausarzt oder einen Facharzt für Innere Medizin. Dieser prüft die Eignung und führt ein ausführliches Aufklärungsgespräch. Dabei müssen die Ärzte auch über Risiken wie eine mögliche Überdiagnostik und die Belastung durch falsche Verdachtsbefunde informieren. Bei positiver Eignung stellt der Arzt eine Überweisung an einen qualifizierten Radiologen aus.

Hohe Hürden für Ärzte und strenge Qualitätssicherung

Nicht jede Praxis darf das Screening sofort anbieten. „Der medizinische Nutzen des Programms hängt wesentlich von diesen strengen Anforderungen ab“, betont G-BA-Mitglied Dr. Bernhard van Treeck. Sowohl die überweisenden Ärzte als auch die Radiologen müssen spezielle Fortbildungen absolvieren.

Radiologen benötigen eine spezielle Genehmigung ihrer Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Ein Kernstück des Programms ist das „Double-Read“-Prinzip: Jeder auffällige Befund muss von einem zweiten Radiologen begutachtet werden. Dies soll die Rate falsch-positiver Ergebnisse minimieren.

Die flächendeckende Umsetzung wird Zeit brauchen. Während das Programm offiziell am 1. April startete, sind viele Praxen noch in der Zertifizierungsphase. Einige Zentren, wie das Universitätsklinikum Freiburg, bieten ähnliche Screenings bereits seit Ende 2025 im klinischen Kontext an.

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So wird das Screening abgerechnet

Die finanziellen Details wurden Ende März 2026 vom Erweiterten Bewertungsausschuss festgelegt. Neue Gebührenordnungspositionen (GOP) im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) regeln die Abrechnung mit den Krankenkassen.

So ist für das Erstgespräch zur Eignungsprüfung die GOP 01876 mit rund 11,08 Euro vorgesehen. Die eigentliche Low-Dose-CT-Untersuchung (GOP 01871) wird mit 746 Punkten vergütet. Weitere Codes gibt es für die verpflichtende Zweitbefundung und den Abschlussbericht für den Patienten. In den Verhandlungen zwischen KBV und GKV-Spitzenverband setzten sich die Ärzte durch, die technischen Kosten und den Verwaltungsaufwand angemessen zu berücksichtigen.

Deutsche HANSE-Studie lieferte die Grundlage

Die Entscheidung für das Screening stützt sich auf große internationale Studien und speziell auf die deutsche HANSE-Studie des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL). Sie zeigte, dass sich LDCT-Screening erfolgreich in die klinische Routine integrieren lässt.

Aktuelle Diskussionen drehen sich um die Weiterentwicklung der Teilnahmekriterien. Das deutsche Programm orientiert sich derzeit an den „NELSON-Kriterien“ (Alter und Rauchdauer). Forscher wie Prof. Hans-Ulrich Kauczor vom DZL plädieren jedoch für komplexere Risikomodelle wie den PLCOm2012-Score. Dieser berücksichtigt zusätzlich Faktoren wie Körpergewicht, Bildungsstand, Krebsfälle in der Familie oder eine COPD-Erkrankung.

Solche Modelle könnten laut Studien noch mehr Krebsfälle im Frühstadium entdecken. Der G-BA startet zunächst mit den einfacheren Kriterien, will die Aufnahme erweiterter Risikobewertungen aber im Programmverlauf prüfen.

Screening ist nur ein Teil der Strategie

Das Lungenkrebs-Screening markiert einen Schritt hin zu einer proaktiveren Diagnostik. Gesundheitspolitiker betonen jedoch: Die beste Vorbeugung bleibt der Rauchstopp. Daher müssen die Aufklärungsgespräche auch über Raucherentwöhnungsprogramme informieren.

In den kommenden Monaten wird es darum gehen, die Akzeptanz in der Zielgruppe zu beobachten und die Abläufe zwischen Hausarzt und Radiologie zu optimieren. Der Erfolg wird sich letztlich daran messen lassen, ob die Lungenkrebssterblichkeit in Deutschland in den nächsten zehn Jahren spürbar sinkt. Mit fortschreitenden Zertifizierungen soll das Angebot 2026 stetig wachsen und für zehntausende Risikopatienten zur Regelversorgung werden.

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